Binder startet Werke in Übersee

Neckarsulm - Steckverbinder-Hersteller baut Produktion in den USA und China auf

Von Heiko Fritze
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Am Neckarsulmer Stammsitz von Franz Binder ist in den vergangenen Jahren kräftig eingestellt worden: Etwa 120 Mitarbeiter kamen hinzu.Foto: Franz Binder

Neckarsulm - Am Stammsitz ist der Steckverbinderhersteller Franz Binder im vergangenen Jahr kräftig gewachsen, in der Gruppe gab es hingegen einen leichten Rückgang. In diesem Jahr wird dafür Wachstum in allen Sparten und Regionen erwartet, berichten Geschäftsführer Markus Binder und der kaufmännische Leiter Siegbert Vollert.

Auf 107 Millionen Euro belief sich der Umsatz der gesamten Gruppe im Jahr 2007, erläutert Vollert. Im Vorjahr waren es noch 110 Millionen Euro. In Neckarsulm wurden davon 65 Millionen erzielt nach 60 Millionen im Jahr zuvor. In diesem Jahr stehen die Zeichen hingegen überall auf Wachstum: Derzeit laufe es auf mehr als 120 Millionen Euro Umsatz in der Gruppe mehr als 70 Millionen in Neckarsulm hinaus, sagt Markus Binder.

Neue Vertriebsgesellschaft

Angetrieben wird die gute Geschäftsentwicklung derzeit von den Kunden in der Automatisierungstechnik sowie dem Export, vor allem in China und den USA. Dort hatte das 1960 gegründete Familienunternehmen bislang nur eigene Vertriebsgesellschaften – doch Produktionsstätten befinden sich gerade im Aufbau. In Kalifornien soll es im kommenden Jahr losgehen, im Reich der Mitte schon Ende diesen Jahres. Im ersten Schritt sollen jeweils 20 bis 30 Beschäftigte Teile für den jeweiligen Markt herstellen. „Angesichts der hohen Treibstoffpreise werden wir da nichts nach Europa importieren“, sagt Markus Binder. Neu ist auch eine Vertriebsgesellschaft in Frankreich, die im April an den Start gegangen ist.

Konsolidierung

Insgesamt ist die Gruppe derzeit ausgelastet wie noch nie, berichtet der Geschäftsführer. Das gelte auch für das Werk in Ungarn, in dem im Vorjahr noch Stellen gestrichen wurden. Nun ist dort die Produktion umgestellt: Neben Blenden für Autoradios und Navigationssysteme stellen die mittlerweile wieder 460 Mitarbeiter jetzt auch einfache Steckverbinder her, die von Neckarsulm dorthin verlagert wurden. Aber auch die Automotive-Teile werden gerade stark nachgefragt – „wir müssen bei den Projekten selektieren“, erzählt Siegbert Vollert. Immerhin erzielt Franz Binder mit diesen Produkten gut 20 Millionen Euro Umsatz.

Insgesamt beschäftigte die Gruppe weiterhin etwa 1200 Mitarbeiter, davon 548 in Neckarsulm. Standorte des Familienunternehmens gibt es außerdem neben Ungarn noch in Füssen, bei Wien und in der Schweiz. Nach dem großen Einstellungsschub – Anfang 2006 lag der Personalstand in Neckarsulm noch bei lediglich 426 – seien jetzt erst einmal Konsolidierung und die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter nötig, sagt Vollert. „Man muss zunächst eine Ruhephase einkehren lassen.“ Viel sei am Stammsitz auch in Maschinen und die Automatisierung der Produktion investiert worden – „wir haben unsere Hausaufgaben erledigt“.

Trotz aller Zuversicht – Anzeichen für eine Konjunktureintrübung seien derzeit nicht auszumachen – sind die Neckarsulmer vorsichtig. In einigen Branchen wie bei Dienstleistern und Transportunternehmen würden schon die hohen Energiekosten beklagt. „Die Stimmung kann ganz schnell umschlagen“, ahnt Markus Binder.


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