Unternehmer Dieter Schwarz feiert heute seinen 70. Geburtstag

Heilbronn - Mit der Experimenta setzt sich Dieter Schwarz zurzeit ein Denkmal in seiner Heimatstadt. Der nächste Mosaikstein im Bild, das der Mann hinter Kaufland und Lidl von sich zeichnet, ist der Bildungscampus für seine Privathochschule und die neue Außenstelle der Dualen Hochschule in Heilbronn.
Wer aber ist der Mann, der zu den einflussreichsten Unternehmern Deutschlands zählt und heute in Heilbronn doch unbehelligt von den meisten Menschen Geburtstag feiern kann?

Vergangenheit und Zukunft: Mit der Unterstützung von Dieter Schwarz wird die alte Ölmühle Hagenbucher in Heilbronn zur Experimenta umgebaut. Foto: Chris Petersen


Heilbronn - Mit der Experimenta setzt sich Dieter Schwarz zurzeit ein Denkmal in seiner Heimatstadt. Der nächste Mosaikstein im Bild, das der Mann hinter Kaufland und Lidl von sich zeichnet, ist der Bildungscampus für seine Privathochschule und die neue Außenstelle der Dualen Hochschule in Heilbronn. „Das Sozialste, was ich tun kann“, hat er einmal gesagt, „ist durch Bildungsmaßnahmen die Leistungsfähigkeit der Bürger zu stärken und die Elitebildung zu fördern.“ Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Mosaik

Die Akademie für Information und Management (AIM), die an Kindergärten und Schulen Akzente setzt, und der Komödiantenbrunnen auf dem Kiliansplatz sind weitere Farbtupfer, die der Heilbronner Ehrenbürger bereits gesetzt hat. Wer aber ist der Mann, der zu den einflussreichsten Unternehmern Deutschlands zählt und heute in Heilbronn doch unbehelligt von den meisten Menschen Geburtstag feiern kann?



Fotografien des Lidl-Inhabers sind, weil er unerkannt bleiben möchte und um Kameras deswegen seit jeher einen großen Bogen macht, genauso rar wie belastbares Zahlenmaterial über die Firmen, die Schwarz in seinem Berufsleben groß gemacht hat. Die Eckdaten sprechen aber für sich: 8500 Lidl-Märkte in 25 Ländern und 850 Kaufland-Geschäfte betreibt die Gruppe. Das Wort „intergalaktisch“, mit dem DM-Drogeriemarkt-Chef Götz Werner unlängst die Bilanzen beschrieben hat, trifft die Sache gut. Dennoch überrascht Schwarz durch Bescheidenheit. Die zeigt sich nicht nur in den Gebäuden, in denen die Firmenzentralen untergebracht sind: In Neckarsulm stehen schlichte Zweckbauten.

Museen? Eine Yacht? Fehlanzeige. Schwarz scheut öffentliches Aufsehen. Die Kunst des Schweigens hat er über die Jahre perfektioniert, wenngleich er seine Bildungsaktivitäten immer lauter für sich sprechen lässt. Seine Öffentlichkeitsscheu ist aber nur ein Indiz für die Bescheidenheit. Die schwäbische Schaffensfreude des Kaufmanns - verheiratet ist er mit Franziska Schwarz, die aus der Heilbronner Fabrikantenfamilie Weipert stammt - stellt stets den Zweck in den Mittelpunkt des Handelns.

Einfacher Kaufmann

Aus der Geschäftsführung hat sich der nüchterne Macher schon vor zehn Jahren verabschiedet, das Tagesgeschäft der Schwarz-Gruppe leitet seit 2004 Klaus Gehrig. Als Mitglied der Aufsichtsräte ist der „einfache Kaufmann“ an strategischen Entscheidungen aber weiterhin maßgeblich beteiligt.

Um seine Manager nicht zu mächtig werden zu lassen und um die Existenz des Unternehmens langfristig zu sichern, hat er 99 Prozent der Geschäftsanteile an seine gemeinnützige Dieter-Schwarz-Stiftung überschrieben, die jedes Jahr mit Millionenbeträgen unter anderem die Experimenta und die AIM finanziert. Im Stillen ist er an vielen weiteren Stellen dabei, wenn es darum geht, die Zukunft der Region zu gestalten.

Wer Schwarz verstehen möchte, muss einen Ausflug in die Vergangenheit unternehmen. Vor 45 Jahren stieg er nach Abitur und Lehre in die kleine Lebensmittelgroßhandlung seines Vaters ein. 1960 eröffneten Vater und Sohn das erste Großhandels-Abhollager, den Handels- und Fruchthof in Heilbronn. 1968 begann mit einem Handelshof in Backnang die Ära des Einzelhändlers Schwarz. Anfang der 1970er Jahre folgten die ersten Lidl-Märkte. „Ich habe früh erkannt, dass nur kompromissloses Wachstum den Bestand der Firma sichern konnte“, sagt der Familienvater. Dutzende Wettbewerber sind seit dieser Zeit vom Markt verschwunden. Seine Firma ist geblieben und zählt zu den fünf größten Händlern Europas.



Vor 25 Jahren, als er mit 45 Jahren mit dem Neckarsulmer Kaufland den ersten Verbrauchermarkt eröffnete, hatte der Umsatz gerade die Zwei-Milliarden-Mark Grenze überschritten. So richtig los ging es mit dem Fall der Mauer: Schon wenige Wochen nach der Wende war Kaufland in den neuen Ländern aktiv. Bei Lidl begann damals die Expansion ins Ausland. Die Schlagzahl seiner Expansionsstrategen ist ambitioniert: Seit 2004 hat die Schwarz-Gruppe etwa 3500 Lidl-Filialen und etwa 300 neue Kaufland-Häuser eröffnet. Vergangenes Jahr stieg der Umsatz um acht Prozent auf 54 Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl erreichte 280 000.

In der Kritik

Mit dem rasanten Wachstum gerieten das Unternehmen und der „Geheimniskrämer“ zunehmend in die Kritik. Die Arbeitsbedingungen, die Methoden der Einkäufer, der Datenschutz. Die Angriffe gingen dem Inhaber an die Nieren - mehr als manchem Spitzenmanager. Die neue Maxime der Schwarz-Gruppe heißt deshalb kontinuierliche Verbesserung. Potenzial ist durchaus vorhanden.

Trotz aller Arbeit hat Schwarz all die Jahre Zeit für seinen Freundeskreis und den Lions-Club gefunden. Und für ein Privatleben, das er gerade deswegen genießt, weil er sich in Heilbronn unerkannt bewegen kann. Das große Engagement für seine Heimatstadt ist auch ein Dankeschön dafür.