Schwarz-Gruppe: Lidl bleibt die Lokomotive

Neckarsulm - Die Zeiten des rasanten Wachstums sind vorbei bei der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe - jedenfalls bis auf Weiteres. Die Unternehmensgruppe um Lidl und Kaufland steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um etwa fünf Prozent auf 63,4 Milliarden Euro.

Von Manfred Stockburger

Neckarsulm - Die Zeiten des rasanten Wachstums sind vorbei bei der Schwarz-Gruppe - jedenfalls bis auf Weiteres. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Unternehmensgruppe um Lidl und Kaufland einen Umsatz von 63,4 Milliarden Euro erwirtschaftet, das waren etwa fünf Prozent mehr als im Geschäftsjahr 2010/11. 45,4 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete Lidl – im Vorjahr waren es 42 Milliarden gewesen. Kaufland steuerte 18 Milliarden Euro zum Gruppenumsatz bei. 35 Milliarden Euro setzten die Filialen im Ausland um, im Inland waren es 28 Milliarden Euro.

Lidl-Neubau am Unternehmenssitz Neckarsulm. Foto: Guido Sawatzki

Mit europaweit 9800 Filialen – 3280 davon in Deutschland – ist Lidl in über 20 europäischen Ländern vertreten, Kaufland hat 1070 Märkte, von denen 620 in Deutschland stehen.

„Wir sind gut unterwegs, auch wenn wir nicht mehr die Zuwächse der Vergangenheit sehen.“ Zum Ergebnis macht Schwarz-Gruppen-Chef Klaus Gehrig keine Angaben, die Ertragslage sei aber „nach wie vor gut“, betont er. „Wir haben keinen Ergebnisdruck.“

Kulturwandel

Die Zahl der Mitarbeiter ist um 5000 auf europaweit 315.000 angestiegen, in Deutschland beschäftigt Lidl mittlerweile 68.000 Mitarbeiter und Kaufland über 79.000 Mitarbeiter. Die Zentrale treibt den Kulturwandel im Umgang mit Mitarbeitern voran, der durch die Gewerkschaftskritik angestoßen worden war. „Die Zeiten der Workaholiker sind vorbei“, stellt der 64-Jährige fest. Er setze deswegen keine Besprechungen nach 17 Uhr mehr an.

Für das laufende Geschäftsjahr hat sich die Schwarz-Gruppe ein Wachstum von etwa vier Prozent vorgenommen – auf 66 Milliarden Euro. Angesichts der unklaren Euro-Situation setzten die Neckarsulmer eher auf qualitative Zuwächse: Bevor neue Filialen aus dem Boden gestampft werden sollen, werden bestehende modernisiert oder durch größere Neubauten. 

„Die Hälfte der Neueröffnungen sind mittlerweile Ersatzstandorte“, sagt Gehrig. Dennoch geht er davon aus, dass die Zahl der Lidl-Filialen europaweit zum Ende des laufenden Jahres die Marke von 10.000 erreichen wird. „Wir haben aber auch auf der bestehenden Fläche Umsatzzuwächse.“ Die jüngsten Aktivitäten der Wettbewerber hätten nicht dazu geführt, dass Umsätze abgeflossen seien.

Auch bei der räumlichen Expansion sind die Neckarsulmer vorsichtiger geworden: „Neue Länder sind derzeit nicht angedacht“, sagt Gehrig. „In den nächsten zwei oder drei Jahren stellt sich diese Frage nicht. „Wir warten jetzt ab, wie sich Europa entwickelt und wollen unsere Position der Stärke nicht verlassen.“ Das Thema USA steht nach wie vor auf der Agenda, allerdings weniger weit oben: „Dafür brauchen wir den Rücken frei.“

Kein Rückzug aus Griechenland

„Wir gehen nicht davon aus, dass der Euro bricht“, betont der Schwarz-Gruppen-Chef. Ein Rückzug aus Griechenland ist keine Option - verschiedene Wettbewerber haben sich aus dem dortigen Markt zurückgezogen. „Wir sehen da auch große Chancen“, erklärt Gehrig. Er hält allerdings ein 15-Jahres-Programm für notwendig, um das Land wieder auf die Beine zu bringen.

Ähnlich wie in Griechenland sieht das Unternehmen die Entwicklung auch in anderen südeuropäischen Ländern: Am unteren Ende des Spektrums fallen zwar Umsätze weg, dies werde aber durch neue Kunden aus der Mittelschicht kompensiert.