Diesel-Skandal kostet Audi-Entwicklungsvorstand sein Amt

Ingolstadt/Neckarsulm  Audi muss sich schon wieder einen neuen Vorstand für die Technische Entwicklung suchen. Nur neun Monate nach Amtsantritt hat Stefan Knirsch das Feld schon wieder räumen müssen. Auch er stolperte über den Diesel-Skandal.

Audi-Vorstand stolpert über Meineid

Zwei Motorenexperten, die beide wegen des Dieselskandals ihren Job verloren haben: Ulrich Hackenberg (links) und sein Nachfolger Stefan Knirsch. Nun muss Audi wieder einen Chefentwickler suchen.

Foto: Audi

Audi hat sich wegen des Diesel-Skandals von seinem Technikvorstand Stefan Knirsch getrennt. Der 50-Jährige, der seinen Posten erst im Januar angetreten hatte, „legt seine Funktion mit sofortiger Wirkung nieder und verlässt das Unternehmen im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“, teilte Audi am Montag in Ingolstadt mit.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Berthold Huber sagte, vor Knirschs Amtsantritt hätten die Arbeitnehmervertreter eine Erklärung verlangt, dass er nichts von der Diesel-Thematik gewusst habe. „Die Untersuchungsergebnisse zeigen leider ein anderes Bild. Deshalb musste es zu einer Trennung kommen“, sagte Huber. Die Heilbronner Stimme berichtete bereits am 19. September für den Fall. 

Knirsch war mit Unterbrechungen seit 1990 bei Audi und Porsche tätig, seit 2013 hatte er die Motorenentwicklung der VW-Tochter Audi geleitet. Erst im Dezember war er als Nachfolger des Audi-Entwicklungsvorstands Ulrich Hackenberg berufen worden, der im Zuge der Dieselkrise abgelöst wurde.

Im Umfeld des VW-Konzerns wurde bestätigt, dass die US-Kanzlei Jones Day bei ihren Ermittlungen zum Dieselskandal im Auftrag des VW-Aufsichtsrats Informationen gefunden haben, die Knirsch massiv belasteten. Er soll demnach bereits früher von den Manipulationen an den Dieselmotoren gewusst haben. Außerdem sollen auch Mitarbeiter Knirsch belastet haben.

Audi-Gesamtbetriebsratschef und -Aufsichtsrat Peter Mosch sagte, nach den ersten Erkenntnissen der Aufklärung gebe es mit Knirsch keine gemeinsame Vertrauensbasis mehr, die eine weitere Zusammenarbeit rechtfertige. Huber sagte: „Wir haben von Anfang an klargestellt, dass wir bei der Aufklärung keine Rücksicht auf große Namen nehmen und handeln werden, wenn es nötig ist. Diese Trennung unterstreicht unsere Position.“ dpa/red

 

 


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