Audi will bis 2023 deutlich wachsen

Ingolstadt/Neckarsulm  Audi kämpft nach wie vor mit den Folgen der Corona-Pandemie. 2021 will das Unternehmen aber schon wieder 4,2 Milliarden Euro Gewinn einfahren, für 2023 sind sogar sechs Milliarden Euro angepeilt.

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Das Audi-Werk in Neckarsulm. Foto: Manuel Maier

An seinen deutschen Standtorten Ingolstadt und Neckarsulm hat der Autobauer die Kurzarbeit bis Ende Juli verlängert. Von Januar bis Mai sank der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,1 Prozent auf 553.900 Fahrzeuge. Abschreiben will Markus Duesmann das laufende Jahr aber keineswegs, wie der neue Audi-Chef vergangene Woche in einer Online-Konferenz mit seinen wichtigsten Managern mitgeteilt hat. Das Unternehmen erwartet internen Prognosen zufolge, in diesem Jahr rund 1,6 Millionen Autos zu verkaufen. 2019 waren es 1,845 Millionen Einheiten. Die Umsatzrendite will Duesmann bei 3,3 Prozent halten (2019: 8,1 Prozent).

Nach der Krise will das Unternehmen kräftig durchstarten. 2021 soll der Gewinn bereits wieder 4,2 Milliarden Euro betragen, für 2023 sind sogar sechs Milliarden Euro angepeilt. Diese Zahlen tauchen in Unterlagen auf, die Audi zusammen mit der Einladung zur Hauptversammlung am 31. Juli verschickt hat. "Audi hat die besten Zeiten noch vor sich", soll Duesmann unlängst in kleiner Runde gesagt haben.

Mehr Absatz, weniger Personal

Nach Informationen der Heilbronner Stimme basiert der Gewinnzuwachs bis 2023 im Wesentlichen auf zwei Säulen. Audis Chefstratege Jan Michel und sein Team gehen davon aus, dass der Absatz in den nächsten Jahren kontinuierlich wächst. Bis 2025 könnte er dem Vernehmen nach im Korridor zwischen 2,1 und 2,3 Millionen Einheiten liegen. Das wären 400.000 bis 500.000 Fahrzeuge mehr als noch 2019. Der Anstieg solle vor allem durch die Elektrifizierung gelingen: Bis 2025 plant 20 weitere Elektroautos.

Zum anderen werden an den deutschen Standorten - wie 2019 zwischen Unternehmen und Betriebsrat vereinbart - bis zum selben Zeitpunkt 9500 Arbeitsplätze wegfallen. Insgesamt soll das Projekt "Audi Zukunft" sechs Milliarden Euro einsparen.

 

Audi Sport-Chef Oliver Hoffmann soll entlastet werden

Am vergangenen Donnerstag sind die beiden neuen Vorstände Sabine Maaßen (Personal und Organisation) und Dirk Große-Loheide (Beschaffung und IT) sowie Peter Kössler (Produktion und Logistik) am Standort Neckarsulm mit Werkleiter Helmut Stettner zum Informationsaustausch zusammengekommen. Am Standort wird es laut Unternehmenskreisen zu einigen Personalveränderungen in der technischen Entwicklung (TE) kommen.

Nachdem Oliver Hoffmann zum Chief Operating Office (COO) für die gesamte TE ernannt wurde, soll er nun von seinen anderen Aufgaben entlastet werden. Hoffmann ist derzeit auch Geschäftsführer der Tochterfirma Audi Sport, Leiter der TE in Neckarsulm sowie Gesamt-verantwortlicher der Motorenentwicklung. Dem Vernehmen nach sollen Hoffmanns Schlüsselpositionen bereits in den nächsten Wochen neu besetzt werden.

Ab Mittwoch wird eigenes Betriebssystem entwickelt

Ab Mittwoch, 1. Juli, startet für Audi-Chef Duesmann eine seiner größten Herausforderungen. Der VW-Konzern beginnt mit der Entwicklung eines eigenen Auto-Betriebssystems in seiner neuen Software-Einheit. Duesmann ist auch oberster Entwickler des Konzerns. Ab 2022 soll die Grundplattform bei Audi und Porsche in Serie gehen. 

Squeeze-out

Volkswagen hat das Herausdrängen der Audi-Minderheitsaktionäre – den sogenannten Squeeze-out – förmlich Ende Februar angekündigt. VW besitzt bereits 99,64 Prozent der Audi-Aktien. Der Beschluss soll bei der nächsten Hauptversammlung am 31. Juli gefasst werden. Je Aktie sollen die Anteilseigner 1551,53 Euro erhalten. Der Kurs ist nach der Ankündigung in den vergangenen Wochen stark gestiegen, am Freitag lag er zuletzt bei 1570 Euro. 

 


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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