Hohe Kurzarbeits-Quote im Stadt- und Landkreis Heilbronn

Region  Bei Kurzarbeit gibt es große Unterschiede in Deutschland. Im Raum Heilbronn sind die Autobranche und die Gastronomie stark betroffen, in Schwäbisch Hall trifft es auch Betriebe einer ganz anderen Branche.

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Zwei Kugelschreiber liegen auf einem Antragsformular für Kurzarbeitergeld.

Kurzarbeit im Zuge der Corona-Krise hat vor allem Regionen mit vielen Arbeitsplätzen in der Autobranche sowie Urlaubsgebiete getroffen. Das hat eine Analyse für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Vergleichsweise wenig Kurzarbeit sei dagegen in Städten mit starken Chemie- und Pharmaunternehmen angezeigt worden. Die bundesweit höchste Quote bei den Kurzarbeitsanzeigen hat es demnach mit 56,0 Prozent am VW-Standort Emden gegeben. Am Stammsitz des Autokonzerns in Wolfsburg wurde mit 52,2 Prozent ebenfalls für mehr als jeden zweiten Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt, heißt es in der Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Stiftung.

Zahl der Kurzarbeits-Anzeigen hat sich vervielfacht

Im Bezirk der Arbeitsagentur Heilbronn ist dieser Trend ebenfalls erkennbar. Wie berichtet, hat das Audi-Werk in Neckarsulm vergangene Woche die Verlängerung der Kurzarbeit in einzelnen Bereichen angezeigt. Insgesamt haben im Stadt- und Landkreis Heilbronn im April und Mai 4915 Unternehmen Kurzarbeit für ihre Belegschaft angemeldet. Betroffen sind demnach 94.674 Mitarbeiter, teilte der Heilbronner Arbeitsagentur-Sprecher Mario Keller mit. "Dabei ist dies die Höchstzahl", erläutert er. "Es kann gut sein, dass die Kurzarbeit gar nicht für alle angemeldeten Mitarbeiter in Anspruch genommen wird." Insgesamt ist die Lage aber deutlich verschärft gegenüber den beiden Vorjahresmonaten: Im April und Mai 2019 zeigten nur 18 Betriebe für 391 Beschäftigte Kurzarbeit an, sagte Keller.

Bei der IG Metall Schwäbisch Hall, die auch für den Hohenlohekreis zuständig ist, berichtete der Erste Bevollmächtigte Uwe Bauer von ganz unterschiedlichen Ausgangslagen. "Manche Betriebe haben überhaupt keine Kurzarbeit, bei anderen beträgt sie 50 Prozent." Am schlimmsten sehe es in Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche aus - in Schwäbisch Hall ist der Flugzeugsitze-Hersteller Recaro ansässig, der unter der Flaute der Branche und dem Stillstand auf den internationalenFlughäfen leidet.

"Da weiß man noch nicht, wann es wieder aufwärts geht." Auch Autozulieferer hätten vielerorts mindestens für einzelne Abteilungen Kurzarbeit angemeldet, sagte Bauer. Das liege aber auch an der schon vorher herrschenden Nachfrageschwäche. "Man kann in diesem Fall sagen, dass die Pandemie ein Brandbeschleuniger ist." Andere, etwa die Verpackungsmaschinenbauer im Raum Schwäbisch Hall-Crailsheim, seien hingegen kaum betroffen.

Gastronomie am stärksten betroffen

Überdurchschnittlich viel Kurzarbeit wurde auch in Fremdenverkehrsregionen angemeldet. So wiesen die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald (41,4 Prozent), Oberallgäu (40,4 Prozent) und Garmisch-Partenkirchen (35,1 Prozent) hohe Quoten auf. Auch an der Nord- und der Ostseeküste gebe es hohe Quoten bei der angemeldeten Kurzarbeit.

Eine Erhebung des Münchner Ifo-Institutes hatte ergeben, dass die Gastronomie die am stärksten von Kurzarbeit betroffene Branche ist. Der Schätzung des Institutes zufolge arbeiteten im Mai 796.000 Mitarbeiter in der Gastronomie kurz - und damit 72 Prozent der gesamten Beschäftigten. Auch Mario Keller meldet für den Raum Heilbronn in den Branchen Gastronomie und Hotels einen Schwerpunkt. Wie viele Beschäftigte in Kurzarbeit sind, ist noch nicht bekannt. Die Zahlen der angezeigten Kurzarbeit dürften höher sein als die der tatsächlich kurzarbeitenden Beschäftigten, vermuten die WSI-Wissenschaftler. Die Unternehmen hätten oft vorsorglich für größere Gruppen Kurzarbeit angemeldet.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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