Audi-Entwicklungsvorstand kämpft für den R8 e-tron

Neckarsulm  Ulrich Hackenberg ist innerhalb von nur einem Jahr der dritte neue Entwicklungsvorstand bei Audi. Der 63-Jährige will nun Ruhe in seine Mannschaft bringen und eine richtungsweisende Denk- und Handlungsweise vorleben.

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Ulrich Hackenberg, Entwicklungsvorstand bei Audi

Unser Redakteur Alexander Schnell hat sich am Rande des Autosalons in Genf mit Hackenberg über Elektroautos, Effizienzziele und das künftige Audi-Design unterhalten.

 

Herr Hackenberg, Audi wird in letzter Zeit häufig mit der Frage konfrontiert, wo der Vorsprung durch Technik geblieben ist. Können Sie das nachvollziehen?

Ulrich Hackenberg: Mein Eindruck ist, dass andere nur lauter trommeln als wir. Fakt ist, dass Audi in vielen Bereichen Technologien entwickelt und Kompetenz aufgebaut hat. Wir haben ein riesiges Potenzial bei Audi mit vielen hochqualifizierten Mitarbeitern. Wir bauen Spitzenprodukte, die sich im Wettbewerb bewähren. Nicht umsonst haben wir 2013 so viele Autos verkauft wie noch nie. Richtig ist: Trotz des Erfolgs haben wir viele Herausforderungen zu bewältigen und müssen die Weichen richtig stellen.

Sie sind innerhalb kürzester Zeit der dritte Entwicklungsvorstand bei Audi. Was machen Sie anders als Ihre Vorgänger?

Hackenberg: Meine Aufgabe ist es, eine richtungsweisende Denk- und Handlungsweise vorzuleben, um die Mannschaft zu Höchstleistungen zu motivieren. Und zwar so, dass die Mitarbeiter mit Spaß bei der Sache sind. Sie müssen sehen: Hier werden Entscheidungen gefällt, hier geht etwas vorwärts, hier werden unsere Ideen wahrgenommen. Meine Verbindung zur Mannschaft ist sehr gut. Schauen Sie sich nur unser Showcar für Genf an, den Audi TT quattro sport concept mit 420 PS. Vor vier Wochen gab es das Auto nur auf einem Blatt Papier. Die Kollegen haben Tag und Nacht dafür gearbeitet und gekämpft. So etwas schweißt die Mannschaft zusammen und bringt uns insgesamt nach vorne.

Ihr Vorgänger hat den R8 e-tron eingestellt, Sie treiben das Projekt wieder voran. Kann man sich jetzt bald einen Elektrosportwagen von Audi kaufen?

Hackenberg: Dafür kämpfe ich. Einer der Gründe für den Stopp war die zu geringe Reichweite des Fahrzeugs und die damit verbundenen Einschränkungen für den Kunden. Das haben wir nun gelöst mit einer neuen Generation von Batterien und einem optimierten Package. Die Reichweite liegt jetzt bei deutlich mehr als 400 Kilometern. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit ist noch offen. Unabhängig davon bin ich aber der Meinung, dass wir so ein Auto brauchen, um es als Technologieträger zu nutzen.

Ganz konkret – zeigt der Daumen für eine Produktion des R8 e-tron nach oben oder nach unten?

Hackenberg: Bei mir zeigt er ganz deutlich nach oben, aber die Entscheidung liegt selbstverständlich beim Gesamtvorstand. Aber wir werden in den nächsten Wochen definitiv eine Entscheidung treffen.

Sie haben als Entwicklungsvorstand bei Volkswagen den e-Up und den e-Golf entwickelt, BMW sorgt nach wie vor mit dem i3 für Schlagzeilen. Benötigt Audi – abseits des Nischenmodells R8 e-tron – nicht auch in einer volumenstarken Baureihe ein reines Elektrofahrzeug?

Hackenberg: Die Elektromobilität hat ganz sicher eine Zukunft. Allerdings muss man sehen, dass die derzeit verfügbare Batteriegeneration in Fahrzeugen wie dem e-Up und dem e-Golf eine Reichweite von 160 bis maximal 200 Kilometern möglich macht. Damit sind Flottenkunden oder Kunden mit vorzugsweise urbaner Nutzung gut bedient, aber der normale Autofahrer erwartet mehr. Bis 2020 sollte sich hier aber einiges tun. Ich rechne damit, dass die Batterien dann mindestens 50 Prozent mehr Reichweite als heute ermöglichen. Dann könnte ich mir vorstellen, dass es Sinn macht, ein entsprechendes Auto anzubieten.

Dennoch stärkt BMW mit dem i3 sein Image.

Hackenberg: Das mag sein. Denn der i3 ist ein respektables Produkt. Er bietet dennoch von der Reichweite nicht das, was die Kundenmehrzahl erwartet. Wir gehen einen anderen Weg. In wenigen Monaten startet der A3 e-tron als Plug-in-Hybrid. Mit ihm können Sie 50 Kilometer rein elektrisch unterwegs sein, und dank des zusätzlichen Benzinmotors haben Sie eine uneingeschränkte Reichweite.

Wie rollen Sie das Thema Plug-in-Hybrid in den anderen Baureihen aus?

Hackenberg: Der nächste Q7 wird mit dieser Technologie ausgerüstet werden, auch die neue Generation des A4 wird im Lauf des Modellzyklus als Hybridvariante erhältlich sein. Aber auch für die Baureihen A6 und A8 ist das ein Thema.

Bis zum Jahr 2020 soll der CO2-Ausstoß in Europa auf 95 Gramm pro Kilometer sinken. Wie weit sind Sie mit Ihrer Flotte?

Hackenberg: Wir haben die Weichen gestellt, um dieses Ziel zu erreichen. Wir liegen heute im Schnitt unter 140 Gramm pro Kilometer. Wenn man sich die Differenz zum Ziel anschaut, können wir rund 40 Prozent über die klassischen Antriebe holen. 30 Prozent schaffen wir über das Fahrzeug selbst – über Eigenschaften wie die Aerodynamik, die Fahrwiderstände oder das Gewicht. Die restlichen 30 Prozent müssen wir über alternative Antriebe wettmachen.

Einer der Hauptgründe für den Kauf eines Autos ist das Design. Hier erntete Audi zuletzt Kritik. Wie muss für Sie ein guter Audi aussehen?

Audi R8 e-tron quattro
Die Produktion des R8 e-tron, von dem in Heilbronn-Biberach zehn Exemplare gebaut worden sind, wurde 2012 verworfen. Nun seien die Probleme mit der Reichweite gelöst, Entwicklungsvorstand Hackenberg will den Wagen auf den Markt bringen.

Hackenberg: Man muss einen Audi auf Anhieb erkennen, das Design darf andererseits nicht monoton werden. Bei uns geht es nun darum, die Formensprache weiter zu bringen, ohne jetzt alles auf den Kopf zu stellen. Wie wir das machen, werden wir bei den nächsten Messen immer wieder zeigen. Mit Marc Lichte, der jetzt als neuer Designchef von Volkswagen zu Audi gekommen ist, haben wir einen sehr kreativen Kopf mit neuen Ideen an Bord. Wir arbeiten in Richtung nächster A8: Unser Flaggschiff wird optisch eine große Erneuerung zeigen. Davon lässt sich dann viel für die anderen Baureihen ableiten.


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