Wie die regionale Wirtschaft von Israel lernen will

Heilbronn  Das kleine Land am Mittelmeer ist Startup-Paradies und begehrter Partner Deutschlands. Auch die Region knüpft Bande zu Israel.

Von Jürgen Paul
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Der Innenraum des Prototyps des City Transformer. Das Fahrzeug des israelischen Start-ups hat einen Unterbau, der sich per Knopfdruck ein- und ausfahren lässt. Eingeklappt ist das Fahrzeug nur noch einen Meter breit - und passt problemlos in einen Motorradparkplatz. Foto: dpa

Israel verbinden die meisten Deutschen mit dem Holocaust und dem speziellen Verhältnis der beiden Staaten. An wirtschaftliche Beziehungen und fruchtbarem Austausch zwischen Deutschland und Israel denken die wenigsten. Dabei ist das kleine Land am Mittelmeer längst zu einem wichtigen Partner Deutschlands geworden, wie Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, feststellt.

Und mehr noch: "Israel ist es gelungen, ein zweites Silicon Valley aufzubauen", so Döring. Tatsächlich kann das Land, das so groß ist wie Hessen, für sich in Anspruch nehmen, Weltmeister bei Startups zu sein: 8300 Startups bei neun Millionen Einwohnern - ein solches Verhältnis ist einzigartig. Ob Handytechnologie, USB-Stick, Bluetooth oder Internet-Telefonie - ohne israelisches Know-how sähe die Welt heute anders aus.

GGS-Studienreise nach Israel

Grund genug, das Land in den Mittelpunkt der 7. Heilbronner Gespräche zur Unternehmensführung zu stellen. Und Grund genug für die German Graduate School of Management and Law (GGS), Israel zum Ziel ihrer diesjährigen Studienreise zu machen. Bei der Veranstaltung am Donnerstagabend im Haus der Wirtschaft gingen Experten aus Deutschland und Israel der Frage nach, was Israel so interessant macht.

Der besondere unternehmerische Spirit in Israel gehört nach Ansicht von Grisha Alroi-Arloser, Geschäftsführer der Auslandshandelskammer Israel, zur DNA des Landes. "Not macht erfinderisch", verweist er auf die schwierigen Bedingungen in dem 1948 gegründeten Land: Wasser- und Nahrungsmittelknappheit auf der einen Seite, Massenzuwanderung auf der anderen Seite. Dazu die häufig blutigen Konflikte mit den Nachbarstaaten. "Die Menschen haben gelernt, mit Gefahren und Risiken umzugehen", sagt Alroi-Arloser. Daraus habe sich die Mentalität entwickelt: "Geht nicht, gibt"s nicht."

Zukunftsfonds Heilbronn beteiligt sich an israelischem Startup

Diese Mentalität verkörpert Harel Boren perfekt. Der erfahrene Unternehmer hat einen optischen Qualitätsinspektor entwickelt, der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist. Von dieser Idee ist der Zukunftsfonds Heilbronn (ZFHN) so angetan, dass er sich an Borens Startup Inspekto beteiligt hat - in der Innovationsfabrik Heilbronn bezieht das israelische Unternehmen demnächst ein Büro.

"Israelis kennen oft den kürzesten Weg zur zweitbesten Lösung - und die reicht meistens", beschreibt Alroi-Arloser den Charakter der Israelis. Während die ebenso zögerlichen wie gründlichen Deutschen eine Idee erst umsetzten, wenn sie wirklich alle Fragen geklärt haben, marschierten israelische Gründer schon mit 50 Prozent Information los.

Israelis machen Deutschen Tempo

"Ich finde es gut, dass die israelischen Unternehmer uns Deutschen Tempo machen", sagt ZFHN-Geschäftsführer Thomas Villinger. Die deutschen Mittelständler könnten viel von den mutigen israelischen Gründern lernern, sind die Experten überzeugt. Und der Holocaust? Der spiele heute keine Rolle mehr, hieß es.

 

 


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