Maschinenbauer Illig kündigt Kurzarbeit an

Heilbronn  Die abkühlende Konjunktur trifft auch den Heilbronner Maschinenbauer und Thermoformspezialist Illig. Das Unternehmen wird voraussichtlich Anfang 2020 in Kurzarbeit gehen.

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Geschäftsführer Karl Schäuble informierte die Mitarbeiter am Donnerstagnachmittag in einer Betriebsversammlung über dieses Vorhaben. Nun werde man mit dem Betriebsrat die Details besprechen.

Am Firmensitz in Heilbronn-Sontheim beschäftig Illig aktuell 713 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in der Produktion. Schäuble betonte, dass die Kurzarbeit die verschiedenen Bereiche unterschiedlich betreffen werde. Klar sei, dass die Entwicklungsarbeit weitergeführt werde, um technologisch weiter auf dem neuesten Stand zu sein.

"20 Prozent unter der Kapazitätsgrenze"

Grund für diesen Schritt sei ein deutlicher Auftragsrückgang in den zurückliegenden zwölf Monaten. Da man über einen großen Auftragsbestand verfügt habe, schlage dieser Rückgang erst jetzt durch, sagte Schäuble. „Wir liegen rund 20 Prozent unter der Kapazitätsgrenze.“ Der Geschäftsführer geht davon aus, dass das Unternehmen das gesamte nächste Jahr unterausgelastet sein wird. „2020 wird schwierig.“ Erst für 2021 rechnet Schäuble mit einer Besserung der Lage.

Eine ganzes Bündel an Ursachen hat der Geschäftsführer für die schwierige Lage ausgemacht. Neben den zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Problemen weltweit nennt Schäuble die Diskussionen um Kunststoff, die Illig-Kunden in der Verpackungsindustrie massiv verunsichere. Investitionen werden verschoben oder abgesagt.

Bei Illig hat man sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Situation befasst. Die gut gefüllten Zeitkonten der Mitarbeiter wurden zurückgefahren, doch das reicht nun nicht mehr. Aufgrund der deutlich schlechteren Auslastung müsse man auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen, sagt Schäuble. Stellenstreichungen sollen vermieden werden, ausschließen wollte er das aber nicht. „Es wäre verfrüht, darüber jetzt etwas zu sagen.“

Auch andere Unternehmen arbeiten kurz

Das Traditionsunternehmen ist in guter Gesellschaft. Wie berichtet wird auch bei Schunk in Lauffen kurzgearbeitet, bei Bosch, Mahle und anderen Zulieferern wurden bereits Stellenstreichungen verkündet. Andere Unternehmen aus der Autobranche und dem Maschinenbau dürften folgen.

Grundsätzlich ist Schäuble aber überzeugt, dass Illig an die gute Entwicklung der zurückliegenden Jahre anknüpfen kann. Denn der Bedarf an den Maschinen aus Sontheim sei nach wie vor hoch. Schäuble verweist auf die Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen Kunststoffverpackungen aufgrund des steigenden Wohlstandsniveaus eine immer wichtigere Rolle spielten. So laufen die Geschäfte von Illig in China derzeit sehr gut.

Das neue Montagewerk in Rumänien soll wie geplant nächste Jahr den Betrieb aufnehmen. Auch der Ausbau der internationalen Service-Standorte werde fortgeführt, betont Schäuble. Dagegen ist die geplante Erweiterung der Montage am Stammsitz vorerst auf Eis gelegt.

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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