Solarhersteller Kaco rechnet mit weiterem Wachstum (04.11.2009)

Neckarsulm - Fertigung platzt trotz Neubau aus allen Nähten: Wechselrichter-Hersteller plant schon die nächste Erweiterung – Auch große Geräte bleiben gefragt.

Von Manfred Stockburger

Kaco Solar

Neckarsulm - Fertig bezogen ist der zehn Millionen Euro teure Neubau noch nicht: Zu viel haben die Mitarbeiter in der Wechselrichterproduktion der Neckarsulmer Kaco New Energy GmbH zurzeit zu tun, als dass sie für einen Umzug Zeit hätten. Die Auftragsbücher sind übervoll. „Auch für das nächste Jahr habe wir schon unglaublich viele Bestellungen“, sagt Geschäftsführer Ralf Hofmann. Trotz Regierungswechsel, den viele in der Photovoltaik-Branche mit Sorgen zur Kenntnis genommen haben.

Auch die Großgeräte, wie sie für Solarparks gebraucht werden, sind weiterhin gefragt – was die Neckarsulmer zunächst ein wenig überrascht hat. Die Nachfrage der Fonds-Anleger sei aber ungebrochen. So habe die Deutsche Solargesellschaft mit Sitz in Heilbronn, an der Kaco beteiligt ist, in Italien gerade ein neues Projekt aufgelegt.

Preise fallen

Wenn Hofmann dennoch davon ausgeht, dass er den Konzernumsatz des vergangenen Jahres von rund 250 Millionen Euro nur knapp erreichen wird, liegt das am Preisverfall: Um den Umsatz zu halten, müssen die Neckarsulmer die Anzahl der verkauften Geräte nämlich um 20 Prozent steigern. Und das wollen sie im laufenden Jahr auf alle Fälle schaffen. Der Gewinn werde an das Ausnahmejahr 2008 nicht mehr herankommen, sei aber weiterhin „ordentlich“, betont Hofmann: „Uns geht’s gut.“

310 Mitarbeiter

Zu Jahresbeginn hatte die Stimmung noch ganz anders ausgesehen: Da war der Markt „klinisch tot“, sagt Hofmann. Auch er hat Kurzarbeit beantragt – allerdings sei diese Phase nach einem Monat wieder vorbei gewesen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen, das 1999 in Heilbronn-Sontheim mit Hofmann und elf Kollegen begonnen hatte, inzwischen knapp 400 Mitarbeiter. Tendenz weiter steigend. Exakt 310 davon arbeiten in Neckarsulm.

In dem vom Heilbronner Immobilienentwickler Kruck errichteten Neubau sind jetzt erstmals Entwicklung, Vertrieb und Marketing unter einem Dach, wovon sich Hofmann eine Steigerung des Tempos erhofft. Schließlich will er sich nicht mit der Position der Nummer zwei hinter dem Weltmarktführer aus Niestetal bei Kassel zufrieden geben, die die Neckarsulmer seit Jahren stabil innehaben.

Zwei Bauprojekte

„Wir müssen produzieren, so viel wir irgend können“, sagt der Geschäftsführer. Deswegen bleibt das Unternehmen seinem Bau-Kurs treu: Die nächsten beiden Erweiterungsprojekte sind seit dieser Woche beschlossene Sache. Direkt neben dem Neubau soll das Werk fünf entstehen, mit dem die Kapazität erneut erweitert wird. Trotz einer Steigerung der Produktivität um mehr als die Hälfte im Bereich der kleineren Anlagen platzt die Fertigung auch in den Werken zwei und drei aus allen Nähten. Der nächste Neubau wird entlang der Werner-von-Siemens-Allee in der Fortsetzung des neuen Fertigungstrakts entstehen – auf der anderen Seite der Siegmund-Loewe-Straße.

Zugleich wird der Bahnbereich ausgelagert – die Keimzelle des Unternehmens. Hinter dem neuen Verwaltungsgebäude lässt Hofmann einen weiteren Neubau erstellen, weil sich die Produktionsabläufe dieser Abteilung nur schwer in die viel größere Photovoltaik-Fertigung integrieren lässt. „Wir investieren weiterhin Millionen am Standort“, verspricht der Geschäftsführer. Auch in neue Produkte. Unter anderem wird es demnächst kleine Wechselrichter in der Drehstromtechnik geben.

Kooperation mit Hirschmann

Auf der Suche nach neuen Produktfeldern arbeitet Kaco New Energy unter anderem mit dem Glasspezialisten Hirschmann Laborgeräte aus Eberstadt und der DLR in Lampoldshausen zusammen. Heute stellen die beiden Firmen gemeinsam eine solare Wasseraufbereitungsanlage vor, die unter dem Namen Ray-Wox vermarktet werden soll. Nicht nur Abwässer, die bei Raketentests entstehen, können damit gereinigt werden. Volker Dietrich von Kaco nennt weitere mögliche Einsatzbereiche im Bereich von Kliniken, bei der Grundwassersanierung sowie bei der Aufbereitung von Deponiesickerwasser.

Auch im Bereich der Elektromobilität arbeitet Kaco an neuen Geschäftsfeldern. Unter anderem entwickeln die Neckarsulmer ein Kompaktladegerät für einen Hybrid-Golf. Außerem ist ein System in Arbeit, mit dem ganze Dörfer mit Strom aus regenerativen Quellen versorgt werden können.  

Kaco New Energy

Gegründet wurde die Firma 1999, als die Firma Kaco Elektrotechnik in Heilbronn-Sontheim geschlossen wurde. Geschäftsführer Ralf Hofmann war damals Leiter einer Abteilung mit zwölf Beschäftigten, aus der die Kaco Gerätetechnik GmbH hervorgegangen ist. Seit diesem Frühjahr trägt die Firma die neuen Energien im jetzt englischsprachigen Firmennamen. Schließlich gibt es Tochterfirmen in den USA, Israel und in der Türkei, außerdem Büros in Spanien, Italien und China. Hofmann hält die Mehrheit, beteiligt ist auch Rainer Heinrich, der frühere Chef der alten Kaco.