Singulus setzt zum Kahlschlag an

AG Kernbereich wird aus Sternenfels zur Mutter nach Kahl am Main verlagert

Von Manfred Stockburger
Email

Bald ist es aus: Die Hamatech AG will in Sternenfels ab Anfang 2007 keine Produktionsanlagen für DVD-Rohlinge mehr bauen.

Foto: Archiv /Hamatech

Schon Anfang nächsten Jahres wird der Kernbereich des einstigen Börsenstars Hamatech aus Sternenfels wegverlagert. Schneller als vermutet steht damit der Standort im Enzkreis zur Disposition. Zunächst hatte die neue Mutter Singulus den Geschäftsbereich, in dem Produktionsanlagen für CD- und DVD-Rohlinge hergestellt werden, nämlich gestärkt.

In diesem Markt war die frühere Steag-Tochter - der Name der früheren Mutter ist aus dem Firmennamen mittlerweile getilgt - nämlich besser aufgestellt gewesen als der damalige Wettbewerber Singulus. Auf einer Betriebsversammlung wurden die Beschäftigten gestern informiert, dass jetzt auch diese Arbeitsplätze in Sternenfels wegfallen.

Übrig bleibt lediglich das Geschäftsfeld APE, der Photomasken für die Halbleiterindustrie herstellt. Die APE-Sparte mit etwa 80 Beschäftigten wurdet Anfang des Monats in eine eigenständige Firma ausgegliedert und steht zum Verkauf, wie Hamatech-Vorstandssprecher Anton Pawlakowitsch auf Anfrage bestätigte. Auch von der Immobilie wolle sich das Unternehmen trennen.

Etwa 70 Mitarbeiter wird die Verlagerung ihren Arbeitsplatz kosten - ein Sozialplan ist noch vom letzten Personalschnitt vor einem Jahr in Kraft, sagt Anton Pawlakowitsch, der seit Februar in Sternenfels ist. Der Interessenausgleich ist in Arbeit. Pawlakowitschs Vorgänger Stefan Reineck hatte sich nach der Übernahme durch Singulus zurückgezogen. Zu den Zeiten des Höhenflugs an der Börse - die Aktien, die derzeit unter drei Euro kosten, wurden zeitweise für 60 Euro gehandelt - lag die Beschäftigtenzahl bei annähernd 500.

„Unser Auftragseingang liegt bei 30 Prozent des Wertes, die wir im vergangenen Jahr hatten“, begründet Pawlakowitsch den Strategiewechsel. „Wahnsinnige Überkapazitäten“ im Markt für CD- und DVD-Rohlinge hätten zudem zu einem drastischen Preisverfall geführt. Die Folge: In diesem Geschäftsbereich schreibt dass Unternehmen im laufenden Jahr „tiefrote Zahlen“ - auch bei der Planung fürs nächste Jahr sei er zum Schluss gekommen, „dass wir keine schwarzen Zahlen schreiben können.“

Bereits Anfang Oktober hatte die Hamatech die Mehrheit an der slowakischen Tochterfirma an die Böhm AG mit Sitz in Suhl abgegeben. In der Slowakei hatten die Sternenfelser ihre Anlagen kostengünstig montieren lassen.


Kommentar hinzufügen