Viel Luxus für teure Fußballstars

Obersulm - So reisen also die Bayern-Stars Jürgen Klinsmann, Luca Toni oder Franck Ribéry. Wenn es zum Beispiel nach Stuttgart zum Bundesliga-Auswärtsspiel geht, sitzt die Mannschaft des Rekordmeisters auf Ledersitzen. Die Füße auf Ablagen, die elektrisch zu kleinen Tischen verwandelt werden können. Eine Multimedia-Anlage höchster Qualität vertreibt den Fußballern und ihrem Gefolge die Zeit. Natürlich können die Männer auch Fernsehen schauen. Frenzel macht aus Bussen Luxusliner nach Maß

Von Reto Bosch

Das neue Fahrzeug von Bayern München wird noch vor Saisonbeginn übergeben.

So reisen also die Bayern-Stars Jürgen Klinsmann, Luca Toni oder Franck Ribéry. Wenn es zum Beispiel nach Stuttgart zum Bundesliga-Auswärtsspiel geht, sitzt die Mannschaft des Rekordmeisters auf Ledersitzen. Die Füße auf Ablagen, die elektrisch zu kleinen Tischen verwandelt werden können. Eine Multimedia-Anlage höchster Qualität vertreibt den Fußballern und ihrem Gefolge die Zeit. Natürlich können die Männer auch Fernsehen schauen. Die Antenne hält immer Kontakt zum Satelliten. Vom Gefriergerät bis zum Dampfgarer: Im Heck des 14 Meter langen Busses wartet eine komplette Küche auf den Bayern-Koch. An der Obersulmer Firma Frenzel kann es also nicht liegen, wenn die Bayern in Stuttgart verlieren. Frenzel macht aus Bussen Luxusliner nach Maß.

Wenig Konkurrenz

Momentaufnahme an einem Mittwochvormittag. Auf den Anlagen der Firma Frenzel stehen mehrere Reisebusse. Die Gefährte von Bayern München und des VfB Stuttgart sind leicht zu erkennen. Sie wurden schon lackiert. Am Bus von Hertha BSC Berlin fehlt noch das große Vereinslogo. Andreas Frenzel hat mit vielen prominenten Kunden und wenig Konkurrenz zu tun. „Es gibt zwei bis drei Wettbewerber, die aber nicht ein derart breites Spektrum abdecken“, erklärt Frenzel. Aufträge bekommt er häufig über Bushersteller wie Daimler-Benz, Neoplan oder Setra.

Wurzelholz wird für diesen Getränkekühler oft verwendet.

Die Aufgabe seiner Mitarbeiter ist es, das Innere der Fahrzeuge genau an die Wünsche der Kunden anzupassen. „Wir haben eine hohe Fertigungstiefe“, sagt Frenzel. Vieles machen seine Leute - Schreiner, Feinblechner, Mechatroniker, Konstrukteure, Designer - selbst. Dabei arbeiten sie mit edlen Werkstoffen wie Wurzelhölzern, manchmal auch mit Gold. Der Firmenchef beziffert die Kosten für den Innenausbau eines Fußballer-Busses auf 75.000 bis 250.000 Euro. Nach oben gibt es indes keine Grenzen. Busse für die Golfregion können auch deutlich teurer werden. Frenzel hat einen Trend ausgemacht: Reisebusse als Wohnmobil. Nicht immer geht es um Luxus und Komfort. Frenzel baut Busse auch behindertengerecht aus. Viele Extras verbrauchen Elektrizität. Deshalb bekommt zum Beispiel das Bayern-Gefährt einen separaten Stromerzeuger.

Sonderbau

Die Sparte Sonderbau macht bei Frenzel 30 bis 40 Prozent des Umsatzes aus. Noch mehr Gewicht hat die Serienfertigung in Sülzbach. Das Unternehmen stellt Kühlschränke und ganze Bordküchen her. Möglichst platzsparend und sicher bringen die Frenzel-Konstrukteure Kaffeemaschinen, Würstchenkocher und Spülbecken unter. Von Sülzbach aus liefert Frenzel seine Produkte in viele europäische Länder. Rund 60 Prozent der in Europa eingebauten Bordküchen stammen nach Angaben Frenzels aus seiner Firma. Von den 80 Beschäftigten arbeitet etwa ein Drittel im Sonderbau, der Rest in der Serienfertigung. „Die beiden Bereiche greifen aber stark ineinander.“

Der Jahresumsatz beträgt zwischen zehn und elf Millionen Euro. Doch das Unternehmen will weiter wachsen, forciert sein Engagement auch auf dem türkischen Markt. Räumlich stimmen die Voraussetzungen: Frenzel ist von Ilsfeld-Auenstein in größere Hallen nach Sülzbach gezogen.

Hintergrund: Umzug
Die Firma Frenzel ist dieses Jahr von Ilsfeld-Auenstein nach Obersulm-Sülzbach gezogen. 2,5 bis drei Millionen Euro investiert das Unternehmen in den neuen Standort. Frenzel übernahm die Hallen des Metallbaubetriebs Frieß, der 2003 in die Insolvenz gegangen war. In Sülzbach hat die Firma mehr Platz und kann Arbeitsabläufe deutlich verbessern. bor


Frenzel-Mitarbeiterin Kerstin Haberling zeigt die Bordküche eines edel ausgebauten, zehn Meter langen Busses. Verarbeitet werden nur qualitativ hochwertige Maschinen und Materialien. Fotos: Guido Sawatzki