Buchhandlung Wittwer geht mit Thalia zusammen

Stuttgart  Das Stuttgarter Traditionsunternehmen gibt seine Selbstständigkeit auf und fusioniert mit dem deutschen Marktführer. Drei Standorte und 100 Arbeitsplätze bleiben übrig. Künftig gibt es einen neuen Firmennamen.

Von Heiko Fritze
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Das blaue Wittwer-Logo wird durch einen neuen Namen ausgetauscht. Foto: dpa

Paukenschlag auf dem regionalen Buchmarkt: Die größte Buchhandlung der Landeshauptstadt gibt ihre Eigenständigkeit auf. Nach 151 Jahren geht Wittwer mit der Handelskette Thalia zusammen, teilten beide Unternehmen am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung mit.

Zuvor waren am Morgen die Mitarbeiter an den drei Standorten am Stuttgarter Schloßplatz sowie im Breuningerland in Ludwigsburg und in Sindelfingen und auch die wichtigsten Kunden und Lieferanten über die Veränderungen informiert worden. Dem Vernehmen nach wurden viele Partner von dem Schritt überrascht.

Einer der großen Solisten

Wittwer zählte bislang vor zu den größten sogenannten Solisten unter den deutschen Buchhändlern, also Unternehmen, die mit nur wenigen Standorten in einer Großstadt vertreten sind. Das Unternehmen erzielte nach Angaben des Branchenportals Buchreport vergangenes Jahr 27,1 Millionen Euro Umsatz. In den beiden Vorjahren befand es sich aber nach Daten des elektronischen Handelsregisters in den roten Zahlen.

Wittwer hatte darauf auch reagiert: Die Buchhandlung im Ludwigsburger Breuningerland wurde 2017 verkleinert. Und erst vor wenigen Tagen, zum Ende Juni, wurden die beiden Hochschulstandorte in Hohenheim und Stuttgart-Pfaffenwald geschlossen. Lehrbücher sollen nun im Schwerpunkt in der Filiale Schloßplatz angeboten werden, hieß es damals.

Neuer Namen

Über viele Details des Zusammenschlusses schweigen sich Thalia und Wittwer allerdings aus. So wird nicht einmal mitgeteilt, wie viel Prozent an Wittwer von Thalia übernommen werden. Das Unternehmen werde künftig den Namen Wittwer-Thalia tragen, hieß es. Der langjährige Geschäftsführer Rainer Bartle werde in der Leitung des Geschäfts bleiben. Etwa 100 Arbeitsplätze blieben langfristig erhalten - Ende 2016 waren es noch 147.

Langer Schrumpfkurs

Wittwer hatte schon seit mehreren Jahren einen Schrumpfkurs gefahren. So trennte sich das Unternehmen Ende 2008 von seinen 19 Bahnhofsbuchhandlungen. Sie gingen damals an den Schweizer Valora-Konzern, Marktführer im Bereich Bahnhofsbuchhandlungen.

"Wechsel des Geschäftsmodells"

Den aktuellen Einschnitt begründet der geschäftsführende Gesellschafter Konrad Wittwer mit der Digitalisierung und dem geänderten Medienverhalten der Leser. Für alteingesessene Traditionshäuser wie Wittwer ergäben neue Möglichkeiten, wenn sie sich mit größeren Partnern zusammentun. Bei den Feiern zum 150-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr habe er bereits angekündigt, sich aus dem operativen Geschäft schrittweise zurückzuziehen, sagte der 63-Jährige. "Wir haben uns in der Familie dafür entschieden, mit dem Generationenwechsel auch einen Wechsel des Geschäftsmodells vorzunehmen."

Ehemals in Heilbronn

Die Thalia-Gruppe geht auf eine 1919 in Hamburg gegründete Buchhandlung zurück. Nach diversen Zusammenschlüssen stieg sie bis 2006 zum Marktführer in Deutschland auf. Durch den Wandel im Buchhandel musste aber auch sie Sparmaßnahmen vornehmen, unter anderem wurde die Filiale in der Heilbronner Stadtgalerie geschlossen. 2016 gaben die Mehrheitseigner, die Handelskette Douglas, ihre Anteile an die Inhaber des Freiburger Herder-Verlags ab.

Seitdem expandiert Thalia wieder: Inzwischen bestehen etwa 300 Filialen bundesweit, davon 15 in Baden-Württemberg. Vergangenes Jahr belief sich der Umsatz laut Buchreport auf 950 Millionen Euro. In diesem Jahr kamen bereits drei Filialen hinzu, unter anderem in Weil am Rhein.

 

 

 


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