Standortsicherung bei EGO verlängert

Oberderdingen  Geschäftsleitung und Betriebsrat des Oberderdinger Elektroteile-Herstellers EGO wollen Zeit gewinnen, um über eine neue Vereinbarung zu verhandeln. Daher verlängern sie den bestehenden Vertrag. Die Corona-Krise hat bislang kaum Folgen - bis auf eine Ausnahme.

Email

EGO-Geschäftsführer Dirk Schallock, Konzernchef Johannes Haupt und Betriebsratschef Markus Kornherr (von links) starten in neue Verhandlungen.

Foto: Heiko Fritze

Beim Elektroteile-Hersteller EGO in Oberderdingen soll eine neue Standortsicherung verhandelt werden. Denn die alte Vereinbarung läuft zum Jahresende nach fünf Jahren aus. Um wegen der corona-bedingten Einschränkungen mehr Zeit für die Gespräche zu haben, haben Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall die bestehende Vereinbarung um ein halbes Jahr bis Juni 2021 verlängert mit der Option, eine weitere Verlängerung bis Ende 2021 nutzen zu können.

Für die etwa 1460 Beschäftigten bei EGO in Oberderdingen bedeutet das, dass sie weiterhin im Schnitt zwei Stunden pro Woche mehr arbeiten und auf etwa ein Viertel ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes verzichten. Dafür sichert die Unternehmensleitung Investitionen in die Modernisierung des Stammsitzes und neue Produkte zu und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen. "Die Leute sind bereit, ihren Teil beizutragen", sagte Betriebsratsvorsitzender Markus Kornherr. "Wir wollen Zeit gewinnen, um eine Klammer drumzumachen. Das können wir aber nur, wenn die Mitarbeiter keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben müssen."

Während der gesamten Corona-Krise habe EGO bislang keine Stellen abgebaut. Zwar seien einige der weltweit 20 Betriebe zeitweilig geschlossen gewesen, aber auch in jenen Tagen habe das Unternehmen seine Belegschaft gehalten. "Wir rechnen Stand heute auch nicht damit, dass wir Stellen streichen müssen", sagte EGO-Geschäftsführer Dirk Schallock. Von Vorteil sei gewesen, dass das Unternehmen über seine chinesischen Standorte schon Mitte Januar auf die Entwicklung aufmerksam wurde und sich darauf einrichtete, etwa indem es seine Teilebeschaffung auf mehr Lieferanten verteilte. Dadurch habe es kaum Engpässe gegeben, sagte Schallock. "Bis jetzt haben wir alle Verpflichtungen erfüllen können", berichtete er. Und die Kunden - vor allem Hersteller von Haushaltsgeräten - meldeten schon, dass sie im zweiten Halbjahr mit einer Konjunkturerholung rechnen.

Umsatzeinbrüche von 25 bis 40 Prozent

Das erste Halbjahr ist stark von der Pandemie geprägt, berichtete Johannes Haupt, Konzernlenker der Blanc & Fischer Familienholding, unter der neben EGO unter anderem die Blanco-Gruppe angesiedelt ist. Im ersten Quartal gab es zwar schon einen Umsatzrückgang, aber der Gewinn lag sogar über Plan. Das zweite Quartal bezeichnete Haupt als "großes Desaster": Es gab Umsatzeinbrüche um 25 bis 40 Prozent, je nach Sparte. Bereits im Februar sei ein Sparprogramm über 70 Millionen Euro aufgelegt worden. Unter anderem wurde die Dividenden- und Boni-Auszahlung verschoben, ebenso der Umbau des Entwicklungs- und Technologiezentrums von EGO am Stammsitz. Auf eines ist Haupt stolz: "Wir brauchen keine Staatshilfe. Insgesamt sind wir stark genug, das aus eigener Kraft zu stemmen."

Für den Rest des Jahres sind die Unternehmenslenker zuversichtlich. Im zweiten Halbjahr dürfte das Geschäft mit Haushaltsgeräten und Küchen noch mehr anziehen, zumal viele während des Lockdowns mit Renovierungen in ihren Wohnungen begonnen haben. "Wir sind überzeugt, dass diese Krise vorübergehen wird. Corona kam, Corona geht aber auch wieder", meinte Haupt.

Sanierungsrunde bei Blanco Professional

Einzig die Sparte Blanco Professional bereitet mehr Sorgen. Sie beliefert vor allem die Gastronomie und die Autobranche. Hier sollen Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag starten, kündigte Haupt an. Die Belegschaft wurde darüber an diesem Montag informiert


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

Kommentar hinzufügen