Geschädigte verlangen mehr Geld

Zwischen Wut, Resignation und neuer Hoffnung bewegte sich die Stimmung im Meistersaal im Heilbronner Haus des Handwerks. Etwa 180 Anleger notleidender DG-Fonds waren am Freitagabend gekommen, um sich darüber zu informieren, wie es um ihre Investitionen bestellt ist

Von Jürgen Paul

Aussenansicht DZ Bank Hochhaus
Das genossenschaftliche Spitzeninstitut – damals noch mit dem Namen DG Bank – hat die Fonds aufgelegt.Foto: DZ-Bank
Zwischen Wut, Resignation und neuer Hoffnung bewegte sich die Stimmung im Meistersaal im Heilbronner Haus des Handwerks. Etwa 180 Anleger notleidender DG-Fonds waren am Freitagabend gekommen, um sich darüber zu informieren, wie es um ihre Investitionen bestellt ist. Genauer gesagt: wie gut die Chancen sind, wenigstens einen Teil der Anlagesumme zurückzubekommen. Eingeladen hatte die Schutzvereinigung für Kapitalanleger (SfK), die in Zusammenarbeit mit der Bremer Anwaltskanzlei Hahn die Interessen der geschädigten Anleger vertritt.

Alles weg Die DG-Fonds wurden in den 80er und 90er Jahren vom genossenschaftlichen Spitzeninstitut DG-Bank (heute DZ-Bank) aufgelegt und von den Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Südwestbank vertrieben. Die geschlossenen Immobilienfonds wurden Kleinsparern als sichere Altersvorsorge oder als Steuersparmodell verkauft, die in Aussicht gestellten Renditen wurden jedoch nie erreicht. Zwölf der 50 Fonds stehen vor der Pleite, den Anlegern droht der Totalverlust ihrer Einlagen.

Eine 80-jährige Anlegerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist extra aus Bad Cannstatt ins Unterland gekommen, um sich über die Fondsmisere zu informieren. Umgerechnet 15 000 Euro hat sie gemeinsam mit ihrem Mann

1990 in einen DG-Fonds gesteckt. „Als Altersgeld, wir haben ja nicht viel verdient.“ Dass es sich bei der Anlage um eine unternehmerische Beteiligung mit Totalverlustrisiko handelte, habe ihr der Bankberater nicht gesagt. „Wir wollten doch auf keinen Fall ein Risiko eingehen“, sagt sie. Das Vorgehen der Volksbank sei nicht in Ordnung, ebenso wie das Vergleichsangebot, das man ihr wie den meisten betroffenen Anlegern gemacht hat. Mit 20 Prozent der eingezahlten Summe lasse sie sich nicht abspeisen. „Mindestens 50 Prozent sollten es schon sein.“

Neue Details Ob daraus etwas wird, ist fraglich. „Wir werden den Druck auf die Banken verstärken“, kündigt die SfK-Vorsitzende Susanne Pälmke kämpferisch an. Zahlreiche Verfahren rechtsschutzversicherter Anleger sind eingeleitet, zudem hofft man angesichts des Imageschadens für das Genossenschaftslager auf bessere Angebote der Banken. Auch wenn der gerichtliche Weg bisher keinen Erfolg gebracht hat, ist Rechtsanwältin Petra Brockmann optimistisch. „Wir haben neue Details und Insider-Informationen“, sagt die Expertin und vertraut darauf, dass die Gerichte die vermeintliche Falschberatung der Banken erkennen. Eine Prozessflut wolle man gleichwohl nicht lostreten. „Unser Ziel sind Vergleiche ab 50 Prozent der Anlagesumme aufwärts“, betont Brockmann.

Viele der meist älteren Anleger sind jedoch skeptisch, ob das gelingt. „ich habe keine Hoffnung mehr, etwas von meinen 50 000 Euro zusehen“, sagt ein 66-jähriger Anleger aus dem Landkreis Heilbronn. „Doch ich habe meine Lehren gezogen und investiere nur noch in absolut sichere Anlagen.“ Bei seiner Volksbank ist er immer noch Kunde. „Die haben ja selbst nicht gewusst, was sie da verkaufen“, sieht der Kleinanleger die Hauptschuld bei der DZ-Bank.

 Hintergrund: Hilfe für Anleger

Betroffene Anleger haben vielfältige Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen und sich zu informieren. Im Falle
der DG-Fonds hat sich neben der Schutzvereinigung für Kapitalanleger (www.sfk-verein.de) die „Initiative Fonds-DG“ (www.fonds-dg.de) des Bonner Anwalts Hans-Ulrich Kaminski gegründet. Daneben haben sich etliche Anwaltskanzleien auf die Vertretung geschädigter Kapitalanleger spezialisiert

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