Restrukturierungserfolge halten R. Stahl stabil

Waldenburg  Das Umsatzminus soll 2020 bei maximal fünf Prozent liegen, so das Ziel des Unternehmens. Wasserstoff ist ein Zukunftsthema, doch kurzfristig setzt R. Stahl vor allem auf Erdgas.

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Der Explosionsschutzspezialist R. Stahl in Waldenburg erwartet in diesem Jahr leichte Umsatzrückgänge. Insgesamt sieht sich die Firma gut unterwegs.

Foto: Veigel

Die R. Stahl AG hat mit ihrer starken Abhängigkeit vom Öl zu kämpfen. Vorstandschef Mathias Hallmann erwartet deshalb auch keine schnelle und steile Erholung. Insgesamt ist der Anbieter von Explosionsschutzlösungen allerdings zuversichtlich, das laufende Jahr mit einem Umsatzminus von maximal fünf Prozent abzuschließen, verkündete Hallmann auf der virtuellen Hauptversammlung des Konzerns. Im zweiten Quartal waren diese Zahlen um neun Prozent zurückgegangen.

Restrukturierung ist weit fortgeschritten

2019 seien die Prognosen zweimal angehoben worden. Am Ende sei das Jahr erfolgreich abgeschlossen worden. Und eigentlich habe sich die Firma auch für 2020 anspruchsvolle Ziele gesteckt, erklärte Hallmann. Durch die Auftragseinbrüche im Mai und Juni seien diese aber nicht mehr zu erreichen.

Viele Restrukturierungsmaßnahmen hätten jedoch bereits gegriffen. Die Einführung einer Matrix-Organisation, die Schließung unrentabler Standorte und die Reduzierung der "Produktkomplexität". Auch die IT soll weiter konsequent verschlankt werden. Statt 17 verschiedene Planungs- und Steurungssysteme (ERP) zu nutzen, soll ab 2023 mit dem neuen SAP-System nur noch eine solche Software im Unternehmen im Einsatz sein.

Wasserstoff nur ein kleiner Markt bisher

Einen Schwerpunkt legt die Firma für die nächsten Jahre auf Flüssiggas (LNG), ein wachsendes Geschäft, das auch unter ökologischen Gesichtspunkten deutlich besser abschneide als Öl. Stahl sei Weltmarktführer bei der Automatisierung von LNG-Schiffen. Dieser Bereich mache inzwischen mehr als zehn Prozent des Umsatzes aus.

Daneben hat das Unternehmen die ersten Wasserstoff-Tankstellen ausgestattet. Wenn das Thema in fünf bis zehn Jahren unsere Gesellschaft transformiere, soll R. Stahl mit von diesem Geschäft profitieren, so Hallmann. "Unseren Produkten macht es nichts aus, ob wir ein Wasserstoff-Gas nicht zum Explodieren bringen wollen oder ein Erdgas." Doch aktuell werde das Thema Wasserstoff von Medien und Politik etwas überbewertet.

Mit der Dividende vertröstet

Es folgten 169 Fragen der Aktionäre, etwa nach der Dividende. Diese wurde nur den allgemeinen Erwartungen für die nächsten zwei bis drei Jahre beantwortet. Dann soll sich die Gewinnsituation verbessern.

Mit dem Aktienkurs ist allerdings auch Aufsichtsratschef Peter Leischner nicht zufrieden. Der bewegt sich nach dem Absturz im März und der anschließenden schnellen Aufwärtsbewegung wieder bergab und unterschritt am Donnerstag die 20-Euro-Marke.

Mitarbeiterzahl bleibt stabil

Fragen gab es auch zum überraschenden Abschied von Finanzvorstand Volker Walprecht im vergangenen Jahr. Die Antworten von Vorstands- und Aufsichtsratschef dazu waren naturgemäß wenig konkret. Seit Frühjahr ist Nachfolger Jürgen Linhard im Amt. Eine Reduzierung der Belegschaft plant R. Stahl nicht. Mit 1685 liegt die Mitarbeiterzahl knapp über der des Vorjahreszeitraums. Der Umsatz soll sich 2020 im Bereich zwischen 260 Millionen und 265 Millionen Euro bewegen.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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