Eleva entwickelt mit Geld aus Heilbronn Covid-19-Wirkstoff

Freiburg/Heilbronn  Unterstützt vom Zukunftsfonds Heilbronn entwickelt die Biotech-Firma Eleva einen Wirkstoff, der bei Covid-19-Patienten zum Einsatz kommen könnte. Gezüchtet wird er in grünem Moos.

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In diesen Bioreaktoren züchtet die Freiburger Firma Eleva neuartige Wirkstoffe in Moos. Foto: Eleva

In der Corona-Pandemie zeigt sich, welch wichtige Rolle Investitionen des Zukunftsfonds Heilbronn bei der medizinischen Bekämpfung der Viruserkrankung spielen.

Mittelfristig könnte eine weitere Firma, die aus dem Risikokapitalfonds des Lidl- und Kaufland-Eigentümers Dieter Schwarz finanziert wird, die Heilungschancen bei Covid-19-Patienten verbessern: Ein Wirkstoff der Freiburger Biotech-Firma Eleva, vormals Greenovation, könnte Entzündungen in der Lunge verhindern.

Nicht die erste Firma, die jetzt von sich reden macht

Die bayrische Firma Baseclick forscht bereits mit Hochdruck an einem SarsCov2-Impfstoff und erhält dafür Geld aus Heilbronn. Geräte der Heilbronner Firma Xenios helfen, Covid-Patienten am Leben zu halten - entwickelt wurden sie mit Geld aus dem Zukunftsfonds. Und auch die Apparaturen der Freiburger Firma Resuscitec, die vom Zukunftsfonds unterstützt wird, haben Corona-Patienten bereits das Leben gerettet.

Nun gesellt sich die Freiburger Firma Eleva dazu, die der Zukunftsfonds seit 2006 finanziert. "Ziel unserer Entwicklungen ist es, Patienten Therapieoptionen zu bieten, die sie vorher nicht hatten", sagt Eleva-Geschäftsführer Andreas Schaaf. "Aus Investorensicht winkt im Erfolgsfalle natürlich auch ein hochattraktiver Markt."

Noch steckt die Firma in der Start-up-Phase. Zig Millionen wurden investiert, um Wirkstoffe zu entwickeln, die in Mooszellen heranreifen. Den Freiburgern ist es gelungen, die menschliche Alpha-Galactosidase im Moos nachzubilden, die für eine Therapie bei Patienten mit Morbus Fabry zum Einsatz kommen könnte. Hier sind die präklinischen Tests und eine erste klinische Erprobung bereits abgeschlossen.

Was es mit dem Faktor H auf sich hat

Nun konzentriert sich das Biotech-Unternehmen mit etwa 30 Mitarbeitern voll und ganz auf die Weiterentwicklung eines anderen Stoffs, dem sogenannten Faktor H. Dieses menschliche Protein reguliert die körpereigene Immunreaktion.

Die in dem grünen Moos hergestellte Version könnte bei einer Reihe von eher seltenen Krankheiten, aber auch bei der verbreiteten Makuladegeneration des Auges bei älteren Menschen zum Einsatz kommen, erläutert der 46-jährige promovierte Biologe Schaaf.

 

 

Die Firma hat ein Alleinstellungsmerkmal

Vor einigen Wochen sei ein Artikel in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature Reviews erschienen, der einen möglichen Zusammenhang zwischen den Lungen-, Herz- und Nierenentzündungen bei Covid-19 und der angeborenen Immunreaktion herstellt. "Mit Faktor H entwickeln wir den zentralen Regulator dieser Immunreaktion", so Schaaf.

Damit hat Eleva ein Alleinstellungsmerkmal. Nur eine schottische Firma stelle bislang den Faktor H her, allerdings aus Hefezellen mit deutlichen Abweichungen vom menschlichen Molekül. Eleva sei mit seiner Technik hier viel näher am Original, muss nun aber weiter durch präklinische und klinische Tests, was Schaaf zufolge frühestens in vier Jahren zu einem zugelassenen Medikament führen könnte.

Für die Hochphase der Corona-Pandemie wohl zu spät

Große Hoffnung auf den Faktor H
Eleva-Geschäftsführer Andreas Schaaf. Foto: Gleichauf

Ob die Bedrohung durch den Corona-Virus in einigen Jahren noch akut ist, lässt sich schwer abschätzen. Die regulierende Wirkung des Faktor H könnte aber nicht nur bei Covid-19 vorteilhaft sein. Das Unternehmen ist unter anderem mit der Charité in Berlin in Kontakt. Unter Umständen ergeben sich so noch ganz andere Anwendungsgebiete für den Faktor H.

Geld spielt dabei eine wichtige Rolle. "In Phase 2 und 3 benötigen wir noch mal größere Finanzierungsrunden. Oft werden diese bereits von Pharmafirmen oder deren spezialisierten Fonds übernommen. "Deren Fachexpertise kann hier durchaus hilfreich sein", sagt Schaaf.

Insgesamt ist die Erfolgsquote in der Pharmaentwicklung jedoch vergleichsweise gering. Gerade deshalb ist Schaaf so dankbar, dass der Heilbronner Fonds und sein Geldgeber dahinter so viel Geduld haben. "So lange macht das kaum ein Investor mit, ohne Geld zu verdienen."

Firma hat den "Ritterschlag" erhalten

Es hängt nun nicht alles am Faktor H. Die Umfirmierung von Greenovation zu Eleva soll signalisieren, dass das Unternehmen eine neue Stufe erreicht hat. In der ersten Phase habe es sich darauf konzentriert, die Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe auf der Basis Moos technisch zu bewerkstelligen.

"Mit der Zulassung des ersten Wirkstoffs für klinische Tests haben wir sozusagen den Ritterschlag für unser Produktionssystem erhalten", sagt Schaaf. Jetzt könne sich Eleva auf die Produktentwicklung konzentrieren. Der Faktor H soll somit nur einer von mehreren Wirkstoffen sein.

Geht die Rechnng des Zukunftsfonds auf?

Bisher hat Eleva im Heilbronner Zukunftspark Wohlgelegen nur einen Briefkasten. Doch wer weiß, vielleicht entsteht dahinter irgendwann eine Reinraum-Produktion für medizinische Wirkstoffe. Dann käme vielleicht sogar der Faktor H aus Heilbronn. Spätestens dann wäre das Investment des Zukunftsfonds aufgegangen.

 

Zur Firma

Greenovation wurde 1999 von den Biologie-Professoren Gunther Neuhaus und Ralf Reski in Freiburg gegründet. Seitdem beschäftigt sich die Firma mit der Entwicklung eines Moos-Bioreaktors, mit dem sich menschliche Moleküle nachbilden lassen. 2006 ist der Zukunftsfonds Heilbronn als Hauptinvestor bei Greenovation eingestiegen. Der heutige Geschäftsführer Dr. Andreas Schaaf hat bei Gründer Reski Anfang der 2000er promoviert und kam 2009 zur Firma. 2020 wurde Greenovation in Eleva umbenannt.

 

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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