Audi: Angriffslust trotz Sorgenfalten

Neckarsulm/Ingolstadt - Licht am Ende des Tunnels oder nur ein kurzes Strohfeuer: Die Aussichten für die deutsche Autobranche sind schwer einzuordnen. Bei den Premiumherstellern sieht es schlecht aus. Die wichtigen Auslandsmärkte brechen massiv ein. Diese Entwicklung trifft vor allem BMW, Mercedes - und Audi. Bei der Bilanzvorlage der VW-Tochter muss das Unternehmen neue Perspektiven aufzeigen.

Von Jürgen Strammer
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Auf dem Genfer Autosalon stieß das S5 Cabrio auf viel Interesse. Trotzdem muss auch der erfolgsverwöhnte Autobauer Audi Rückschläge verdauen.Foto: dpa

Neckarsulm/Ingolstadt - Licht am Ende des Tunnels oder nur ein kurzes Strohfeuer: Die Aussichten für die deutsche Autobranche sind schwer einzuordnen. Der unerwartete Schub bei den Neuzulassungen in Februar und der dezente Schwung des Genfer Autosalons haben zumindest dafür gesorgt, dass die Sorgenfalten mancher Automanager sich nicht mehr vertiefen.

Nur bei den Premiumherstellern sieht es schlecht aus. Die wichtigen Auslandsmärkte brechen massiv ein. Nach Angaben des Branchenverbandes VDA reduzierten sich die Ausfuhren aller deutschen Hersteller alleine im Februar um 51 Prozent auf 202.000 Fahrzeuge. Diese Entwicklung trifft vor allem BMW, Mercedes - und Audi.

Stabil

Doch zumindest die VW-Tochter schlägt sich auf dem deutschen Markt wacker. Dort legen derzeit zwar die Hersteller von Kleinwagen kräftig zu, Mercedes und BMW verlieren aber zweistellig. Audi hingegen erweist sich im bisherigen Jahresverlauf mit einem Minus von nur 0,3 Prozent als noch relativ stabil.

Weltweit hat der schwäbisch-bayerische Autobauer 63.000 Autos weniger verkauft als vor einem Jahr. Das entspricht einem Minus von elf Prozent. Nach zwei Monaten liegt das Unternehmen gar schon 120.000 Fahrzeuge hinter dem Vorjahreswert. Bei der Bilanzvorlage am Dienstag wird Audi-Chef Rupert Stadler daher einige Antworten liefern müssen, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll.

Das Produktions-Minus in den nächsten Monaten wieder aufzuholen, wird kaum möglich sein. Daher wird der Vorjahreswert von etwas über einer Million verkaufter Fahrzeuge im Jahr 2009 wohl deutlich verfehlt. Rund 900.000 Einheiten schätzt Audi derzeit offiziell. Das dürfte noch als respektabler Wert gelten, schließlich gibt es nicht nur in Europa Probleme. In den USA bricht der Markt Monat für Monat stärker ein. Auch in China müssen die europäischen Autobauer feststellen, dass die Erfolgsgeschichte zumindest einen Dämpfer erlebt.

Kurzarbeit

Audi hat auf all das mit einer Drosselung der Produktion reagiert. Die Kurzarbeit in den deutschen Standorten wird insgesamt dazu führen, dass 12 500 Autos weniger gebaut werden. Bisher heißt es offiziell, dass die Woche Kurzarbeit um Ostern herum das Ende dieser Maßnahmen markieren wird. Allerdings melden sich hierzu bereits erste Stimmen, die daran zweifeln.

Das hindert das Unternehmen nicht daran, der Konkurrenz den Kampf anzusagen. 2010 will Audi in Europa beim Absatz vor BMW und Mercedes liegen, sagte Vertriebschef Peter Schwarzenbauer. Doch dafür sind weitere Kleinwagen nötig. Vielleicht kommt der A1 früher, der A2 wird vorgestellt oder die A3-Palette ausgeweitet. Schließlich braucht Audi mehr kleinere Autos, denn die sind derzeit begehrt.


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