Neuer Audi A8 aus Neckarsulm soll Maßstäbe setzen

Neckarsulm/Miami - Audi hat gestern Abend in Miami (USA) die neue Generation des A8 enthüllt. Gebaut wird die Luxuslimousine in Neckarsulm. Dort hat der Autobauer für sein Flaggschiff rund 240 Millionen Euro investiert.

Von Alexander Schnell

 


Neckarsulm - Limousinen der Luxusklasse gelten als schwer und durstig. Audi tritt nun den Gegenbeweis an: Gestern Abend hat der Autobauer in Miami die neue Generation des A8 enthüllt. Als 3,0 TDI mit 204 PS und Frontantrieb soll die Limousine nur sechs Liter Diesel pro 100 Kilometer benötigen. Die Preise für den A8 starten bei 72.200 Euro.


Mit der dritten A8-Generation will Audi die Wettbewerber BMW und Mercedes endgültig überholen. "Der A8 steht für das ganze Können der Marke", sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Optisch hat Audi wenig experimentiert: Der A8 ist auf Anhieb als Audi auszumachen, vor allem die veränderte Leuchtengrafik an Front und Heck fällt ins Auge. Auf Wunsch sind Voll-LED-Scheinwerfer lieferbar. Der Neue aus Neckarsulm ist ein stattliches Auto geworden. Der Fünfsitzer wirkt größer und imposanter, dank des kuppelförmigen Dachs aber auch luftiger als bisher. Stark überarbeitet zeigt sich der mächtige Kühlergrill.

Größer als bisher


Mit 5,14 Meter Länge überragt der A8 seinen Vorgänger um acht Zentimeter, der Radstand hat ebenfalls auf nahezu drei Meter zugelegt. Das bedeutet noch mehr Platz für die Passagiere, der Kofferraum fasst 510 Liter.


Interieur


Besonders stolz sind die Audianer auf den Innenraum. "Bei der Qualität dringen wir in eine neue Dimension vor", sagt Audi-Chef Stadler. Auffällig ist der vergrößerte, ausfahrbare Monitor in der Mitte des Cockpits. Gegen Aufpreis lässt er sich durch ein intuitives Touchpad erweitern, das die Handschrift des Fahrers erkennt. So lassen sich zum Beispiel Ziele für das Navigationssystem eingeben. Neu ist darüber hinaus ein berührungsempfindlicher Wahlhebel für die bis zu achtstufigen Automatikgetriebe.

Leichtbau wiegt schwer bei Audi, denn Ökologie und Auto - das passt meist nicht zusammen. "Audis Kompetenz in Sachen Leichtbau macht diese konfliktreiche Kombination möglich", sagt Heinrich Timm, Leiter des Aluminium- und Leichtbau-Zentrums in Neckarsulm. Die Aluminiumkarosserie des neuen A8 wiegt 231 Kilogramm. Sie ist wesentlicher Bestandteil, um das Gewicht auf minimal rund 1,7 Tonnen (3,0 TDI mit Frontantrieb) zu drücken.

Motoren

Weniger Gewicht bedeutet weniger Verbrauch. Und so ist der Durst der Motoren um bis zu 22 Prozent gesunken, obwohl die Leistung nach oben ging. Der A8 startet im Frühjahr mit zwei Dieselmotoren - dem 3,0 TDI (V6, 250 PS, + 17 PS) und dem 4,2 TDI (V8, 350 PS, + 24 PS). Den Verbrauch gibt Audi mit 6,6 beziehungsweise 7,6 Liter pro 100 Kilometer an. Einziger Benziner ist anfangs der 4,2 FSI (V8, 372 PS, + 22 PS, 9,5 Liter). Diese drei Versionen werden mit Allradantrieb ausgeliefert. Kurze Zeit nach Marktstart folgt eine 204 PS starke Version des 3,0 TDI mit Frontantrieb. Sie soll im Schnitt mit sechs Litern auskommen - und den A8 zum sparsamsten Modell der Luxusklasse machen.


Geschichte des Audi A8

Eckig und kantig – so präsentierte sich im Jahr 1988 Audis erstes Modell für das automobile Oberhaus. Damals hieß der A8 noch V8. Erste Erfolge erntete der Nachfolger A8, der 1994 debütierte und vor allem mit seiner Aluminiumkarosserie auf sich aufmerksam machte. Dynamisches Design, sportliche Auslegung, eine Vielzahl technischer Raffinessen – mit diesem Konzept trat die nächste Generation des A8 im Jahr 2002 an. Mit diesem Modell gelang Audi endgültig der Durchbruch in der automobilen Oberklasse.




