Trockenheit lässt den Gewinn bei EnBW schrumpfen

Karsruhe  Der Karlsruher Energiekonzern leidet mit seiner Sparte Erneuerbare Energien unter dem Wetter: Es wehte zu wenig Wind und es regnete nicht genug. Das hat Folgen für den Gewinn.

Von Heiko Fritze
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Beim Offshore-Windpark "Baltic 2" standen die Räder häufiger still. Foto: dpa

 

Alle reden über das Wetter - auch Thomas Kusterer. Denn die lange Trockenheit und das laue Lüftchen in diesem Jahr wirkt sich zunehmend auf die Bilanz des Energieversorgers EnBW aus. Zwar stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 13,4 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro.

Das Wachstum beim Gewinn konnte damit aber nicht Schritt halten: Er belief sich auf 468,7 Millionen Euro. Deutlich mehr als vor zwei Jahren, als es noch rote Zahlen waren - aber auch deutlich weniger als im Vorjahr mit knapp 1,9 Milliarden Euro.

Sondereffekte im Vorjahr

2017 hatten freilich die zurückgezahlte Kernbrennsteuer und der Teilverkauf des Offshore-Windparks "Hohe See" zusätzliches Geld in die Kasse gespült. Doch auch ohne diesen Sondereffekt hätte das aktuelle Ergebnis eigentlich besser ausfallen sollen, räumte der Finanzvorstand ein: "Mir wäre es lieber gewesen, wenn mehr Wind geweht hätte und es mehr geregnet hätte."

So standen die Windräder der EnBW in der Ostsee und auf dem Festland häufiger still als erwartet, und auch die Laufwasserkraftwerke brachten wegen des Niedrigwassers weniger Leistung. Daher wird für das laufende Jahr auch kaum noch eine Verbesserung beim operativen Ergebnis erwartet - der Konzern senkte in dieser Sparte seine Prognose. "Die Wetterabhängigkeit wird zunehmen in unserem Geschäft", sagte Kusterer. Das Unternehmen stelle sich auf höhere Schwankungsbreiten ein.

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Projekte im Ausland

Aber die Investitionen in erneuerbare Energien lassen nicht nach. Nach Taiwan und der US-Westküste wird nun auch die US-Ostküste ins Visier genommen - vor kurzem habe der Gouverneur von New Jersey einen Termin bei der EnBW gehabt, deutete Kusterer an. Auf dem Festland schaue sich der Konzern unter anderem in Frankreich und Schweden um. Bis 2020 sollen schließlich 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Hier wie für die Gesamtstrategie gelte: "Wir werden unsere Ziele für 2020 erreichen - unser Ehrgeiz ist, sie sogar zu übertreffen."

Und die Kohlekraftwerke? Ein Verkauf der noch übrigen Blöcke sei aktuell nicht im Gespräch, berichtete der Finanzvorstand. "Wir betreiben sie, solange sie wirtschaftlich sind", erklärte er. Eine Strategieänderung sei vorerst nicht geplant. "Wir werden erst einmal abwarten, was bei der Kohlekommission herauskommt." Eines deutete er aber schon an: "Wenn man gezwungen wird, etwas Wirtschaftliches abzuschalten, würde ich erwarten, dass man dafür eine Entschädigung bekommt."

 


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