Max Maier: Der Visionär im Urbanharbor

Ludwigsburg  Max Maier hat in Heilbronn BWL studiert, Unternehmen vor der Pleite gerettet, Ikea nach Ludwigsburg gelotst und tausende Jobs geschaffen. Jetzt setzt der Unternehmer und Immobilienentwickler in Ludwigsburg seine Idee der Arbeits- und Lebenswelt von morgen um. Mit an Bord sind bekannte Weltkonzerne.

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Max Maier: Der Visionär im Urbanharbor

Er ist kein normaler Unternehmer. Schon rein äußerlich wirkt Max Maier eher wie ein Künstler, Architekt oder Filmschaffender. Die graumelierten Haare lang geschnitten und sorgfältig frisiert, gepflegter Sieben-Tage-Bart, eine kleine Brille mit runden Gläsern und dickem grau-schwarzen Rand, ganz in Schwarz gekleidet - er passt perfekt in das Ambiente des Speisewerks, seines Vorzeigerestaurants mitten im Urbanharbor.

So heißt das Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Hüller-Hille in Ludwigsburg, auf dem seit 2016 Hightech-Unternehmen angesiedelt werden. Abteilungen von Bosch und Porsche, von Mann & Hummel, aber auch Start-ups.

In Heilbronn BWL studiert

Dass sie alle hierhergekommen sind, ist das Werk von Max Maier. Hier setzt er seine Vision von der künftigen Arbeitswelt um und begeistert dafür genau solche Unternehmen: Entwickler von Hightech, von autonomem Fahren und vielen weiteren Projekten der Digitalisierung. Dass es aber so gekommen ist, hat sich der 70-Jährige nicht ausmalen können, als er 1973 von der Schwäbischen Alb bei Heidenheim nach Heilbronn zum Studium der Betriebswirtschaft ging.

Auch nach dem Abschluss verlief die Karriere zunächst in ganz anderen Bahnen: Max Maier machte sich als Unternehmensberater selbstständig, war viel in den USA aktiv und verdiente auch ganz gut. Gleichzeitig beriet er Banken, insbesondere zu Immobilienfragen. Und eines Tages, 1982, ging es bei einem Finanzinstitut um die Zukunft des kriselnden Kühlschrankherstellers Eisfink in Ludwigsburg. "Man fragte mich, ob ich mir das auch zutrauen würde", erzählt er. "Ich konnte mir das anfangs gar nicht vorstellen." Doch er wagte es, stellte das Unternehmen wieder auf die Beine, tätigte Zukäufe und übernahm schließlich 2005 auch noch den Reutlinger Großküchengeräte-Hersteller Rieber.

Vom Berater zum Immobilienentwickler

Heute heißt diese Sparte seiner Unternehmensgruppe Kitchen Group. Aber noch stärker wirkt Max Maier seit 1984 als Immobilienentwickler. "Operation Phoenix" taufte er die ersten Schritte, die Weiterentwicklung brachliegender Industrieflächen in der Ludwigsburger Weststadt. Als es darum ging, was sich dort ansiedeln lässt, verhandelte er unter anderem mit Dieter Schwarz. Am Ende entstand der große Kaufland-Supermarkt an der Schwieberdinger Straße. Und Max Maier sagt heute über den Heilbronner Handelskönig: "Er ist einer derjenigen, die mich am meisten geprägt haben."

Er holte Ikea nach Ludwigsburg

Einer der anderen war Ingvar Kamprad: Maier holte in den 90er Jahren Ikea auf das Porsche-Areal, das der damals kriselnde Autohersteller abgestoßen hatte, und lernte dabei den - inzwischen verstorbenen - schwedischen Unternehmensgründer kennen. Breuningerland, das Industriegebiet Tammerfeld: Die Entwicklung des gesamten Areals zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen geht auf sein Konto.

"Ich habe direkt und indirekt 20.000 Arbeitsplätze geschaffen", sagt Max Maier heute. Alleine 4000 entfallen davon auf das Gelände Urbanharbor, zwischen dem Konzernsitz von Mann & Hummel im Westen und der Bahnlinie im Osten.

