Marcus Rodermann soll Lidl in die digitale Zukunft führen

Neckarsulm  Der Kopf hinter dem Kaufland-Lieferservice bekommt bei der Konzernschwester eine neue strategische Aufgabe. Er ist schon der dritte Chef innerhalb eines Jahres, der sich um die Digitalisierung kümmern soll.

Von Manfred Stockburger
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Mehr als 1,6 Millionen Menschen spielen das Online-Game "My Lidl World", das von der Digitalsparte des Discounters entwickelt wurde. Foto: Lidl

Während Amazon davonspurtet, ist die Gretchenfrage für den restlichen Einzelhandel, wie die richtigen Strategie für die Onlinezukunft aussieht.

Bei der Schwarz-Gruppe, die in den vergangenen Jahren eine konsequente "Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln"-Taktik anwendete, deutet sich nun der nächste Strategiewechsel an. Zumindest gibt es schon wieder einen neuen Kopf.

Lidl hat ein beachtliches Umsatzvolumen im Internet

Marcus Rodermann ist innerhalb eines Jahres schon der dritte Chef, der die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben soll - mit einem Volumen von einer knappen Milliarde Euro hat das Geschäft jedenfalls für Online-Verhältnisse ein beachtliches Volumen. Nachdem die von Ex-Vorstandschef Sven Seidel aufgebauten Manager Philipp Götting und Heiko Hegwein im Sommer 2017 ihre Sachen packen mussten, ist nun auch für Thorsten Reichle die Zeit abgelaufen.

Bei Lidl Digital war Reichle angetreten, den Lidl-Online-Shop als Nonfood-Anbieter zu etablieren, nachdem unter Hegwein verstärkt auch Lebensmittel online gehandelt werden sollten. Gleichzeitig war es in den vergangenen Monaten darum gegangen, die Onlineshops in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und in Tschechien näher an das stationäre Geschäft heranzurücken. Gleichzeitig hat Lidl den Reiseanbieter JT übernommen, um das eigene Touristik-Portal zu stärken.

Entwicklungsstandorte in mehreren Ländern

In der großen Lidl-Welt ist Digital eine vergleichsweise kleine Einheit - aber sie wächst. Nicht nur in Neckarsulm und in Berlin, sondern auch in Barcelona, Bukarest und Sofia ist Lidl Digital inzwischen mit eigenen Standorten vertreten. Dort sitzen Software- und App-Entwickler: Das Thema Digitalisierung umfasst mehr als die Online-Shops.

Marcus Rodermann sei ein "ausgewiesener E-Commerce-Experte, der Erfahrungen aus verschiedenen Unternehmen mitbringt und Konzepte effektiv operativ umsetzen kann", loben Vorstandschef Jesper Hojer und Matthias Oppitz, der bei Lidl das Deutschlandgeschäft und in Personalunion im Vorstand das Digital-Thema verantwortet, den Neuen. So zitiert die "Lebensmittelzeitung" eine interne Mitteilung, nach außen wird der Wechsel nicht weiter kommentiert.

Regelmäßige Personalwechsel

Personalveränderungen sind bei Lidl keine Seltenheit, aber Marcus Rodermanns Historie bringt eine besondere Note mit. Schließlich hatten die Neckarsulmer den 51-Jährigen Ende 2015 aus München in die Region geholt, um den Kaufland-Lieferservice aufzubauen. Dass dieser zwei Jahre wieder aufgegeben wurde, lag keineswegs am Chef - intern wie extern galt Kaufland beim Lieferservice als Benchmark.

Mit seiner langjährigen Erfahrung unter anderem bei Sportscheck, der Otto-Tochter Heine-Versand und nicht zuletzt bei Payback bringt Rodermann, der zuletzt bei Kaufland als Geschäftsführer zwischengeparkt war, aber weit mehr als Lieferservice-Know-how mit.

Heiko Hegwein ist inzwsichen bei Takkt

Heiko Hegwein indes ist seit Februar im Vorstand der börsennotierten Takkt AG in Stuttgart für die Digitalisierung des Versandhandelsunternehmens für Geschäftsausstattung verantwortlich.

 

 


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