Mittelfristig fehlen wieder Fachkräfte in der Region

Heilbronn  Laut IHK-Prognose drückt die Corona-Pandemie die Nachfrage nach Beschäftigten nur bis 2022. Vor allem hochqualifiziertes Personal ist weiterhin gefragt. Ein ähnliches Bild wie in der Region herrscht in ganz Baden-Württemberg.

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Vor allem in der Gesundheitsbranche fehlen in der Region Heilbronn-Franken qualifizierte Fachkräfte. Aber auch in vielen Bereichen, die kurzfristig unter der Corona-Pandemie zu leiden haben, wird es mittelfristig Personalbedarf geben.

Foto: dpa

Die Corona-Pandemie lindert den Fachkräftemnagel in der Region Heilbronn-Franken - allerdings nur kurzfristig. Das zeigt der aktuelle IHK-Fachkräftemonitor, ein von den baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern betriebenes Internettool zur Ermittlung des Fachkräftebedarfs.

Die neueste Hochrechnung macht deutlich, dass Corona die Situation in der Region auf den Kopf gestellt hat. Gab es vor der Pandemie eine Fachkräftelücke von 23.000 Stellen, so ist in diesem Jahr ein Personalüberschuss von rund 13.000 Beschäftigten entstanden. "Die Corona-Pandemie macht vor dem Arbeitsmarkt nicht halt", sagt Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken.

"Vor dem Hintergrund weiterhin teils eingeschränkter Geschäftstätigkeit und unklarer Zukunftsperspektive ist die Nachfrage nach Beschäftigung in den regionalen Unternehmen insgesamt stark zurückgegangen", kommentiert sie die Entwicklung.

Personal in Branchen wie der Gesundheitswirtschaft gesucht

Dennoch bleibe ein Mangel vor allem an höher Qualifizierten sowie in bestimmten Branchen bestehen. "Obwohl auch die Nachfrage nach höher qualifizierten Fachkräften deutlich abgenommen hat, besteht in der Krise weiterhin ein Mangel an Meistern, Fachwirten und Akademikern", stellt Döring fest. Insbesondere der Gesundheitswirtschaft fehlten nach wie vor qualifizierte Fachkräfte. Auch Techniker und Meister in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Handel, Unternehmensführung sowie Büro- und Sekretariatsfachkräfte mit Berufsausbildung seien gefragt. Dagegen seien Hilfskräfte und niedrige Qualifizierte stark von der Krise betroffen.

Auch im kommenden Jahr wird die regionale Nachfrage auf dem Fachkräftemarkt laut IHK-Hochrechnung gebremst bleiben. So wird der Überschuss an Beschäftigten sogar auf 17.000 ansteigen. Für das Jahr 2022 prognostiziert die Kammer einen Überschuss von nur noch 4000 Beschäftigten, bevor sich der Trend wieder umkehrt. Im Jahr 2023 wird ein Fachkräftemangel von 3000 Beschäftigen vorhergesagt.

In einigen Jahren wendet sich das Blatt

Hauptgrund ist aus Sicht der IHK das demografiebedingte massive Ausscheiden von Fachkräften aus dem Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren. So prognostiziert der Fachkräftemonitor, dass den Unternehmen in der Region im Jahr 2030 insgesamt 43.000 Fachkräfte fehlen werden - vorausgesetzt, die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden überwunden. "Umso wichtiger ist es, dass die Betriebe gerade auch jetzt an der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter festhalten", appelliert Elke Döring an die Verantwortung der Unternehmer.

Auch im Land sinkt corona-bedingt die kurzfristige Nachfrage nach Fachkräften. Wie der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) mitteilt, gibt es in diesem Jahr einen Überschuss von 64.000 Beschäftigten, nachdem 2019 noch eine Lücke von 312.000 Beschäftigten geklafft hatte.

Für das kommende Jahr rechnet der BWIHK sogar mit einem Überschuss von 113.000 Beschäftigen. Allerdings kehrt sich der Trend dann wieder um. 2022 wird ein Fachkräftemangel von 19.000 Personen erwartet, 2023 sollen sogar 88.000 Fachkräfte fehlen.

 

IHK-Fachkräftemonitor
Der IHK-Fachkräftemonitor ist ein Prognoseinstrument, das das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR für die IHKs in Baden-Württemberg entwickelt hat und jährlich aktualisiert. Untersucht werden alle Branchen, auch das Handwerk. Das aktuelle Update berücksichtigt die Effekte der Corona-Pandemie auf die konjunkturelle Entwicklung in Baden-Württemberg für die Jahre 2020 bis 2023.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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