Winkels investiert 40 Millionen Euro

Sersheim  Der größte Mineralbrunnen des Landes baut ein neues Hochregallager für das Werk Sersheim und erweitert die Glasflaschen-Abfüllung.

Winkels investiert 40 Millionen Euro

Sersheim ist der größte Abfüllbetrieb der Winkels-Gruppe. In den Standort wird in den kommenden Jahren weiter investiert. Foto: Heiko Fritze

Der größte Mineralbrunnen des Landes steht vor einem großen Investitionsprogramm: In den kommenden beiden Jahren sollen mehr als 47 Millionen Euro in neue Gebäude und Anlagen fließen, kündigte Gerhard Kaufmann an. Der geschäftsführende Gesellschafter begründete dies mit nötigen Modernisierungen und Rationalisierungen - und mit den Auswirkungen der Nachhaltigkeitsdebatte auf die Branche.

Denn im laufenden Jahr, berichtete er, werde der Anteil der Abfüllungen in Glasflaschen in der Unternehmensgruppe auf 33 Prozent steigen, für das nächste Jahr dürfte er auf 50 Prozent wachsen. Darum werde das Familienunternehmen eine neue Abfüllanlage für Glasflaschen für das Werk Sersheim bestellen - was alleine schon eine Investition von 15 Millionen Euro bedeutet.

Vollautomatisiertes Hochregallager bis 2021

Ferner plant Winkels den Bau eines vollautomatisierten Hochregallagers am Standort Sersheim, sagte Kaufmann. Das Projekt soll 2021 in Betrieb gehen. Die Kosten veranschlagte er auf mehr als 20 Millionen Euro. Zusätzlich sollen für den Logistik-Standort Sachsenheim zwei automatische Sortieranlagen angeschafft werden, die auf etwa zwölf Millionen Euro Investitionskosten veranschlagt werden, kündigte er an.

"Der Verbraucher reagiert auf die emotionalen Bilder, dass Plastik schlecht ist", erklärte Kaufmann den Trend hin zu Glasflaschen. Die Folge: Der Absatz von Mineralwasser, Limonaden und Schorlen in PET-Flaschen ist bei den einzelnen Marken von Winkels um bis zu 15 Prozent zurückgegangen, während der Absatz von Getränken in Glasflaschen gegenläufig wächst. Unter dem Strich steht in diesem Jahr dennoch ein Absatzminus von etwa vier Prozent, sagte Kaufmann. Das liege zum einen daran, dass der Sommer 2018 von April bis Oktober andauerte und dementsprechend deutlich mehr Menge verkauft wurde, während das Wetter in diesem Jahr - aus Sicht eines Mineralbrunnenbetreibers - eher durchwachsen war.

Sorgen wegen Leitungswasser-Sprudelgeräte 

Zusätzliche Sorge bereiten Gerhard Kaufmann und seiner Tochter Denise, die als Geschäftsführerin für Marketing und Vertrieb zuständig ist, aber auch die wachsenden Anteile von Leitungswasser-Sprudelgeräten. Die kleinen Apparate erleben derzeit einen Boom, da sie von den Verbrauchern ebenfalls als nachhaltig wahrgenommen würden und die Hersteller Leitungswasser als bestkontrolliertes Lebensmittel anpreisen, sagte Denise Kaufmann. Das gelte aber nur bis zum Grundstück des Verbrauchers - ob in seinen Wasserleitungen oder Wasserhähnen Verunreinigungen sitzen, habe niemand mehr unter Kontrolle. "Das wird aber immer völlig ausgeklammert."

Winkels-Gruppe

Die Unternehmensgruppe Winkels besteht aus den Geschäftsbereichen Getränkeabfüllung und Getränkevertrieb. In vier Werken - Sersheim, Sachsenheim-Spielberg, Bad Peterstal-Griesbach und Aspach-Rietenau - werden die Marken Alwa, Griesbacher, Fontanis und Rietenauer sowie Preiseinstiegs- und Handelsmarken abgefüllt. Die Getränkelogistik betreibt Standorte in Sachsenheim, Östringen, Donaueschingen und Stuttgart und hält zudem jeweils etwa die Hälfte an drei Getränkevertrieben in der Pfalz und im Saarland. Die Gruppe beschäftigt mehr als 800 Mitarbeiter und erzielte 2018 ohne die Einbeziehung von Beteiligungen einen Umsatz von 385,6 Millionen Euro. 

Auf den Absatz der Mineralwassermarken von Winkels habe sich das jedenfalls schon durchgeschlagen, berichtete Gerhard Kaufmann: Das Plus von vier Prozent beim Absatz im Jahr 2018 sei wesentlich niedriger ausgefallen, als angesichts des Wetters zu erwarten gewesen wäre. "Eigentlich hätten es zehn Prozent sein müssen."

Die Mitglieder des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM) haben daher eine Initiative gestartet, um der Bevölkerung die Unterschiede zwischen Leitungswasser und Mineralwasser deutlich zu machen. Bei Winkels wurden daher an einem Tag Schulklassen zur Besichtigung des Sersheimer Betriebs eingeladen. Größtes Plus aus Sicht der Brunnen sei, dass Mineralwasser von der Quelle direkt in die Flasche gefüllt werde und daher hygienischer sei als Leitungswasser im Haushalt. Kritik übt die Branche - zusammen mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga - auch an den Plänen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, Trinkwasserbrunnen an öffentlichen Plätzen zu bezuschussen oder Gastronomen zu verpflichten, kostenloses Leitungswasser auszuschenken. Dies gefährde die Existenz der Branche, warnen sie. "Aus unserer Sicht ist das Wettbewerbsverzerrung", sagte Gerhard Kaufmann.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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