Autobranche muss Digitalisierung vorantreiben

Ludwigsburg  Das Ludwigsburger Beratungsunternehmen MHP will den Transformationsprozess in der Branche unterstützen. Gründer Ralf Hofmann erwartet in diesem Jahr einen Umsatzrückgang, bleibt aber optimistisch.

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Der gebürtige Heilbronner Ralf Hofmann hat das Ludwigsburger Beratungsunternehmen MHP 1996 gegründet. Foto: MHP

Das Beratungsunternehmen MHP muss coronabedingt einen Gang runterschalten. Nach Jahren mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten rechnet Geschäftsführer Ralf Hofmann für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang. Zuletzt erwirtschaftete die Porsche-Tochter Erlöse in Höhe von 508 Millionen Euro.

Gründer kommt aus Heilbronn

"Wir haben schon Schrammen abbekommen", sagt der gebürtige Heilbronner mit Blick auf das erste Halbjahr. Einige Kunden hätten Aufträge gestoppt oder verschoben, die Mehrheit sei aber dabei geblieben. Dank der nach wie vor guten Auslastung sei MHP vergleichsweise gut durchs erste Halbjahr gekommen. "Wir hatten keinen Tag Kurzarbeit, keine Entlassungen und brauchten auch keinerlei Staatshilfen", sagt Hofmann. Aktuell beschäftigt das Unternehmen weltweit 2900 Mitarbeiter, davon 2500 in Deutschland.

1000 Projekte auf Remote umgestellt

Dennoch hat die Corona-Pandemie die Arbeitsweise bei dem Management- und IT-Beratungsunternehmen komplett verändert. "Wir haben mehr als 1000 laufende Projekte direkt auf Remote umgestellt", berichtet der Geschäftsführer. Die MHP-Berater arbeiten seitdem im Homeoffice und betreuen ihre Kunden weltweit digital, was sehr gut funktioniere und eine Menge Kosten spare, etwa für Dienstreisen.

Autobauer verbrennen viel Geld

Hofmann ist überzeugt davon, dass nicht nur bei MHP der von Corona verursachte Digitalisierungsschub bestehen bleibt. Denn dieses Thema steht auch in der Automobilbranche ganz oben auf der Tagesordnung, mit der die Ludwigsburger 85 Prozent ihrer Umsätze machen. MHP nimmt für sich in Anspruch, die Prozesse der Kunden über die komplette Wertschöpfungskette zu digitalisieren. Für den Geschäftsführer steht dabei fest: "Das Betriebssystem ist entscheidend."

Der amerikanische Elektroauto-Pionier Tesla sei hier führend, während die deutschen Autobauer dieses Thema zu lange vernachlässigt hätten. Entsprechend groß sei der Beratungsbedarf bei VW, Daimler, BMW & Co.. "Es geht für die Autokonzerne darum, neue Produkte und Strategien zu entwickeln, um den gewaltigen Transformationsprozess zu meistern", sagt der Unternehmer, der in Bad Rappenau lebt. Der Druck auf die Branche sei gewaltig, "schließlich verbrennen sie aktuell jeden Monat eine Menge Geld".

Politik muss mehr tun

Neben den Autokonzernen sieht der MHP-Gründer auch die Politik in der Pflicht zu handeln, wenn sie es mit der Mobilitätswende und der Förderung der Elektromobilität ernst meine. Laut Hofmann sollte mehr für die Infrastruktur getan werden. Die aktuellen Fördermittel reichten offensichtlich nicht aus, um der E-Mobilität den gewünschten Schub zu geben. Auch die Mehrwertsteuersenkung bis Jahresende bringt aus seiner Sicht kaum etwas, um den Pkw-Absatz anzukurbeln.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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