Forschung zum Nutzen der Region

Heilbronn  Duale wissenschaftliche Forschung betreiben mit konkretem Nutzen für die Region - das ist zusammengefasst der Auftrag des Ferdinand-Steinbeis-Instituts (FSTI), das seit Ende 2019 auch am Bildungscampus in Heilbronn ansässig ist. Die FSTI-Experten widmen sich der Digitalisierung und Vernetzung.

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Im Turm der TU München auf dem Heilbronner Bildungscampus sitzt das Ferdinand-Steinbeis-Institut. Foto: Archiv/Gleichauf

Vor fünf Jahren wurde das Forschungsinstitut mit Sitz im Stuttgarter Haus der Wirtschaft gegründet. Auf dem schnell wachsenden Bildungscampus in Heilbronn, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Dependance der Technischen Universität München (TUM), fühlen sich Heiner Lasi und Michael Köhnlein richtig wohl. Lasi hat die akademische Leitung des FSTI inne, Köhnlein die Geschäftsführung. Zusammen mit ihrem derzeit achtköpfigen Team wollen sie die Veränderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen untersuchen, die sich durch die zunehmende Digitalisierung ergeben.

Wie kann man zusätzliche Geschäftsmodelle und Wertschöpfung generieren, von denen heute noch keine Rede ist? Das ist eine der zentralen Fragen, denen sich die FSTI-Experten widmen. Und zwar interdisziplinär und transferorientiert, also mit einem starkem Bezug zur Praxis. "Es geht um Nutzwert und Relevanz für Wirtschaft und Gesellschaft", betont Heiner Lasi. Das FSTI will seine Forschung nicht im akademischen Elfenbeinturm betreiben, sondern mitten im Leben. "Die Akzeptanz in der Gesellschaft ist uns sehr wichtig", sagt Michael Köhnlein.

Wie diese Arbeit konkret aussehen kann, zeigen die sogenannten Micro-Testbeds, die vom Land Baden-Württemberg gefördert wurden. Diese Micro-Testbeds sind dadurch gekennzeichnet, dass drei bis fünf kleine oder mittlere Unternehmen branchenübergreifend in einem neutral moderierten Vertrauensraum zusammenarbeiten und gemeinsam Wertschöpfungsszenarien im realen Unternehmensumfeld experimentell umsetzen. "Ziel ist es, möglichst schnell pragmatische Umsetzungen, die für alle Beteiligten einen Nutzen stiften, zu realisieren und gemeinsam zu lernen", heißt es beim FSTI.

Praktische Anwendungsmöglichkeiten im Fokus

Hört sich komplizierter an als es ist. So haben sich die Experten beispielsweise gemeinsam mit einem Gastronomen der Frage gewidmet, wie Schankverluste gemessen und verhindert werden kann. Und in der Landwirtschaft kann es darum gehen, wie trocken der Boden sein muss, damit eine Bewässerung notwendig ist. "Wir schauen uns immer die gesamte Wertschöpfungskette an", nennt Köhnlein einen wichtigen Aspekt der Forschungsarbeit.

In den Projekten arbeiten die Forscher in der Regel mit virtuellen Abbildern der jeweiligen Untersuchungsgegenstände. "Wir wollen aus der Virtualität heraus die Realität beeinflussen", erläutert Lasi. Dazu braucht er Daten, die auf einer offenen Plattform gesammelt werden. "Ihren Wert erhalten diese Daten erst im jeweiligen Kontext."

Daten sicher und effizient teilen

Auch im neuesten Projekt des Ferdinand-Steinbeis-Instituts geht es um Daten. Das Landeswirtschaftsministerium fördert ein Pilotprojekt für Datengenossenschaften mit 1,4 Millionen Euro. "Das Pilotprojekt überträgt die bewährte Idee der Genossenschaften in die digitale Welt. Die Idee der Datengenossenschaften soll es Firmen ermöglichen, ihre Daten effizient, sicher und vertrauenswürdig miteinander zu teilen", sagt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

Gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband und der Uni Stuttgart soll das FSTI drei Datengenossenschaften aus jeweils fünf bis sieben Firmen in unterschiedlichen Branchen gründen und wissenschaftlich begleiten. "Durch die Kombination der Fähigkeiten von Unternehmen aus verschiedenen Branchen und den Austausch von Daten über Internetplattformen können wir zusätzliche Wertschöpfungspotenziale realisieren", sagt Heiner Lasi. Für das Projekt werden noch Unternehmen gesucht, die mitmachen möchten.

 

Das Institut

Das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) ist ein Forschungsinstitut für Business Transformation im Kontext der Digitalisierung und Vernetzung. Seine Standorte hat es im Haus der Wirtschaft in Stuttgart und auf dem Bildungscampus in Heilbronn. "Wir wollen ein agiles und innovatives Forschungsinstitut bleiben und nicht wachsen um jeden Preis", sagt Geschäftsführer Michael Köhnlein. Der akademische Leiter Heiner Lasi betont neben der dualen, praxisorientierten Forschungsarbeit die Internationalität des FSTI. Das Institut ist Mitglied im Industrial Internet Consortium (IIC), das 2014 von AT&T, Cisco, General Electric, IBM und Intel gegründet wurde und als offene Organisation mittlerweile mehr als 200 Mitglieder aus 26 Ländern umfasst.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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