Zulieferer und Chinesen liefern auf der IAA einen Ausblick in die Zukunft

Frankfurt/Region  Visionen einer anderen Mobilität gibt es auf der IAA nicht nur bei den bekannten Herstellern, sondern auch bei Lieferanten wie Rheinmetall, Mann + Hummel oder Magna - und auf Chinesisch.

Zulieferer und Chinesen liefern auf der IAA einen Ausblick in die Zukunft

Die Niere am Auspuff ist nicht aus Bayern: Der S9 ist ein Sportwagen des chinesischen Audi-Partners FAW.

Foto: Stockburger

Welche Strategie dahinter wohl steckt? Die Pressekonferenz in Frankfurt - nur auf Chinesisch. Die Beschriftung am Stand kommt komplett ohne Deutsch aus, nur ein kleiner Aufsteller verweist auf die Internetseite und verrät, mit wem es die Besucher in Halle 8 zu tun haben: Hong Qi, zu Deutsch Rote Fahne.

So heißt die Traditionsmarke des chinesischen Audi-Partners FAW. Ein Elektro-SUV steht auf dem Stand und der Supersportwagen S9, von dem die Dame am Messestand lediglich weiß, dass er in streng limitierter Auflage gebaut werden soll, 1400 PS hat und mehr als eine Million kostet. Infomaterial? Fehlanzeige.

Ein Superstar der Messe: der M-Byte von Byton

Ein paar Schritte weiter bei den chinesischen Elektroauto-Spezialisten Byton und Wey sieht das anders aus. Obwohl Halle 8 etwas abseits liegt, ist bei Byton viel los. Der frühere BMW-Manager Carsten Breitfeld, der das chinesische Startup auf die Spur gesetzt hat, ist inzwischen zwar weitergezogen, dennoch nimmt die europäische Konkurrenz Byton ernst. Das zeigt sich auch an hochrangigen Besuchern wie Wolfgang Porsche oder der BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. Der M-Byte soll schließlich schon nächstes Jahr auf den Markt kommen. Auch Wey kommt mit dem Anspruch, ernst genommen zu werden.

Wahrscheinlich wäre es auch falsch, den Hong-Qi-Auftritt nur zu belächeln. Schließlich gibt China als größter Automarkt der Welt in vielen Dingen die Richtung vor. Deshalb wirkt der Batteriehersteller CATL mit seinem Stand neben EBM-Papst, einem Fraunhofer-Institut und Tüv Süd etwas deplatziert. Den größten Batteriezellenhersteller der Welt würde man dort jedenfalls nicht vermuten.

Batterie Der Kampf um die Batterien ist auf dem Weg zur Elektromobilität, wie er in den Hallen von BMW, VW und Mercedes allenthalben beschrieben wird, eine zentrale Engstelle. Auf Fragen zur Strategie antwortet CATL-Mann Qi Yang aber ausweichend. Auch zur geplanten Batteriefabrik in Thüringen. "Demnächst", sagt er, werde man sich dazu äußern. Aber nicht jetzt. Wer sich für die Zukunft der Branche interessiert, kommt an diesem Unternehmen dennoch nicht vorbei.

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Wie Zulieferer auf die Herausforderungen reagieren

Um die Zukunft geht es auch bei den Zulieferern. Wirtschaftlich: Continental-Chef Elmar Degenhart schließt Entlassungen "als letztes Mittel" nicht mehr aus. Der Chef des Getriebebauers ZF, Wolf-Henning Scheider, geht davon aus, dass es in den nächsten zwei Jahren keine Besserung geben werde. Konjunktur und grüne Technologien sind aber ganz unterschiedliche Baustellen.

Beim Ludwigsburger Filter-Hersteller Mann + Hummel packt man die Zukunft mit Produkten für die elektrische Zukunft an. Heinz Bühl erklärt, wie die Kompetenzen aus der Verbrenner-Vergangenheit auch in Elektrofahrzeugen und bei der Brennstoffzelle benötigt werden. Bauteile aus dem Renault Zoe gibt es am Stand - und auch einen Filterprototypen für die E-Auto-Marke Faraday Future. "Ich gehe davon aus, dass sich langfristig der Wasserstoff durchsetzen wird", sagt Bühl, der in Erlenbach wohnt. Die Luft, die in die Brennstoffzellen geblasen wird, muss ebenfalls gefiltert sein. "Wir haben viel zu bieten", sagt der Mann am Stand neben der Roten Fahne.

Bei Magna zeigt Denis Ronard, was der Zulieferer für Hybridfahrzeuge zu bieten hat. "Hybride werden den Hauptteil der künftigen Mobilität ausmachen", ist er überzeugt. Der Name Getrag ist indes verschwunden, Getriebe aus Untergruppenbach und Neuenstein gibt es an dem Stand aber weiterhin.

Nicht jedes Elektroauto braucht einen 800-Volt-Motor

Bei Rheinmetall Automotive steht wie bei Bosch ein Fahrrad als Blickfang am Stand. Beide Firmen haben mit 48-Volt-Motoren aber mehr vor, als Zweiräder anzutreiben. Und auch mehr als den umgebauten Vespa-Dreiradtransporter, der in Neckarsulm auf die Zulassung wartet. Kommunalfahrzeuge, kleine Lieferwagen - oder am Bosch-Stand ein Elektro-Roller von Peugeot: Städtische Mobilität gibt es, wenn es nach den Zulieferern geht, nicht nur als SUV. "Die Welt verändert sich schnell", sagt Kolbenschmidt-Chef Horst Binnig. "Das geht auch an uns nicht vorbei."

Rheinmetall sichert sich Zukunftstechnologie

Bei Fachleuten sorgt ein unscheinbares Kunststoff-Teil am Rheinmetall-Stand für Aufsehen. Es sieht aus wie Strangguss und ist am Stück produziertes Carbon. Ein Startup aus Stade hat die Technologie entwickelt, Rheinmetall hat sich an Carbon TT beteiligt und kümmert sich um die Industrialisierung und den Vertrieb. Hardparts-Chef Helmut Freiermuth ist angetan von der Resonanz und möchte die Produktion nach Neckarsulm holen.

Dann kommt plötzlich hoher Besuch an den Rheinmetall-Stand: Zhang Haitao, der Chef von Huayu, dem Jointventure-Partner aus Schanghai. Für China ist die IAA ein absoluter Pflichttermin.

 

 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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