Gemeinsam für den Bio-Markt

Die Frießinger Mühle hat eine Kooperation mit zwei weiteren Mühlen gegründet

Von Heiko Fritze

Gemeinsam für den Bio-Markt
Ein kaum zu übersehender Gebäudekomplex ist am Südrand von Bad Wimpfen in die Höhe gewachsen. Quasi alle zwei Jahre erweitert die Frießinger Mühle ihren Hauptstandort. Bioprodukte sollen nun für weiteren Schwung sorgen.

Foto: Archiv/Ulrike Kugler

Wie groß sie genau sind, wollen sie nicht sagen. Mahlleistung, Umsatz - alles Betriebsgeheimnis. Doch der nahezu unübersehbare Gebäudekomplex am Südrand von Bad Wimpfen legt nahe: Die Frießinger Mühle ist eine der ganz Großen in Deutschland. Nun hat sich das Unternehmen ein neues Geschäftsfeld erschlossen: Gemeinsam mit zwei weiteren Mühlen aus Ulm und Aalen werden von April an Öko-Mühlenprodukte im großen Stil unter dem Namen Bio-Korn vermarktet. Dazu haben die drei Mühlen - Partner sind die Heimatsmühle, Aalen, und die Schapfenmühle in Ulm - die Bio-Korn GmbH mit Sitz in Aalen gegründet.

Eigene Stärken „Wir erwarten im ersten Jahr sechs Millionen Euro Umsatz“, berichtet der Bad Wimpfener Inhaber Willi Frießinger. Im nächsten Jahr sollen bereits zweistellige Größenordnungen erreicht werden - indem sich die Bio-Korn GmbH auf den Lebensmitteleinzelhandel konzentriert, von Discountern bis zu Handelsketten im Ausland. „Im Bio-Bereich muss man Kompetenzen bündeln - jeder von uns bringt daher seine Stärken ein“, erläutert Vertriebsleiter Dieter Haberbosch. Die Bad Wimpfener sind dabei zuständig für den Import von Handelsartikeln wie Hartweizengrieß und Kleie sowie für den Vertrieb der Öko-Ware. Da spielen die guten Kontakte zu großen deutschen Handelskonzernen die entscheidende Rolle: Frießinger-Produkte vom Mehl bis zu Backmischungen gibt es bei den größten deutschen Discountern ebenso wie bei selbstständigen Einzelhändlern.

Natürlich, räumt Willi Frießinger ein, gibt es bei den im Raume stehenden Mengen keine Demeter-Qualität. „Ware nur aus Deutschland zu beziehen ist bei diesen Dimensionen nicht machbar“, ergänzt Haberbosch. Daher sei das EU-Biosiegel Richtschnur.

Für die Wimpfener bedeutet das neue Engagement vor allem weiteres Wachstum. Im Zwei-Jahres-Takt haben sie seit 2000 die Anlagen erweitert: 2002 wurde eine zweite Mühlenanlage errichtet, 2004 ein 60 Meter hoher Silokomplex hochgezogen, 2006 eine 14 000 Quadratmeter große Versandhalle gebaut. Der nächste Bau ist bereits geplant: Das Mischzentrum für Spezialprodukte, in der zum Beispiel Soßenbinder hergestellt werden, muss dringend erweitert werden, sagt Willi Frießinger. „Wir haben uns zum Glück Reserveflächen gesichert.“ Derzeit erstreckt sich die Mühle mit allen dazugehörigen Gebäuden auf zehn Hektar Fläche.

Die Zahl der Mitarbeiter ist inzwischen auf 140 gestiegen. Neben Bad Wimpfen gibt es die Anlieferungsstationen Stuttgart und Kirchberg. Dort, im Ursprungsort, betreibt Frießinger auch noch einen Hofladen - und kann so nebenbei neue Produkte testen.

Hintergrund Mühlen-Geschichte

Die Unternehmensgeschichte der Frießinger Mühle beginnt 1859, als Johann Jakob Frießinger die Wassermühle von Kirchberg an der Murr kauft. Als das Gebäude 1987 abbrennt und ein Wiederaufbau vom Gemeinderat abgelehnt wird, kauft die Familie das Kraftfutterwerk Brand Puria in Bad Wimpfen und errichtet eine neue Mühle.


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