Nachgefragt: „Investitionen belaufen sich auf 240 Millionen Euro“

Am Audi-Standort Neckarsulm rollen bereits die ersten neuen A8-Modelle vom Band. Über die Bedeutung der Luxuslimousine für die Autofabrik im Unterland und die damit verbundenen Investitionen hat Alexander Schnell mit dem 48-jährigen Werkleiter Albrecht Reimold gesprochen.

Herr Reimold, welche Bedeutung hat der neue Audi A8 für Neckarsulm?


Albrecht Reimold: Der Audi A8 steht für Neckarsulm und Neckarsulm steht für den A8. In der neuen Modellgeneration finden sich die Kernkompetenzen des Standorts Neckarsulm wieder. Dazu zählen die nächste Generation des Audi Space Frame – die Audi-Lösung für leichten und innovativen Automobilbau – sowie die starken und hocheffizienten Direkteinspritzmotoren. Der Audi A8 leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung des Standorts und die Sicherung seiner 13.700 Arbeitsplätze.

Welche Investitionen waren im Werk für die Produktion des neuen Flaggschiffs notwendig?


Reimold: Die Gesamtinvestitionen in den neuen A8 am Standort belaufen sich auf rund 240 Millionen Euro. Davon entfällt ein Teil auf Strukturinvestitionen wie Gebäudeerweiterungen. Rund 210 Millionen Euro haben wir in das Produkt investiert. Dazu gehören die Entwicklung und Fertigung neuer Werkzeuge, Anlageninvestitionen sowie Investitionen in die Lackiererei und die Fahrzeugmontage.

Der A8 ist nur einer von vielen Fahrzeuganläufen im Werk Neckarsulm in den kommenden zwölf Monaten. Die A6-Familie wird komplett erneuert, der A7 kommt, ebenso der R8 Spyder. Wie bewältigt die Mannschaft diese Mammutaufgabe im Jahr 2010?

Reimold: Wir haben unsere Mannschaft auf die kommenden Herausforderungen eingeschworen und durch Qualifizierungsmaßnahmen vorbereitet. Die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen stimmt mich positiv für 2010.





Nachgefragt: „Die sportlichste Limousine in der Luxusklasse“

Klimadebatten hin oder her: Audi-Chef Rupert Stadler glaubt an die Zukunft von großen Limousine wie dem neuen A8. Alexander Schnell hat sich mit dem 46-Jährigen über die Technik und Innovationen des neuen Flaggschiffs der Marke mit den vier Ringen unterhalten.

Herr Stadler, wie würden Sie den neuen A8 kurz charakterisieren?

Rupert Stadler: Als Flaggschiff unserer Marke machen wir den neuen A8 zur Benchmark im Luxussegment. Design und Dynamik, die Qualität von Material und Verarbeitung ganz besonders im Innenraum – das Zusammenspiel unendlich vieler Details, das handwerkliche Können und die gestalterische Kraft, die in ihm zusammenfließen – das ist einzigartig.

Wie untermauern Sie den Anspruch „Vorsprung durch Technik“?

Stadler: Der neue A8 ist die effizienteste und sportlichste Limousine in der Luxusklasse. Wir haben den Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um bis zu 22 Prozent gesenkt. Das wird möglich mit der leichten Aluminium-Karosserie, mit hochmodernen TDI- und TFSI-Motoren und einer neuen Acht-Stufen-Tiptronic. Auch bei den elektronischen Assistenzsystemen und den Voll-LED-Scheinwerfern bieten wir unseren Kunden Innovationen. Ich bin überzeugt: Der neue A8 ist der beste Beleg, dass wir unseren Slogan „Vorsprung durch Technik“ leben.

Der Trend geht eher hin zum kompakteren Fahrzeugen. Haben Modelle wie der A8 noch ihre Berechtigung?

Stadler: Grundsätzlich sind wir bei Audi überzeugt, dass sich das Thema Downsizing auf den Antrieb beschränken wird. Unsere Kunden wollen auch in Zukunft nicht auf geräumige Limousinen verzichten. Es kommt darauf an, diese Modelle mit leistungsstarken und gleichzeitig effizienten Antrieben anzubieten. Und an dieser Stelle haben wir beim A8 ein überzeugendes Programm, das wir auch noch erweitern werden.