Nachfolge ist längst eingeleitet

Max Maier: Der Visionär im Urbanharbor

Der Blick zurück ist ihm ein Gräuel. "Ich halte es mit Albert Einstein", sagt er. "Ich schaue in die Zukunft, denn das ist die Zeit, in der ich leben werde. Meine größte Herausforderung ist es, einen kontinuierlichen Übergang zu schaffen." Die Nachfolge ist schon eingeleitet, Tochter Madlen und Sohn Max sind in den Betrieb eingebunden. Die Präsentation der Unternehmensgruppe übernehmen die Junioren. Vater Max Maier souffliert allenfalls ein wenig, aber lieber wird er grundsätzlich. Denn was ihn antreibt, was hinter den ganzen digitalen Projekten steckt, die sich auf alle vier Geschäftsbereiche erstrecken, ist mehr als bloß der Wille, ein Unternehmen erfolgreich zu führen.

Dabei schockieren manche seiner Aussagen. Etwa: "Wir glauben, dass das System kaputt ist, das wir haben. Es hat sich überlebt." Zum Beispiel bei der Herstellung von Lebensmitteln und dem Weg vom Acker auf den Teller: Zwischengeschaltete Institutionen wie Verarbeiter, Groß- und Einzelhändler müssten überflüssig werden, ist der Unternehmer überzeugt. "Ich will einen Paradigmenwechsel, dass wieder gilt: vom Acker direkt auf den Teller." Mit digitalen Plattformen und Mehrwegsystemen statt Plastik-Umverpackungen. An vielem wird da gerade gefeilt, selbst das System der Haltbarkeitsdaten stellen die Maiers infrage.

Projektname hybrid loop

Oder beim Gebäudemanagement. "Wir müssen schauen, dass unsere Immobilien Kraftwerke und Speicher werden", sagt der Unternehmer. Wie das funktionieren kann, erprobt er auf dem eigenen Areal, in der letzten momentan noch leerstehenden Halle: Für die beiden Mieter, die nächstes Jahr einziehen, wird eine ganz spezielle Gebäudetechnik eingebaut, die von neuartigen Zwischendecken über Energie- und Wassersysteme bis zu Sensortechnik und einer Daten-Plattform reicht. Projektname: hybrid loop.

 

Max Maier: Der Visionär im Urbanharbor

 

Oder bei der Mobilität. Nicht umsonst haben sich ausgerechnet Porsche und Bosch im Urbanharbor angesiedelt, unter anderem mit jenen Abteilungen, die rund um das autonome Fahren und E-Mobilität forschen. Eine "Tankstelle der Zukunft" haben Porsche Digital und Porsche Design mit Maier und Mann + Hummel entworfen und wollen sie im Frühjahr installieren. Und das ist erst der Anfang, deutet der Unternehmer an. Denn Zusammenarbeit - er nennt es lieber Kollaboration - schwebt ihm nicht nur in diesen Fragen vor.

Neue Wirtschaftsstimme 

Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftsstimme, die am Dienstag, 26. November, erschienen ist. Die Ausgabe beschäftigt sich mit Trends und Entwicklungen in Hotellerie und Gastronomie, der aktuellen Rangliste der größten Arbeitgeber in Heilbronn-Franken und Projekten der Integration von Flüchtlingen.

"Mich bewegt: Wie können wir das Konkurrenzdenken, das uns ungeheuer weit gebracht hat, umdenken zu Teams? Denn wir denken bislang nicht in Ökosystemen und Lösungen, sondern nur, wie wir bestehende Geschäftsmodelle digitalisieren können. Wir brauchen aber sektorübergreifende Lösungen."

Es sind Sätze wie in Stein gemeißelt, und Maiers Augen leuchten, wenn er sie vorträgt. Er ist überzeugt und er wirkt überzeugend. So bleibt bloß noch ein kleines Problem, ist ihm klar: "Für mich sind die Fragen bereits gelöst. Nur der Weg dorthin, politisch und technisch, der ist es noch nicht."


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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