„Es gibt viele wirkungsvolle Modelle“

Der Neckarsulmer Steuerberater Gert Ellenberger macht sich für Mitarbeiterbeteiligung stark

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Mitarbeiterbeteiligung an Firmen wird wieder diskutiert. Manfred Stockburger sprach dazu mit dem Neckarsulmer Steuerberater Gert Ellenberger.

Herr Ellenberger, Sie sprechen sich schon lange für Mitarbeiterbeteiligungen aus. Warum?

Ellenberger: Im September 1982 habe ich mich erstmals öffentlich für betriebliche Mitarbeiterbeteiligung im Mittelstand ausgesprochen, getragen vom Grundgedanken „Zum Erfolg durch Partnerschaft und Solidarität“. Damals gab es erst 1000 Unternehmen, die in Westdeutschland ihre Mitarbeiter insbesondere durch Belegschaftsaktien, Mitarbeiterdarlehen oder stille Beteiligungen beteiligt hatten. Alle dies waren freiwillige Leistungen, die das Ziel hatten, neue Wege zu gehen, um einen Beitrag zu leisten für eine aktive betriebliche Gesellschaftspolitik.

Warum hat es sich nicht durchgesetzt?

Ellenberger: 1982 standen andere Themen im Vordergrund, zumal als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde. Damals sah man auch keine Chance, Funktionäre der Arbeitgeber wie Arbeitnehmer von direkter Einflussnahme auf betriebliche Mitarbeitermodelle auszuschließen. Dies sollte auch künftig verhindert werden.

Ein Unternehmer wird doch alles tun, dass er die Kontrolle über seine Firma nicht aus der Hand gibt.

Ellenberger: Bei den von mir empfohlenen Modellen wie stille Beteiligungen mit Gewinn- und begrenzter Verlustbeteiligung gibt der Unternehmer die Kontrolle nicht aus der Hand. Vielmehr kann er Motivation, Solidarität und Partnerschaft der Mitarbeiter ernten, wenn er auch seine Kommunikations-, Motivations- und Sozialkompetenz - wie ein Kapitän einer Fußballmannschaft - einzubringen vermag.

Wenn die Mitarbeiter Kapital bereitstellen, aber an unternehmerischen Entscheidungen nicht beteiligt sind, dann sind Beteiligungsmodelle an sich doch Augenwischerei.

Ellenberger: Mitarbeiter grundsätzlich nicht an unternehmerischen Entscheidungen zu beteiligen, halte ich für einen riesigen Fehler. Wie wollen Sie Mitarbeiter motivieren, wenn Sie ihnen nicht ein Wir-Gefühl vermitteln können, indem Sie an Entscheidungen teilnehmen oder Vorschläge und Sorgen ernst genommen werden?

Welche Grundlagen sollten für Mitarbeiterbeteiligungen gegeben sein?

Ellenberger: Es gibt viele wirkungsvolle Modelle. Sie sollten aber ähnlich wie beim Pensionssicherungsverein gegen Insolvenzrisiko gesichert sein. Die Zuflüsse sollten nachgelagert besteuert werden über etwa fünf Jahre grundsätzlich nach dem Ausscheiden.


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