Neues Läpple-Werk fast schon zu klein

Es gibt nicht gerade viele große Unternehmen in Union County: Das Auslieferungslager von Disney, ein paar Baufirmen und eine im Niedergang befindliche Textilindustrie – das war bislang alles. Seit wenigen Monaten gehört die Heilbronner Läpple-Gruppe zu den größten Arbeitgebern der 28.000-Einwohner-Region im US-Bundesstaat South Carolina

Von Heiko Fritze



Es gibt nicht gerade viele große Unternehmen in Union County: Das Auslieferungslager von Disney für den Südosten der USA, ein paar Baufirmen und eine im Niedergang befindliche Textilindustrie – das war bislang alles. Seit wenigen Monaten gehört die Heilbronner Läpple-Gruppe zu den größten Arbeitgebern der 28.000-Einwohner-Region im Nordwesten des Bundesstaates South Carolina. Im soeben eingeweihten Presswerk werden fast alle Blechteile für den neuen BMW X 6 hergestellt.

Genau genommen handelt es sich bei dem Projekt um ein Joint Venture: Die kleinen der insgesamt 92 Teile produziert der US-Partner SSP, die großen Stücke – insgesamt 51 – kommen aus dem Läpple-Werk. Dort arbeiten inzwischen 130 Mitarbeiter, bis zum Monatsende sollen es sogar 150 werden, kündigt Werkleiter Oliver Wackenhut an. Seit Januar 2006 hat er den Aufbau der Fabrik betreut, vom Grundstückskauf an. „Wir sind stärker ausgelastet, als es prognostiziert war“, berichtet er. Denn das neue BMW-Modell werde so stark nachgefragt, dass im nur 40 Meilen entfernten Werk Spartanburg die Tagesproduktion von geplanten 110 auf demnächst 160 Fahrzeuge pro Tag hochgefahren werde – und entsprechend mehr Teile müssen von der Läpple-Tochter LSP (Läpple Spartanburg Products) hergestellt werden.

Der jüngste Standort im Läpple-Konzern ist das Werk Spartanburg in South Carolina. Das 60-Millionen-Dollar-Projekt wurde jetzt offiziell eingeweiht.
Mehr Konkurrenz Dass die Heilbronner nun in den USA aktiv werden, hat der bayrische Autohersteller selbst so gewollt. „Wir meinten, es ist an der Zeit, hier einen zweiten Zulieferer anzusiedeln“, sagte der stellvertretende BMW-Werkleiter Martin Schübel bei der Einweihung. Derzeit ist noch der Magna-Konzern marktbeherrschend in Nordamerika. Künftig solle Läpple für mehr Konkurrenz sorgen. Vom nächsten Jahr an wird BMW in Spartanburg auch den X3 fertigen, der momentan noch aus dem Magna-Werk in Graz kommt. Welches Unternehmen dafür künftig Werkzeuge und Bleche liefert, wird gerade verhandelt.

Neue Kunden Die Heilbronner setzen aber nicht nur auf einen einzigen Kunden. In zumutbarer Entfernung befinden sich unter anderem Werke von Mercedes oder des Lkw-Herstellers Freightliner. „Wir wollen versuchen, auch andere Firmen für uns zu gewinnen“, sagt Wackenhut.

Insgesamt 60 Millionen Dollar hat Läpple in den neuen Standort investiert – alleine die Pressenstraße kostete 30 Millionen. Sie wurde von Schuler in Waghäusel gefertigt, Teile der Automation kommen aus dem Werk Gemmingen. Auch bei den Robotern wurden deutsche Hersteller bevorzugt – die meisten der eingesetzten Maschinen stammen von Kuka. Läpple selbst schickte etwa 550 Container Material und Anlagen per Schiff von Heilbronn in die USA.

BMW baut an Für Union County ist die Ansiedlung ein dringend nötiger Erfolg: Die Arbeitslosenquote lag dort im Februar bei 10,0 Prozent – der siebtschlechteste Wert der 46 Countys des Bundesstaates. Im benachbarten County Spartanburg waren es nur 5,7 Prozent. Und dort werden weitere Arbeitsplätze geschaffen – BMW hat bereits mit der Werksvergrößerung begonnen. Zu den 4500 Beschäftigten sollen bis 2011 etwa 500 hinzukommen sowie weitere bei Leiharbeitsfirmen.