VW entschuldigt sich für geschmacklosen Spot

Wolfsburg  Die Vorwürfe gegen VW-Chef Diess und Aufsichtsratschef Pötsch wurden fallen gelassen. Aber ein Werbespot mit rassistischem Inhalt verdirbt die Freude darüber.

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In einem Spot von VW gibt es mehrere rassistische Andeutungen.

Foto: Screenshot

Es war kein guter Tag für VW. Zwar bestätigte das Landgericht Braunschweig am Mittwoch, dass das Strafverfahren wegen möglicher Marktmanipulation gegen VW-Chef Herbert Diess und VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eingestellt wird. Doch dafür mussten immerhin neun Millionen Euro an die Staatskasse überwiesen werden. In den sozialen Medien sorgte derweil ein Werbespot von VW für Aufsehen, der gleich mit mehreren rassistischen Andeutungen spielte.

Kann das Zufall sein?

VW hatte den zehnsekündigen Clip am Dienstag auf Instagram gepostet, ihn nach Kritik aber umgehend gelöscht. Allerdings war er von Nutzern bereits kopiert worden und ist somit noch in Umlauf. Zu sehen ist ein Golf und daneben ein dunkelhäutiger Mann, der von einer riesigen weißen Hand zuerst durchs Bild gezerrt und dann in ein Haus geschnippt wird. Über dem Hauseingang ist zu lesen: "Petit Colon", was auf Deutsch so viel wie "Kleiner Siedler" oder "Kolonist" heißt. Anschließend erscheint Buchstabe für Buchstabe der Schriftzug "Der neue Golf" - und zwar so, dass kurzzeitig das Wort "NE-GE-R" erkannt werden kann.

VW übernimmt die Verantwortung

Anfangs war unklar, ob der Spot wirklich in dieser Form von VW stammt. Doch mit der Entschuldigung räumte der Konzern ein, dafür verantwortlich zu sein: "Ganz ohne Frage: Das Video ist falsch und geschmacklos", erklärte VW noch am Mittwoch in Wolfsburg. Dass der Clip bei vielen Beobachtern zu Empörung und Wut führe, könne man verstehen. "Wir distanzieren uns davon und entschuldigen uns dafür. Wir werden aufklären, wie das passieren konnte - und Konsequenzen daraus ziehen." Ein Fragezeichen blieb: Was hätte der Spot eigentlich ausdrücken sollen?

Kein Freispruch für Diess und Pötsch

Am Ende des Tages bleiben Fragezeichen

VW-Chef Herbert Diess (r.), Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Foto: dpa

Der Vorgang überdeckte somit die eigentliche Nachricht des Tages, dass VW mit einem weiteren Kapitel zu den Vorwürfen der Marktmanipulation im Zuge des Dieselskandals abschließen kann. Die Freude darüber dürfte ohnehin schon nicht ungetrübt gewesen sein, denn die Geldauflage von jeweils 4,5 Millionen Euro für VW-Chef Diess und Aufsichtsratschef Pötsch impliziert, dass dies kein Freispruch war. Die Interpretation von VW lautet dennoch: Die Vorwürfe, Diess und Pötsch hätten die Finanzmärkte vor fünf Jahren nicht rechtzeitig ins Bild gesetzt, seien unbegründet.

Die Braunschweiger Richter erläuterten den Beschluss nicht. Die Einstellung sei im Rahmen des nichtöffentlichen Zwischenverfahrens vereinbart worden. Die Staatsanwaltschaft schwieg.

Diess war 2015 erst zu VW gekommen

Bezahlt wird die Geldauflage vom Unternehmen. Nach "umfassender Prüfung und Abwägung" habe der Aufsichtsrat entschieden, die beiden von der Auflage freizustellen, hieß es von VW. Die Vorwürfe beziehen sich auf September 2015, als der Aktienkurs von VW abstürzte, nachdem die Dieselmanipulationen öffentlich wurden. VW soll schon Ende Juli 2015 von den US-Behörden informiert worden sein und habe dennoch geschwiegen. Diess war damals erst wenige Wochen im Unternehmen.

Winterkorn weiter im Visier

Einen Schlussstrich kann VW ohnehin noch nicht ziehen. Denn keine Einigung gibt es bislang mit dem damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Er soll mindestens 16 Monate vor der Veröffentlichung von den Manipulationen gewusst haben. Medienberichten zufolge könnte allerdings auch sein Verfahren bald gegen eine Millionenzahlung eingestellt werden. Winterkorn müsste diese Summe wohl allein aufbringen.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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