Was Audi und Porsche verbindet

Neckarsulm - Seit vergangener Woche ist klar, dass Audi, Porsche und Neckarsulm eine gemeinsame Zukunft haben werden. Es gibt aber auch eine gemeinsame Vergangenheit, die das Zusammenwachsen der künftigen Schwestern unter dem VW-Dach erleichtern wird.

Eine lange gemeinsame Geschichte
In den 1980er Jahren bauten Audianer in Neckarsulm Porsche-Karossen. Zurzeit helfen hiesige Aluminium-Spezialisten beim Aufbau der Rohkarossen-Produktion des Porsche Panamera im VW-Werk Hannover.Foto: Archiv

Neckarsulm - Seit vergangener Woche ist klar, dass Audi, Porsche und Neckarsulm eine gemeinsame Zukunft haben werden. Es gibt aber auch eine gemeinsame Vergangenheit, die das Zusammenwachsen der künftigen Schwestern unter dem VW-Dach erleichtern wird. Abseits der Querelen zwischen den Eigentümern gibt es jede Menge Anknüpfungspunkte.

Porsche rettet NSU

An einer Person lässt sich das schön festmachen: Die erste Managementaufgabe des heutigen Werkleiters Albrecht Reimold war vor über 20 Jahren, den Neckarsulmer Porsche-Karosseriebau zu führen: Zwischen 1975 und 1991 bauten bis zu 2200 Audi-Mitarbeiter in Neckarsulm exakt 313 122 Porsche-Sportwagen der Baureihen 924 und 944. Zum Vergleich: Vom A8 sind seit 1988 noch keine 300 000 Fahrzeuge vom Band gelaufen.

Der Porsche 924 war im Jahr 1975 Teil des Rettungspakets für den Standort Neckarsulm. Innerhalb weniger Monate wurde damals die Produktionsstraße aufgebaut. Schon die Entwicklung des 924er war eine Co-Produktion zwischen VW und Porsche gewesen. Zunächst hätte das von Porsche konzipierte Auto unter der Marke VW verkauft werden sollen, angesichts der wirtschaftlichen Lage überlegten sich die Wolfsburger die Sache noch einmal. Der Kompromiss war, das Auto als Porsche in der Neckarsulmer NSU-Fabrik zu fertigen.

Käfer-Prototyp

Obwohl zumindest in den ersten Jahren selbst im Innenraum VW-Teile verbaut wurden, waren die Porsche aus Neckarsulm auf dem Markt überaus erfolgreich. 1975 ist aber nicht der erste Berührungspunkt zwischen Porsche und Neckarsulm: Ferdinand Porsche ließ einen der ersten Prototypen des Käfer Jahr 1933 von der damaligen NSU AG entwickeln - unter der Bezeichnung Porsche Typ 32.

Kooperationen bei der Auto-Entwicklung sind also für Porsche, VW und Audi kein neues Thema. Seit dem Einstieg der Zuffenhausener beim VW-Konzern wurde die Zusammenarbeit aber vertieft: So basiert seither die Elektronik der Porsche-Fahrzeuge auf der Audi-Plattform. Und der Cayenne fährt mit einem Diesel aus Neckarsulm.

Gleichzeitig hat Audi die Berater von Porsche Consulting ins Haus gelassen, die in Sachen Produktivitätssteigerung in der Branche als das Maß der Dinge gelten. Durch die neue Konzernkonstruktion wird es einfacher werden, Technologien auszutauschen - die Neckarsulmer Leichtbau-Kompetenz dürfte für Porsche dabei von großer Wichtigkeit werden, sagen Insider: Auch wenn die Sportwagen die CO2-Grenze von 120 Gramm nicht erreichen können, wird Leichtbau ein Muss für die künftige Schwester werden.

Wettbewerb

In Sachen Fertigung wird sich in Neckarsulm durch die Schaffung eines integrierten Konzerns nicht viel ändern, wenngleich der Wettbewerb um die Produktion neuer Modelle größer werden wird. Das kennen die Audianer aber schon: Um den R8 wurde mit harten Bandagen gekämpft. Dass ein R8 und ein 911er in Zukunft von einem Band laufen, wie das beim Q7, dem VW Tuareg und dem Porsche Cayenne der Fall ist, halten Beobachter für ausgeschlossen.

Der Neckarsulmer Betriebsratschef Norbert Rank hat in den vergangenen Wochen immer wieder betont, wie gut sich Audi und der Standort unter dem VW-Dach entwickelt haben. Der Erfolg bringt die entsprechenden Freiheitsgrade mit sich. Diese Logik wird auch für Porsche gelten, obwohl weder Audi auf Augenhöhe mit Wolfsburg ist, noch Porsche das sein wird. Das letzte Wort hat immer VW.

Gerade aus der Konzernraison heraus gibt es im Audi-Umfeld sogar Stimmen, die eine Bereinigung der Produktpaletten zwischen Audi und Porsche für möglich halten. Schließlich gibt nicht nur zwischen dem R8 und dem Porsche 911 Überschneidungen, sondern auch zwischen dem A7 und dem Panamera - und bei den sportlichen RS-Modellen aus Neckarsulm. Dass Wettbewerb innerhalb des Konzerns auf Produktebene aber durchaus gewollt ist, zeigt die zumeist friedliche Koexistenz des A8 mit dem Phaeton.

Modell Lamborghini

Wie gut die Zusammenarbeit in der VW-Familie hinter den Kulissen läuft, zeigt die Zusammenarbeit zwischen Audi und der italienischen Tochter Lamborghini. Obwohl die alten italienischen Aggregate in Neckarsulm gelegentlich als Traktormotoren bezeichnet werden, und obwohl der Anlauf des Gallardo Neckarsulmer Paten viele schlaflose Nächte gekostet hat, haben die Audianer das Lambo-Werk in Sant'Agata ins Herz geschlossen. Auch hier ist die Zusammenarbeit keine Einbahnstraße: Zum Anlauf des R8 holte Audi einige Dutzend Lamborghini-Mitarbeiter nach Neckarsulm, um deren Kleinserien-Knowhow zu nützen.

VW-Tochter Audi

Die Ingolstadter Auto Union GmbH gehörte Daimler-Benz und stand vor dem Aus, als VW die Anteile Mitte der 1960er Jahre übernahm. Die Wolfsburger belebten den Markennamen Audi neu und fusionierten das Unternehmen 1969 mit der Neckarsulmer NSU AG. Die Volkswagen AG hält heute 99,1 Prozent der Aktien, die Audi AG ist aber weiterhin börsennotiert.


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