Bei der Unternehmensgründung nicht zu viel dem Zufall überlassen

Heilbronn  Erfolgsgeschichten von Startups beginnen meist mit zwei, drei Studenten in einer Garage. Doch nicht aus jeder Garagenfirma wird ein Erfolg. Zum Auftakt der Reihe Startup-City Meets Experts gibt TUM-Professorin Miriam Bird Tipps.

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Startups können in Coworking-Spaces kostengünstig arbeiten und zugleich ihr Netzwerk erweitern. Auch die Innovationsfabrik IFH bietet solche Räume.

Foto: dpa

Gegensätze ziehen sich an? Was angeblich in der Liebe gilt, stimmt fürs Geschäftsleben eher nicht. Da lautet der Merksatz eher "Gleich und Gleich gesellt sich gern". Deshalb gelte es, schon in der Gründungsphase eines Unternehmens darauf zu achten, dass genügend Vielfalt ins Team kommt, erklärt Miriam Bird, Professorin für Entrepreneurship and Family Enterprise an der TUM in Heilbronn.

Risiken sind statistisch größer als die Chancen

Auch wenn die Erfolgsgeschichten von Tech-Firmen wie Apple, Google oder Hewlett-Packard meist mit zwei, drei Studenten in einer Garage beginnen, wird nicht aus jeder Garagenfirma eine Erfolgsgeschichte. "Insgesamt sind die Überlebenschancen für Startups in den ersten fünf Jahren gering", sagt Bird. Doch man könne die Chancen verbessern.

Es kommt auf das Know-how und den Typ Mensch an

Ein entscheidender Faktor sei dabei die Zusammensetzung des Teams. Die Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak können hier als Beispiel gelten. Der persönliche Hintergrund der beiden ist ähnlich. Was ihre Fähigkeiten angeht, ergänzten sich die beiden aber: Wozniak war der begnadete Ingenieur und Programmierer, Jobs war der Geschäftsmann und konnte seine visionären Ideen klar formulieren.

Ähnlich sollten auch heute Startups überlegen, wer noch ins Team passt. "Ich hatte in Stockholm zahlreiche Studenten, die innerhalb kürzester Zeit eine App programmieren konnten. Sie wussten aber nicht: Wie bringe ich das Zeug an den Mann?", sagt Bird. Rechtliches Wissen sei oft nötig, Erfahrung im Umgang mit Behörden.

Netzwerk kann entscheidend sein

Doch auch wenn man die fehlenden Kenntnisse erkannt habe, sei es oft gar nicht so einfach, das Problem zu lösen. Denn ob man den richtigen Kandidaten findet, hänge vor allem vom eigenen Netzwerk ab. "Wir nehmen oft Leute, die wir kennen."

Wer hat das Sagen? Wer bekommt wie viel?

Die zwischenmenschlichen Aspekte sind dabei nicht zu unterschätzen, betont Bird. Während auf sachlicher Ebene Konflikte förderlich für die Kreativität des Teams sein könnten, schadeten die "affektiven Konflikte", die durch Emotionen ausgelöst werden.

Ein besonderer Fallstrick ist in diesem Zusammenhang die Machtverteilung innerhalb des Teams. Sobald sich Teammitglieder hier ungerecht behandelt fühlten, beeinträchtige das die Arbeit grundsätzlich.

Ein zweiter Versuch lohnt sich immer

"Patentrezepte gibt es nicht", stellt Bird fest. Allerdings zeige die Forschung auf dem Gebiet, dass Firmen, die von Teams gegründet werden, höhere Überlebenschancen hätten, in der Regel schneller wachsen und innovativer sind. Und sollte es trotzdem danebengehen, und die Firma überlebt nicht, dann lohne es sich immer, es noch einmal zu versuchen. "Der zweite Versuch ist oft erfolgreicher als der erste", so Bird.

Startup-City Meets Experts

Der Online-Vortrag "Wie gestalte ich mein Gründerteam?" war Teil einer einwöchigen Veranstaltungsreihe rund um Gründertum und Startups aus der Region. Partner sind unter anderem die Startup-City Heilbronn, die Heilbronner Hochschulen und zahlreiche weitere Institutionen aus der Region. Alle Infos unter startupcity-heilbronn.de/x-experts.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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