Noch über 300 Azubiverträge weniger als im Vorjahr

Region  Die Zahl der neuen Lehrverträge liegt als Folge der Corona-Krise noch immer unter dem Vorjahreswert. Denn mehrere Faktoren haben die Zahl der Neueinstellungen gebremst. Doch es gibt auch positive Anzeichen bei den Arbeitgebern in der Region.

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Die Zahl der Lehrverträge in der Region liegt immer noch unter dem Vorjahreswert. Foto: dpa

Der Einbruch auf dem regionalen Ausbildungsmarkt fällt nicht so gravierend aus wie noch vor zwei Monaten befürchtet. Im Mai gab die IHK Heilbronn-Franken einen Rückgang bei neu abgeschlossenen Lehrverträgen von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert an. Inzwischen ist diese Differenz auf ein Minus von 13 Prozent geschrumpft: Bis Ende Juni waren 2410 Ausbildungsverhältnisse eingetragen, im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt 2775.

Einstellungsgespräche wurden oft vertagt

Dennoch: "Viele Betriebe stehen vor existenziellen Problemen und kämpfen mit der Aufrechterhaltung ihres Geschäftsbetriebes. Das Thema Ausbildung verliert dann nicht selten an Bedeutung", erklärt die Kammer die Entwicklung. Manche Unternehmen könnten wegen der Einschränkungen in ihrem Geschäftsbetrieb momentan keine vollständige Ausbildung mehr gewährleisten.

Und: "Nicht selten mussten Bewerbungsgespräche oder Einstellungstermine aufgrund von Kurzarbeit vertagt werden." Teilweise war wochenlang der Zutritt zu Betrieben nicht möglich. Auch die IHK durfte ihre Bildungsmesse dieses Jahr nur virtuell veranstalten.

Zwar gibt es Unterstützung durch Bund und Land. "Wir wissen aber aus vielen Gesprächen mit Unternehmen aus Gastronomie, Einzelhandel, Tourismus und Veranstaltungswesen, dass dort die Ausbildungsbereitschaft stark abgenommen hat", berichtet ein Sprecher. Die Hoffnungen richten sich darauf, dass eine zweite Pandemie-Welle ausbleibt. "Dann dürften sich die Ausbildungszahlen wieder stabilisieren."

Das Handwerk holt auf

Bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken gab es bis 30. Juni 655 neu eingetragene Ausbildungsverträge, 15,5 Prozent weniger als im Vorjahr. "Die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe war am Beginn der Coronakrise zunächst zurückhaltend", sagt Kerstin Lüchtenborg, Leiterin Berufsbildung bei der Kammer. Im April lag das Minus bei 20,3 Prozent, im Mai bei 16,5 Prozent. Lüchtenborg ist sich sicher: "In dem Maße, wie sich Wirtschaft und Schule wieder normalisieren, wird auch die Zahl der Neueintragungen wieder steigen."

Die IHK Heilbronn-Franken stellt in diesem Jahr keine Auszubildenden ein. Stattdessen hält sie ihre Azubi-Stellen frei, um gegebenenfalls Auszubildende, die nach Insolvenzen ihre Ausbildung nicht fortsetzen können, zu übernehmen. Dies gilt unabhängig davon, in welchem Lehrjahr sich die Auszubildenden befinden, erläutert ein Sprecher. Normalerweise hätte die IHK Heilbronn-Franken zwei bis drei Auszubildende eingestellt.

EBM-Papst hat noch freie Plätze

Der Ventilatorenhersteller EBM-Papst berichtet unterdessen, dass er in diesem Jahr am Stammsitz Mulfingen unverändert 70 Lehrstellen und Studienplätze bereitstellt. Bei einzelnen DHBW-Studiengängen gebe es sogar noch freie Plätze.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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