Illig streicht 153 Stellen

Heilbronn  Die Situation beim Maschinenbauer Illig ist ernst, Stellen werden abgebaut. Seit Januar befindet sich das Unternehmen in Kurzarbeit, um die Umsatzrückgänge zumindest teilweise zu kompensieren.

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Foto: Illig

Die Restrukturierung beim Maschinenbauer und Thermoformspezialisten Illig nimmt allmählich Gestalt an. Am gestrigen Donnerstag hat die Geschäftsführung die Mitarbeiter über die aktuelle Lage informiert.

Am Nachmittag stimmten die in der IG Metall organisierten Illig-Mitarbeiter mit großer Mehrheit für die Annahme eines Ergänzungstarifvertrags. Zentraler Punkt: Bis Ende des Jahres werden bei dem Heilbronner Traditionsunternehmen 153 Stellen abgebaut. Das sagte Illig-Geschäftsführer Heinrich Sielemann der Heilbronner Stimme.

Mehrere Belastungsfaktoren

Damit verbleiben noch rund 550 Mitarbeiter am Stammsitz in Sontheim. Illig war bereits vor der Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Vor allem die öffentliche Diskussion um Kunststoffverpackungen und die allgemeine Konjunkturabschwächung führte zu deutlichen Auftragseinbrüchen. Die Heilbronner sind weltweit führend bei der Entwicklung von Thermoformsystemen und Werkzeugsystemen für Kunststoffe und Verpackungen.

Seit Januar befindet sich das Unternehmen in Kurzarbeit, um die Umsatzrückgänge zumindest teilweise zu kompensieren. Anfang März zeichnete sich aber ab, dass auch personelle Einschnitte nötig sein werden, um die Situation zu meistern, da sich die Auftragslage bis ins Jahr 2021 nicht spürbar positiv verändern werde.

20 Prozent der Belegschaft, so der Plan der Geschäftsführung, soll durch bereits laufende Abfindungsprogramme, früheren Renteneintritt und über eine Transfergesellschaft sozialverträglich abgebaut werden. Dies sei gelungen, zeigt sich Sielemann erleichtert. Zwar habe es 21 betriebsbedingte Kündigungen gegeben. Allerdings seien davon 18 Mitarbeiter in die Transfergesellschaft gewechselt, die restlichen drei hätten eine neue Arbeitsstelle gefunden. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagt der Geschäftsführer.

Beschäftigte bringen Opfer

Der mit dem Betriebsrat und der IG Metall ausgehandelte Ergänzungstarifvertrag sieht eine Beschäftigungsgarantie für die verbliebenen 550 Mitarbeiter vor - je nach Bereich bis Ende 2021 oder Ende 2023. Im Gegenzug verzichten die Beschäftigten in diesem und im nächsten Jahr auf das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld - das aber später ausgezahlt werden soll. Auch die Leistungszulagen werden für die Vertragsdauer leicht gekürzt.

Lob für konstruktive Zusammenarbeit

Ab 2022 sollen die Mitarbeiter am Gewinn beteiligt werden, wenn Illig dann wieder schwarze Zahlen schreibt. "Davon gehe ich aus", ist der Unterländer IG-Metall-Chef Michael Unser zuversichtlich. Er lobt ebenso wie Geschäftsführer Sielemann die konstruktiven Verhandlungen in der schwierigen Situation. "Es tut mir unendlich leid um die 150 Kollegen, die gehen müssen", sagt Unser.

Zugleich lobt er das vereinbarte Zukunftsprogramm, das Millioneninvestitionen in neue Produkte und Märkte vorsieht. "Das ist sehr positiv." Illig-Chef Sielemann sieht mit der jetzt erzielten Einigung die Zukunft des Traditionsunternehmens gesichert. Mit einer schnellen Trendwende rechnet er gleichwohl nicht. "Die Situation bleibt herausfordernd."


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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