Ralf Hofmann: Unternehmer und Überzeugungstäter

Neckarsulm - Toleranz ist nicht seine Stärke. Das weiß Ralf Hofmann, der Chef der Neckarsulmer Firma Kaco New Energy, wohl. Die Kehrseite dieses »Defizits« ist zugleich die Triebkraft des 49-Jährigen: »Wenn mich Sachen ärgern, dann setzt das Wut frei - und Energie.«

Von Manfred Stockburger
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Ralf Hofmann
Ralf Hofmann, der Chef des Neckarsulmer Wechselrichterherstellers Kaco New Energy, ist ein Mann kräftiger Worte. Oft eckt er damit an. Foto: Archiv/Sawatzki

Neckarsulm - Toleranz ist nicht seine Stärke. Das weiß Ralf Hofmann, der Chef der Neckarsulmer Firma Kaco New Energy, wohl. Die Kehrseite dieses „Defizits“ ist zugleich die Triebkraft des 49-Jährigen: „Wenn mich Sachen ärgern, dann setzt das Wut frei – und Energie.“ Er gehört nicht zu denjenigen, die sich wegducken, wenn sie unter Druck kommen: Ralf Hofmann legt dann immer noch eine Schippe drauf: „Das hat die Firma mehrfach vor dem Absturz bewahrt.“

Immerhin hat er aus einer Abteilung der früheren Kaco Elektrotechnik in Heilbronn-Sontheim, die 1998 mit einem Dutzend Mitarbeitern noch eine Million Mark Umsatz und 50.000 Mark Verlust erwirtschaftete, einen kleinen Weltkonzern gemacht mit 400 Millionen Euro Umsatz und 850 Beschäftigten. Die Firma hat ihren Mehrheitsgesellschafter, der in Neckargartach in einfachsten Verhältnissen aufwuchs, zum Millionär gemacht.

Geld ist nicht seine Motivation. Den Konkurs der alten Kaco, der in einem Vergleich mündete, hatte er Anfang der 1990er Jahre miterlebt. „Das prägt.“ Der US-Konzern Danaher, dem die Elektrotechnik-Sparte danach zufiel, beschloss wenige Jahre später, das Traditionsunternehmen plattzumachen.

Gegenwind

„Ich bin Unternehmer geworden, weil ich mit dem Rücken zur Wand stand“, sagt Hofmann. Leicht war die Anfangszeit nicht – auch finanziell: „Es ist eigentlich unglaublich, dass wir an dermaßen vielen Fronten zugleich kämpfen konnten und nicht untergegangen sind.“

Der zweite Schlüsselfaktor ist: Hofmann ist Überzeugungstäter in Sachen Sonnenstrom. Nach einer Ausbildung zum Feingeräteelektroniker bei der Firma Baelz kam er auf dem zweiten Bildungsweg an die Fachhochschule Heilbronn. „Damals war die FH-Bibliothek mein Wohnzimmer. Wer sich gut informiert hat, wusste, dass es mit den fossilen Brennstoffen ein Problem geben würde.“

Für Hofmann ist seit damals klar: Photovoltaik ist der einzige Ausweg. Mit einem Informationszentrum in der Heilbronner Gaskugel, die zu kaufen er zusammen mit seinem Generalbevollmächtigten Ralf Klenk Ende Februar angekündigt hat, will er dafür werben.

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die Hofmann als Ingenieurstudent erlebte, bestärkte ihn in seiner Haltung. Aus dieser Zeit stammt seine Nähe zu den Grünen – sein Wahlaufruf an die Belegschaft hat vergangene Woche für Schlagzeilen gesorgt (wir berichteten). Im „Neckarsulm-Journal“ taucht er in einer Anzeige zugleich als Unterstützer des SPD-Kandidaten Reinhold Gall auf. Einen Widerspruch sieht er darin nicht.

Das Thema Politik bringt ihn in Rage. Auch, weil Stefan Mappus ihm vor einem guten Jahr öffentlich Unterstützung zugesagt hatte, als die Bundesregierung die Kürzung der Einspeisevergütung angekündigt hatte. Der Ministerpräsident hatte ihn aufgefordert, die Bagger für den Neubau zu bestellen. „Dann hat er sich bei den Verhandlungen über die EEG-Kürzung nicht hinter uns gestellt, für die Verlängerung der Atomlaufzeiten gekämpft und schließlich die EnBW-Anteile zu einem überteuerten Preis gekauft“, schimpft er. „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“

Rauchverbot

„Wenn ich Dinge für berechtigt halte, dann lasse ich mich durch nichts aufhalten“, erklärt der Halbmarathon-Mann, der mit Worten nicht zimperlich ist. Auch mit der IG Metall hat er sich schon angelegt und mit den Solar-Verbänden. Kompromisslos ist er auch beim absoluten Rauchverbot auf dem Firmengelände. Oder bei dem Gebot, dass Mitarbeiter, die näher als fünf Kilometer Strecke zur Firma haben, keinen Parkplatz bekommen. „Ich bin bald 50 und fahre auch Fahrrad.“ Der Elektro-Sportwagen Tesla ist Spielzeug, wenngleich die E-Mobilität für ihn ein ernstes Thema ist.

Gasherd

Auch zu Hause setzt er seine Ideale um: Bei Hofmanns gibt es keinen Stromanschluss – er versorgt sich selbst mit Sonnenstrom. „Da muss man ein paar Einschränkungen machen: Wir haben keinen Trockner und einen Gasherd“, sagt der Familienmensch. Fernsehfrei ist das Haus ebenfalls – auch wenn das die achtjährige Tochter nicht immer gut findet.

So hat alles angefangen: 1999 in der Sontheimer Kaco-Baracke.Foto: Scheffler
Gegenwind ist nicht neu für ihn: „Seit zehn Jahren wird mir jedes Jahr vorhergesagt, dass ich die Firma gegen die Wand fahre, weil der Management-Unterbau fehlt.“ Mit seiner unkonventionellen Art hat er immer wieder das Gegenteil bewiesen. Angriffe auf seine Person kontert er mit einem Zitat der Rockgruppe Ärzte: „Lass die Leute reden, und lächle einfach mild.“


Zur Person Ralf Hofmann

Geboren 1962 in Heilbronn machte Ralf Hofmann nach der Realschule bis 1981 eine Ausbildung zum Feingeräteelektroniker. 1985 bis 1990 studierte er an der FH Heilbronn, danach Entwicklungsingenieur bei Kaco Elektrotechnik. Ab 1995 Leiter Gerätetechnik. Im Dezember 1998 Ausgründung der Kaco Gerätetechnik GmbH, die seit 2008 Kaco New Energy heißt. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. mfd


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