IHK kündigt fristlos

Heilbronn - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken hat sich mit sofortiger Wirkung von der Geschäftsführerin des IHK-Zentrums für Weiterbildung (ZfW), Renate Rabe (58), getrennt. Ihr wurde die außerordentliche Kündigung ausgesprochen.

Von Iris Baars-Werner

IHK kündigt fristlos
Das Zentrum für Weiterbildung beim Haus der Wirtschaft in Heilbronn ist eine gefragte Adresse für Unternehmen und Privatpersonen. Die Erweiterungspläne sind nach den Vorfällen erst mal auf Eis, sagt die IHK.Fotos: Andreas Veigel, Dennis Mugler und privat

Heilbronn - Zwei fristlose Kündigungen im Zentrum für Weiterbildung (ZfW) der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken: Die IHK hat sich von der seit zehn Jahren amtierenden IHK- und ZfW-Geschäftsführerin Renate Rabe (58) und einer 48-jährigen Mitarbeiterin aus dem ZfW-Veranstaltungsmanagement getrennt.

Der Grund: Sie sollen "Teilnahmegebühren an Weiterbildungsveranstaltungen unberechtigterweise nicht abgerechnet" haben. Es sei dem ZfW und der IHK dadurch ein Schaden von "mindestens 10.000 Euro" entstanden. So formulierte es am Montagmittag um 13 Uhr IHK-Präsident Thomas Philippiak in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Eine Stunde zuvor hatten er und IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig die etwa 120 Mitarbeiter der Kammer informiert. Diese waren innerhalb von fünf Minuten zu einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung eingeladen worden. Am Vormittag, so Schweig und Philippiak, habe es eine Sondersitzung des Präsidiums gegeben, die dritte in dieser Angelegenheit.

IHK kündigt fristlos
War zuständig für Bildung: Geschäftsführerin Renate Rabe.Foto: privat
Anfang Oktober, so Elke Schweig, habe man von "Vorfällen erfahren, die absolut nicht zu tolerieren sind". Die Vorgänge bezögen sich "nicht nur auf die jüngste Vergangenheit", ob diese auch bis in die Amtszeit ihres Vorgängers Heinrich Metzger zurückreichten, darüber gab die IHK-Spitze keine Auskunft.

Die Wochen habe man dazu genutzt, "den Sachverhalt aufzuklären" (Schweig). Die IHK habe die Betroffenen angehört und deren Rechtsanwälte, habe im "ständigen Dialog" mit dem IHK-Präsidium und dem Personalrat gestanden und schließlich das Wirtschafts- und Finanzministerium als Rechtsaufsicht informiert. "Die Vorwürfe wurden nicht ausgeräumt", zieht Elke Schweig Bilanz, "das bedauere ich außerordentlich".

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Elke Schweig, IHK-Hauptgeschäftsführerin, kündigte zwei Mitarbeiterinnen.
"Unendlich betroffen" äußerte sich die Hauptgeschäftsführerin darüber, "dass die Arbeit der IHK-Mitarbeiter in schlechtem Licht erscheinen könnte, dabei handelt es sich um Verfehlungen einzelner Personen und nicht um die IHK als Ganzes." Sie sei überzeugt, richtig zu reagieren: "Wir kehren nichts unter den Teppich, wir kommunizieren offen."

Anhörungen

Die Anhörungen hätten bis zum Mittwoch gedauert. Gestern früh habe man das IHK-Präsidium zusammengerufen, um es über die geplanten Schritte zu unterrichten. Dabei, so Thomas Philippiak, habe es keinen Widerspruch gegen das Vorgehen gegeben. Dann wurden die außerordentlichen Kündigungen ausgesprochen.

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Thomas Philippiak, IHK-Präsident, verteidigt das Vorgehen.
Die IHK rechnet mit gerichtlichen Auseinandersetzungen. Zu Recht: Rechtsanwalt Eberhard Vetter erklärte gestern für seine Mandantin Renate Rabe, "dass die von der IHK erhobenen Vorwürfe unzutreffend sind." Renate Rabe sei "hell entsetzt, wie mit ihr umgegangen wird". Die Kündigungen seien erst nach der Pressekonferenz zugestellt worden.

Rabe werde "zur Wiederherstellung ihrer Reputation" rechtliche Schritte einleiten. In der Heilbronner Kanzlei Vetter, Gerlach, Hartmann ist auch der frühere IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger als Anwalt tätig.

 

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