Q4 E-Tron: Audis erstes E-Auto für eine breitere Masse

Ingolstadt/Neckarsulm  Der Q4 E-Tron startet in zwei Karosserievarianten. Die Preise beginnen ab 41.900 Euro. Der Kompakt-SUV bietet bis zu 520 Kilometer Reichweite.

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Markus Duesmann gilt als ungeduldiger Mensch. Ginge es nach dem Audi-Chef, könnte alles immer noch einen Tick schneller gehen. Der 51-Jährige habe "Benzin im Blut", aber auch "Strom in den Adern", wie es Vertraute mit einem Augenzwinkern formulieren. Der Weg in die Zukunft ist klar skizziert, die Zukunft gehört der Elektromobilität. Bis 2025 soll der Anteil der Stromer bei Audi in der Größenordnung 30 bis 40 Prozent liegen, 2030 gar bei 50 Prozent.

Nach dem Erstling, dem großen SUV E-Tron, und dem besonders sportlichen E-Tron GT aus Heilbronn, folgt nun das erste E-Auto, von dem sich der Hersteller größere Stückzahlen erwartet. Im Juni startet der Verkauf des Kompakt-SUVs Q4 E-Tron. Nur wenige Wochen später folgt als zweite Karosserievariante der Q4 Sportback E-Tron als SUV-Coupé mit einem auffällig schrägen Heck.

Platz wie in einem viel größeren Auto

Alles andere als schräg ist der Einstiegspreis von 41.900 Euro für den normalen Q4 E-Tron, für den Sportback werden 2000 Euro mehr fällig. Das ist deutlich niedriger als zunächst erwartet wurde. Damit bewegt sich Audi immer mehr auf dem Niveau von vergleichbar großen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Dafür erhält der Käufer ein SUV, das erstmals bei einem Audi-Modell auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) des VW-Konzerns basiert. Mit einer Länge von knapp 4,60 Metern rangieren die zwei Q4-Varianten in der Kompaktklasse.

Audis erstes E-Auto für eine breitere Masse

Da der Radstand, also der Abstand zwischen den beiden Achsen, üppige 2,76 Meter beträgt, ist das Platzangebot größer, als man es zunächst erwartet. Vorne sowieso. Dort gibt es nun eine riesige Ablage zwischen beiden Sitzen, weil es keinen Mitteltunnel gibt. Aber auch in Reihe zwei sitzen die Passagiere sehr bequem, das gilt sowohl für Knie- und Kopffreiheit. Man fühlt sich eher im Q5 oder gar Q7 als in einem eigentlich viel kleineren Fahrzeug. In den Kofferraum passen 520 bis 1490 Liter (Sportback: 535 bis 1460 Liter).

Drei Leistungsstufen, zwei Batterien, Heck- und Allradantrieb

Platz gibt es also mehr als genug. Technisch lässt Audi den Kunden die Wahl zwischen Heck- und Allradantrieb. Die E-Maschine gibt es in drei Leistungsstufen mit 125 kW, 150 kW und 220 kW im Topmodell. Im Basismodell fasst die Batterie 52 kWh, in den beiden stärkeren Varianten 77 kWh. Das soll nach Angaben von Audi für Reichweiten von mindestens 341 bis 520 Kilometer reichen. Geladen wird das lokal emissionsfreie Auto mit Wechselstrom mit bis zu 11 kW und mit Gleichstrom mit maximal 125 kW. Unter idealen Bedingungen fließt damit innerhalb von zehn Minuten Strom für 130 Kilometer in den Akku. Der sorgt für einen tiefen Schwerpunkt, da er im Fahrzeugboden untergebracht ist.

Weltweit erstes digitales Tagfahrlicht

Verpackt ist das Ganze in eine für Audi typische Optik mit vielen modellierten Flächen. Besonders stolz sind die Designer auf das weltweit erste digitale Tagfahrlicht. Dabei kann der Kunde unter vier verschiedenen Lichtsignaturen wählen. Dazu gibt es vorne einen geschlossenen Kühlergrill, hinten ein schmales, scharf gezeichnetes Leuchtenband. Innen gibt es ein digitalisiertes Cockpit mit nur noch wenigen Schaltern, in der Mitte ist ein bis zu 11,6 Zoll großer Touchscreen für alle wichtigen Funktionen wie das Infotainment integriert.

Virtuelle Realität verbessert die Navigation

Audis erstes E-Auto für eine breitere Masse
Innen gibt es ein digitalisiertes Cockpit mit nur noch wenigen Schaltern, in der Mitte ist ein bis zu 11,6 Zoll großer Touchscreen für alle wichtigen Funktionen integriert.

Der neueste Stromer mit den vier Ringen bringt zudem noch eine technische Innovation. Denn als erster Audi überhaupt hat die neue Baureihe Q4 ein Head-up-Display mit Augmented Reality-Technik (virtuelle Realität). Dieses System projiziert in einer zweiten Bildebene zusätzliche Informationen direkt ins Blickfeld des Fahrers. Die liegen nicht nur deutlich weiter vor dem Auto und werden deshalb noch intuitiver erfasst. Sondern sie orientieren sich darüber hinaus als wesentlicher Vorteil an der realen Umgebung.

Die Elektronik markiert zum Beispiel vorausfahrende Autos oder den Fahrbahnverlauf, platziert Zielflaggen auf dem Parkplatz und lässt den Navigationspfeil wie eine Drohne vor dem Auto schweben, die stets im passenden Moment in die entsprechende Straße weist. Der Aufpreis für das Head-up-Display steht noch nicht fest. Damit nicht genug: Der Q4 soll auch den kleinsten Wendekreis der gesamten Modellpalette haben.

Strategie
Audi will die Zahl seiner elektrifizierten Autos bis 2025 auf 30 Modelle steigern. Der nächste wichtige Schritt folgt 2022. Dann ist die zusammen mit Porsche entwickelte neue Plattform PPE (Premium Platform Electric) fertig, die Fahrzeugen der Oberklasse vorbehalten ist. Erstes Modell wird bei Audi der Q6 E-Tron sein, bei Porsche der nächste Macan . 2023 folgt der A6 E-Tron, der - wie es der Name sagt - von der Größe her in etwa dem aktuellen A6 aus Neckarsulm entspricht.

 

 

Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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