Salzwerke erleben gutes Jahr 2019, 2020 könnte es allerdings anders aussehen

Heilbronn  Die Südwestdeutschen Salzwerke mit Sitz in Heilbronn verkauften 2019 mehr Salz. Doch am Jahresende blieb der Winter aus - das dürfte sich in der diesjährigen Bilanz bemerkbar machen.

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Es war ein gutes Jahr für die Südwestdeutschen Salzwerke. Ausreichend Schnee vor allem im Alpenraum, boomende Chemieindustrie, ein Rekordjahr für die Speisesalzsparte - kein Wunder, dass der Umsatz beim Heilbronner Bergbauunternehmen deutlich zulegte. Dafür wird es dieses Jahr deutlich schlechter: Erst fiel der Winter quasi aus - und inzwischen sorgt das Coronavirus für Verunsicherung.

Vorstandssprecher Ulrich Fluck ist dennoch zuversichtlich. Zwar hat der Konzern am Freitag, als er seine Zahlen vorlegte, die Prognose für das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr gekürzt - statt zwischen 25 und 40 Millionen werden es 2020 nur zwischen 15 und 30 Millionen Euro. Das liege aber weniger an der Pandemie als am Wetter, erklärt der Vorstandschef. Auftausalz macht schließlich immer noch etwa ein Viertel des Umsatzes aus.

Speisesalz ist momentan begehrt

"Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Abhängigkeit von diesem Bereich zwar abgebaut, aber solche Schwankungen gehören nun einmal zu unserem Geschäftsmodell." In diesem Jahr werde der Streusalz-Absatz allenfalls die Hälfte des Vorjahresbetrags erreichen, erwartet Fluck. Vorausgesetzt im November und Dezember gibt es überhaupt Schnee. "Wir gehen in das Jahr mit der Hypothek eines nicht vorhandenen Winters."

Für die anderen Bereiche sieht es hingegen gut aus. Auch in der Corona-Krise sei zum Beispiel Speisesalz stark nachgefragt - obwohl viele Gastronomie-Betriebe schließen mussten. Gewerbe- und Pharmasalz entwickele sich "aus heutiger Sicht stabil". Die größten Mengen werden ohnehin als Industriesalz vor allem an Chemiebetriebe verkauft. "Wenn, dann wird es hier nur eine leichte Delle geben, aber keinen starken Einbruch", erwartet Fluck. 

 

Die wichtigste Nebensparte, der Bereich Entsorgung, werde wohl auch stabil bleiben - 2019 betrug der Umsatz dort 43,7 Millionen Euro. Auf den Bereich "Übriges Geschäft", in dem vor allem die Reederei Schwaben und die Besucherbergwerke Kochendorf und Berchtesgaden vereint sind, entfielen 11,7 Millionen Euro. Wann wieder Besuchergruppen unter Tage dürfen, ist aber noch offen. Wegen der Einschränkungen durch Corona sagt Fluck: "Wir fahren da auf Sicht."

Dividende bleibt trotz Verlust gleich

Die Bilanz des abgelaufenen Jahres wurde durch einen Sondereffekt getrübt: Weil ab 2022 ein weiterer Abschnitt der Grube Heilbronn als Deponie genutzt werden soll, musste der Konzern dafür Rückstellungen bilden - in Höhe von 42,5 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel dadurch ein Verlust von 4,5 Millionen Euro an. Das operative Ergebnis, bereinigt um die Rückstellung, betrug jedoch 37,8 Millionen Euro - und dies wird als Grundlage für die Dividende genommen, die der Hauptversammlung vorgeschlagen wird: Es sollen wieder 1,60 Euro je Aktie ausgezahlt werden.

Je 49 Prozent der Anteilsscheine halten die Stadt Heilbronn und das Land Baden-Württemberg, der Rest befindet sich in Streubesitz. Nach derzeitigem Stand soll die Versammlung am 29. Mai zusammenkommen - dauern die Corona-Maßnahmen dann noch an, soll sie verschoben werden, sagt der Vorstandschef.

Auch die Beschäftigten werden belohnt: Für die Tarif-Mitarbeiter gibt es eine Prämie in Höhe von 1810 Euro, kündigt Fluck an. Im Vorjahr wurden 1800 Euro gezahlt.


Neue Halle wird im Herbst fertig

2019 wurde auch kräftig investiert. Sichtbares Zeichen ist die neue Auftausalz-Halle 4, die alleine mehr als drei Millionen Euro kostete. Hohe Beträge flossen aber auch in eine Anzahlung für einen neuen Continuous Miner, der ein älteres dieser Abbaugeräte ersetzt, sowie in den Ausbau der Bandanlagen unter Tage und einen großen Schaufelbagger. In diesem Jahr wird unter anderem in die Erweiterung des Geländes in Kochendorf, unter anderem um eine weitere Halle, investiert. Ob das Dach dieser Halle eine Photovoltaik-Anlage erhält, werde im Herbst entschieden.

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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