Kurzweilige Suche nach dem roten Faden

Heilbronn - Amüsant. Dieses Prädikat kann man dem Frühjahrsempfang der IHK Heilbronn-Franken am Mittwoch ohne Bedenken verleihen.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
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Heilbronn - Amüsant. Dieses Prädikat kann man dem Frühjahrsempfang der IHK Heilbronn-Franken am Mittwoch ohne Bedenken verleihen. Gastredner Dr. Arend Oetker brillierte rhetorisch und mit fast hollywoodreifem Ausdruck − schließlich wäre der Unternehmer (Schwartau-Marmelade, KWS Saatgut) gerne Schauspieler geworden. Mal mit erhobenem Zeigefinger, mal selbstironisch nahm Oetker die 400 Gäste im Haus der Wirtschaft mit auf einen kurzweiligen Parforceritt durch seine Gedankenwelt.

Der Unternehmer Arend Oetker (links) und der neue IHK-Präsident Harald Unkelbach beim Frühjahrsempfang im Haus der Wirtschaft.Fotos: Thomas Braun
Von Kairo ("Da hab ich auch 1000 Leute") bis nach Delhi und Mumbai reichte der Streifzug. Über die Energiewende: "Da müssen wir sehen, dass wir die Netze irgendwie hinkriegen. Und wir müssen sparen." Bis hin zum Abitur, das seine jüngste Tochter nicht geschafft habe. "Wir müssen die Schwelle überschreiten, die Europa heißt", schrieb Oetker seinen Zuhörern ins Stammbuch. "Aber wir müssen hier verwurzelt bleiben." Über "Bildung als Schlüssel zu Innovation und Fortschritt" hätte der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft eigentlich sprechen sollen. Gedanklich verhedderte sich der 73-Jährige aber bisweilen bei der Suche nach dem roten Faden.

Lacher

Die Lacher hatte Oetker auf seiner Seite, als er sich als regelmäßiger FDP-Wähler outete. "Ich bin ja Mitglied der CDU." Und als er dem baden-württembergischen Innenminister Reinhold Gall (SPD) kostenlos eine "kleine politische Beratung" mit auf den Weg gab: "Sie können jeden Neujahrsempfang absagen, doch wenn die Jugend ruft, dann müssen Sie kommen." Amüsant auch seine Erinnerungen an seinen ersten Besuch in Heilbronn − 1977 bei der legendären Wirtschaftsjuniorenkonferenz, die Dieter Schwarz leitete. "Sagen Sie ihm einen Gruß", meinte Oetker. Heute sei Schwarz ja einer seiner wichtigsten Kunden. Passend zur jüngeren IHK-Geschichte forderte er seine Zuhörer auf, nicht gleich zum Gericht zu rennen. "Die Richter sind doch überlastet."

Kurzweilige Suche nach dem roten Faden
Eingangs war der neue IHK-Präsident Harald Unkelbach bei der Begrüßung durch die umfangreiche Gästeliste geholpert, um dann von der Verkehrspolitik bis zum Herzensthema Bildung seine Positionen vorzutragen. Es komme nicht nur auf das "betriebsbedingte Lernen" an, sagte er. Auch die duale Ausbildung müsse sich mit Kunst und Musik auseinandersetzen. "Wir benötigen gebildete Fachkräfte, die auch in der Lage sind, über ihr eigenes Gebiet hinaus zu denken."

Der Heilbronner SWR-Studioleiterin Ulrike Hagenbuch kam die schwierige Aufgabe zu, die beiden Redner durch die abschließende Gesprächsrunde zu geleiten − sie wendete sich Biografischem zu, denn nicht nur das Feingeistige verbindet die beiden. "Mein Vater war auch Bauer", sagte Dr. Oetker zu Unkelbach, der aus einem bescheidenen Weingut im Rheingau stammt. "Er hatte ein Rittergut."


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