Beyerdynamic knackt die 100-Millionen-Euro-Marke

Heilbronn  Heilbronner Kopfhörer- und Mikrofonhersteller verzeichnet rasantes Wachstum in der Pandemie. Mittlerweile arbeiten mehr als 500 Mitarbeiter für das Traditionsunternehmen. Vier Produktneuheiten kommen demnächst.

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Kopfhörer sind das Kerngeschäft von Beyerdynamic. Das Unternehmen produziert die hochwertigen Produkte am Stammsitz Heilbronn, wo viel in die Automatisierung investiert wurde. Aber Handarbeit ist nach wie vor ein ganz wichtiger Faktor.

Edgar van Velzen hatte sich eine ganze Menge vorgenommen, als er Mitte 2017 die Geschäftsführung des Heilbronner Traditionsunternehmens Beyerdynamic übernahm. Jünger, cooler, attraktiver als Arbeitgeber wollte er den Kopfhörer- und Mikrofonspezialisten machen - und natürlich erfolgreicher am Markt.

Der neue Chef hat geliefert

Nun, vier Jahre später, muss man feststellen: Der Niederländer hat Wort gehalten. Beyerdynamic steht so gut da wie wohl noch nie in seiner 97-jährigen Geschichte. Das zeigt schon ein Blick auf die Zahlen. Lag der Umsatz 2017 bei 52,5 Millionen Euro, will van Velzen in diesem Jahr die 100-Millionen-Euro-Grenze knacken. "Ich rechne damit, dass wir bei über 100 Millionen Euro herauskommen", sagt er. Auch die Mitarbeiterzahl hat das Familienunternehmen massiv gesteigert: von 361 im Jahr 2017 auf jetzt 501.

Davon sind 476 am Stammsitz beschäftigt, wo Beyerdynamic neben der Zentrale in der Theresienstraße einen Zulieferstandort in Horkheim und einen Logistikstandort in Talheim betreibt. 248 Mitarbeiter sind in der Produktion tätig. Alle Produkte werden in Heilbronn entwickelt, die meisten werden auch nach wie vor hier gefertigt - mit einem großen Anteil an Handarbeit. "Made in Germany spielt eine große Rolle, vor allem in Asien", sagt van Velzen. Lediglich einige weniger aufwendige Produkte wie etwa In-Ear-Kopfhörer lässt Beyerdynamic in China produzieren.

Online-Shop und Marketing ausgebaut

Der Geschäftsführer hat einiges dafür getan, dass das Unternehmen heute so gut dasteht. "Wir haben sehr viel ins Marketing investiert", sagt van Velzen. Das Thema online sei bei seinem Amtsantritt quasi nicht vorhanden gewesen. Der Geschäftsführer stockte das Marketing-Team von drei auf mittlerweile 20 Mitarbeiter auf, es wurde ein professioneller Online-Shop aufgebaut und die Präsenz in den wichtigen sozialen Medien stark ausgebaut. Parallel dazu hat van Velzen kräftig in die Automatisierung und Flexibilisierung der Produktion investiert. Auch im laufenden und nächsten Jahr sollen weitere drei Millionen Euro in diesen Bereich fließen. Außerdem tüfteln die Beyerdynamic-Spezialisten an neuen Produkten. In den nächsten Monaten kommen vier Neuheiten auf den Markt, etwa ein Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer, mit dem van Velzen die neue Benchmark setzen will.

Geschäft mit Gaming-Kopfhörern boomt

Beyerdynamic knackt die 100-Millionen-Euro-Marke

Präzisionsarbeit und Know-how ist bei Hightech-Produkten wie Kopfhörern und Mikrofonen gefragt. Darüber verfügen die Beyerdynamic-Mitarbeiter.

Fotos: Beyerdynamic

Von der Corona-Pandemie hat das Unternehmen eher profitiert. Zwar ist das Geschäft mit Konferenz- und Veranstaltungstechnik mangels Veranstaltungen eingebrochen. Dafür ist der Absatz bei Kopfhörern, Mikrofonen, Freisprecheinrichtungen und anderen Homeoffice-Produkten regelrecht durch die Decke gegangen. "Vor allem im Gaming-Bereich gab es eine große Nachfrage", freut sich van Velzen. Und dieser Trend halte bis heute an.

In der Pandemie hat Beyerdynamic davon profitiert, dass die Produktion in Deutschland angesiedelt ist. "Der Standort Heilbronn war Gold wert. Wir konnten aus dem Vollen schöpfen und weiter produzieren", berichtet der Geschäftsführer. Es wurden zusätzliche Schichten eingeführt, um Begegnungen zu minimieren. Alle Mitarbeiter, die nicht in der Produktion tätig sind, wurden ins Homeoffice geschickt. "Das machen wir noch bis zum Jahresende so", sagt van Velzen.

Starkes Wachstum in den USA

Der chinesische Markt, der am Anfang von Corona eingebrochen war, ist wieder voll da. "Und in Amerika ist der Umsatz explodiert", freut sich der Niederländer. Auch in Australien und in Japan verzeichnen die Heilbronner Wachstum. Deutschland bleibt aber mit rund 25 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Markt. Viel Potenzial sieht der Geschäftsführer im Onlinehandel. Mittlerweile macht Beyerdynamic rund 60 Prozent seines Umsatzes online, vor allem über Plattformen wie Amazon. "Auf unseren eigenen Online-Shop entfallen rund zehn Prozent des Umsatzes - Tendenz steigend", berichtet van Velzen.

Das Unternehmen

Beyerdynamic wurde 1924 von Eugen Beyer gegründet. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem renommierten Audiotechnikexperten. Zur Produktpalette zählen neben Kopfhörern, Headsets und Mikrofonen auch Konferenztechniksysteme. Das Unternehmen mit Sitz an der Heilbronner Theresienstraße beschäftigt 501 Mitarbeiter und hat Auslandsstandorte in den USA, Indien, Singapur und China. Eine Besonderheit des Hightech-Unternehmens ist das Festhalten am Produktionsstandort Deutschland

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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