IHK: Wittenstein tritt nicht an

Heilbronn - Paukenschlag bei der IHK: Manfred Wittenstein steht entgegen früherer Verlautbarungen nun doch nicht als Kandidat für das IHK-Präsidentenamt zur Verfügung. Gründe nannte er nicht.

Von Manfred Stockburger

Manfred Wittenstein (links) wird nicht Nachfolger von Thomas Philippiak.

 

Heilbronn - Die E-Mail kommt gestern Nachmittag um kurz nach halb zwei: In knappen Sätzen schreibt Dr. Manfred Wittenstein, dass er nun doch nicht für eine Kandidatur als IHK-Präsident zur Verfügung steht. Gründe nennt der 70-Jährige nicht. Gesundheitlich gehe es ihm "blendend", erklärt die Sprecherin des Unternehmers aus Igersheim-Harthausen im Main-Tauber-Kreis. Im vergangenen September hatte der Unternehmer und ehemalige Präsident des einflussreichen Maschinenbauer-Verbandes VDMA seine Kandidatur für das Amt des höchsten Repräsentanten der regionalen Wirtschaft mit einem Lächeln bestätigt.

Auch am vergangenen Donnerstag, als das IHK-Präsidium den Fahrplan für die konstituierende Sitzung festlegte, gab es keine Anzeichen, dass Wittenstein nicht kandidieren würde. Elke Schweig, die Wittenstein gestern Mittag per Telefon informierte, sei "sehr überrascht" gewesen, wie ihr Sprecher Dr. Detlef Schulz-Kuhnt sagt. Inhaltliche Differenzen zwischen Wittenstein und Schweig habe es nicht gegeben, heißt es. Amtsinhaber Thomas Philippiak, 70, kann nicht erneut kandidieren, weil nach der IHK-Satzung nur eine einmalige Wiederwahl möglich ist. Auch ihn hat Wittensteins Entscheidung überrascht.

Unkelbach?

Kein Geheimnis ist, dass Philippiak Dr. Harald Unkelbach favorisiert hatte. Unkelbach ist Würth-Geschäftsführer und kümmert sich für den Schraubenhändler um die verschiedensten Bildungsprojekte. Philippiaks Favorit verpasste bei der Wahl im Oktober aber den Einzug ins Kammerparlament um eine Stimme. Der amtierende Vizepräsident unterlag in der Wahlgruppe Absatzwirtschaft beim Kampf um den einen für den Hohenlohekreis reservierten Sitz dem Autohändler Martin Häußermann vom Autohaus Ochs in Öhringen und Möckmühl.

Stuttgarts amtierender IHK-Präsident Herbert Müller, der im Herbst seinen Sitz im dortigen Kammerparlament verlor, hat nach dem Ergebnis eine erneute Kandidatur abgelehnt. Ob Unkelbach unter den jetzigen Umständen zur Verfügung steht? "Das muss die Vollversammlung entscheiden", will sich Unkelbach nicht festlegen. Diese Position nimmt auch Thomas Philippiak ein.

Um die Reihenfolge der Tagesordnungspunkte, also ob zuerst der Präsident gewählt wird und danach die Zuwahl weiterer Mitglieder erfolgt oder umgekehrt, hatte es im Präsidium Diskussionen gegeben. Die Mitglieder haben sich einstimmig darauf verständigt, die Abstimmung über die Tagesordnung ohne Beschlussvorschlag der Vollversammlung zu überlassen − und damit ohne Vorentscheidung. Die Sitzung wird öffentlich sein.

Was nun?

Zwei spannende Wochen stehen der regionalen Wirtschaft also bevor. Gibt es weitere demokratisch legitimierte Kandidatinnen oder Kandidaten? Bisherige Mitglieder des Präsidiums, die dem Kammerparlament erneut angehören sind neben Wittenstein auch Hans Bühler vom Maschinenbauer Optima in Schwäbisch Hall, Kirsten Hirschmann vom Eberstädter Laborgerätebauer, Volksbank-Vorstand Thomas Hinderberger (Heilbronn) und Kurdirektorin Katrin Löbbecke aus Bad Mergentheim. Hinderberger sind auch schon Ambitionen nachgesagt worden, die er aber unter Hinweis auf persönliche Gründe von sich wies.

"Die Dinge nehmen jetzt ihren Lauf", sagt Philippiak. Ganz ohne Präsident wird die Kammer auf keinen Fall dastehen: Bis ein neuer gewählt ist, bleibt der alte in Amt und Würden, heißt es in der Satzung.