Neustart nach der Pleite: Graeser übernimmt Lavatec (28.05.2010)

Heilbronn - Der ehemalige Läpple-Vorstandschef macht den Heilbronner Wäschereimaschinenhersteller wieder flott.

Von Manfred Stockburger


Heilbronn - Ein Jahr lang lief nichts mehr bei Lavatec. Jetzt startet der Heilbronner Wäschereimaschinenhersteller unter altem Namen, aber unter völlig neuer Flagge wieder durch. Neuer Inhaber und Chef ist der frühere Läpple-Vorstandsvorsitzende Wolf-Peter Graeser, der für seine neue Lavatec Laundry Technology GmbH eine hochkarätige Stelle beim Automobilzulieferer Magna aufgegeben hat.

Mit zunächst 20 Mitarbeitern geht Graeser am 1. Juni an den Start. „Wir wollen die Produktion relativ schnell wieder hochfahren“, sagt er. Bis zum Jahresende soll die Belegschaftsgröße bei 60 liegen. Mittelfristig soll der Anbieter von Waschmaschinen für professionelle Anwender wieder die alte Belegschaftsgröße von rund 200 Mitarbeitern erreichen. „Es ist mir ein Anliegen, dazu beizutragen, dass am Standort Heilbronn, der stark von Arbeitsplatzabbau betroffen ist, neue Arbeitsplätze entstehen“, sagt der frühere Läpple-Manager.

Angepasste Strategie

 Kontinuität ist der eine Eckpfeiler von Graesers Strategie, Veränderung der andere: In der neuen Lavatec-Ära sollen mehr Aufträge an Lieferanten – auch in der Region – vergeben werden, in Teilbereichen wird Graeser auf dem Markt erhältliche Technologie zukaufen. Auf diese Weise möchte er erreichen, dass das Produktions- und Verwaltungsgebäude in der Wannenäckerstraße künftig ausreicht. Dieses Gebäude hat Graeser zusammen mit sämtlichen Markenrechten und Lavatec-Patenten aus der Insolvenzmasse erworben. Bisher gab es eine Tochtergesellschaft in Sarstedt und außerdem hatte der frühere Inhaber Samir Tadros mehrere Lagerflächen in Heilbronn zusätzlich angemietet.

Graeser, die Erfahrung im Management internationaler Unternehmen mitbringt, ist zuversichtlich, dass die neue Lavatec schnell profitabel arbeiten wird. „Nach unseren Recherchen war der Standort Heilbronn immer in den schwarzen Zahlen. Die Verluste stammten vor allem aus Amerika“, sagt der Öhringer Berater Enrico Moretti, der Graeser in den vergangenen Monaten unterstützt hat. Dort hatte Tadros vor Jahren einen Wettbewerber übernommen. Außerdem seien sämtliche Sponsoring-Gelder etwa für die Eishockey-Falken aus der Heilbronner Kasse bezahlt worden.

Aufträge

Trotz der langen Wartezeit und der damit verbundenen Unsicherheit sind viele Kunden der Marke offenbar treu geblieben: Innerhalb weniger Stunden, nachdem Graeser diese Woche die Verträge mit dem Insolvenzverwalter unterzeichnet hatte, habe er Aufträge mit einem Volumen von 300.000 Euro in den Büchern gehabt. Weitere Abschlüsse stehen kurz bevor.

Die Lavatec-Tochtergesellschaft in Frankreich, die während der Pleitephase im Gegensatz zur Heilbronner Muttergesellschaft aktiv geblieben war, will Graeser dem Verwalter ebenfalls abkaufen.

Graeser ist voll des Lobes für die Unterstützung, die er in den vergangenen Monaten von verschiedener Seite bekommen hat. Im Hintergrund mit die Fäden gezogen hat Michael Unser von der Neckarsulmer IG-Metall-Verwaltungsstelle. „Ich stehe voll hinter dieser Geschichte“, sagt der Gewerkschafter, der im vergangenen Jahr vergeblich für den Erhalt der Arbeitsplätze gekämpft hatte. Auch er blickt hoffnungsfroh in die Zukunft, dass in den kommenden Monaten viele der von der Insolvenz betroffenen Beschäftigten wieder eine Stelle bekommen. Die sollen, so verspricht Graeser, bevorzugt wieder eingestellt werden, wenn die Auftragslage es erlaubt.

Lavatec Jetzt geht wieder was: Der neue Lavatec-Chef Wolf-Peter Graeser an Projekten mit Gesamtvolumen von sechs Millionen Euro dran. Über den Service besteht der Kontakt zu mehr als 600 Kunden, die 16.500 Maschinen im Einsatz haben. Foto: Andreas Veigel

Hintergrund: Waschmaschinen

Seit Mitte der 1980er Jahre werden in Heilbronn Waschmaschinen für professionelle Anwender unter dem Namen Lavatec ergestellt. Das Produkt hat in der Region aber eine noch längere Historie: Die alte Lavatec ist aus der Frankenbacher Firma Böwe-Passat hervorgegangen, deren Historie bis in die 1950er Jahre zurückreichte. Schon im Zusammenhang mit dem Übergang von Passat auf Lavatec mussten sich die Gerichte verschiedentlich mit dem Unternehmen befassen.

Zur Person: Wolf-Peter Graeser

Vor seinem Wechsel im Jahr 2004 zum Automobilzulieferer Läpple in Heilbronn war der gebürtige Heidelberger Wolf-Peter Graeser (52) beim Medizintechnikhersteller Frenesius und beim Hydraulikanbieter Luk im Management. mfd