Telefunken Semiconductors sucht Investor

Heilbronn  Heilbronn - Der Heilbronner Halbleiterhersteller Telefunken Semiconductors hat wegen Überschuldung Insolvenzantrag gestellt. 320 Beschäftigte müssen um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Von unseren Redakteuren J. Paul und M. Stockburger

Telefunken Semiconductors sucht Investor
Ein Blick in den Reinraum im Telefunkenpark: Hier produziert Telefunken Semiconductors Chips, die in diversen Elektrogeräten zum Einsatz kommen.

Heilbronn - Paukenschlag im Telefunkenpark. Der Chiphersteller Telefunken Semiconductors (TSG) hat beim Amtsgericht Heilbronn wegen Überschuldung Insolvenzantrag gestellt. 300 Mitarbeiter in Heilbronn und 20 Entwickler in Hannover müssen nun um ihre Arbeitsplätze zittern. Am Freitagnachmittag informierte die Geschäftsleitung die Mitarbeiter über die Schieflage des Unternehmens. Der Betrieb läuft nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Jan Markus Plathner aus Frankfurt normal weiter, die Löhne sind über das Insolvenzgeld bis Ende Juni gesichert.

Probleme

Ganz überraschend kommt die Insolvenz des Halbleiterherstellers nicht, da die TSG seit Jahren mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen hat. Telefunken Semiconductors war 2009 entstanden, als der US-Konzern Atmel seine Chipfabrik im Telefunkenpark an den Unternehmer Subba Pinamaneni verkaufte. Der Amerikaner mit indischen Wurzeln sorgte mit seinem unkonventionellen Managementstil für Stirnrunzeln bei vielen Geschäftspartnern und Nachbarn in der Theresienstraße. Immer wieder plagte die Firma Geldsorgen, mehrfach mussten die Mitarbeiter der TSG auf ihren Lohn warten. Und mehrfach wurde in den vergangenen Jahren über eine mögliche Insolvenz des Unternehmens diskutiert.

Mit neuen Produkten, versprach Pinamaneni damals, sollte die Heilbronner Traditionsfirma zu neuer Blüte kommen. Als Teil dieser Strategie kaufte Pinamaneni 2011 eine weitere Halbleiterproduktionsstätte in Kalifornien. Im Mai 2012 setzte die amerikanische Muttergesellschaft Telefunken Semiconductors Pinamaneni allerdings vor die Tür und verklagte ihn, weil er mehr als 20 Millionen Dollar verschoben haben soll − nach Heilbronn. Weil er das Geld hier dringend brauchte, um die Insolvenz abzuwenden.

Mehrfach musste auch Atmel tief in die Taschen greifen, um ein Aus des Nachbarn zu verhindern. Der frühere Eigentümer war darauf angewiesen, dass die Produktion weiterläuft, weil manche Chips nur in Heilbronn hergestellt werden konnten. Atmel ist nach wie vor größter Kunde der TSG. Deshalb hängt die Zukunft der Firma für den Unterländer IG-Metall-Chef Dr. Rudolf Luz ganz entscheidend davon ab, wie Atmel sich nun verhält.

Der Gewerkschafter hofft wie auch der TSG-Betriebsratsvorsitzende Dr. Bernd Müller-Allinger, dass sich ein Investor für Telefunken findet. "Die Insolvenz kann auch eine Chance für einen Neuanfang sein", sagt Luz. Müller-Allinger sieht in der Insolvenz ebenfalls die Möglichkeit, "das Unternehmen unter besseren Bedingungen fortzuführen". Der Investor müsse allerdings ein "nachhaltiges Geschäftskonzept vorlegen und die Arbeitsplätze erhalten", betont er. Die Mitarbeiter, sagt Müller-Allinger, hätten am Freitag nach dem ersten Schock den Blick bereits wieder in die Zukunft gerichtet. "Wir haben schon so viele Krisen erlebt und überlebt, das wirft uns nicht um", gibt sich der Betriebsratschef kämpferisch. Seit 2005 werde über die Schließung der Chipproduktion im Telefunkenpark geredet − "und wir sind immer noch da".

Telefunken Semiconductors sucht Investor
Bereits in den 1970er Jahren war Telefunken ein wichtiger Arbeitgeber in Heilbronn. Im Bild die Produktion von Transistoren.Fotos: Archiv
Telefunken Semiconductors sucht Investor
Dieses Kassettendeck von Telefunken kaufte sich ein 42-Jähriger 1985 von seinem Konfirmationsgeld. Es ist heute noch immer funktionstüchtig.Foto: Mario Berger