Wie Mercedes, BMW und Audi um die Zukunft ringen

Frankfurt  Zwischen E-Mobilität und SUV: Auf der IAA in Frankfurt müssen sich die Manager der deutschen Premium-Hersteller vor allem einer Frage stellen. Schaffen sie es, die Mobilität auf klimaneutral umzustellen? Von der Suche nach Antworten.

Die Autobranche auf der Suche nach Antworten

Die Autoindustrie setzt in Frankfurt ihre neuesten Produkte in Szene. Die IAA gilt als Leitmesse der Branche. .

Foto: dpa

Es ist alle zwei Jahre dasselbe Bild auf der IAA: Gedränge, unzählige Kameras, Blitzlichtgewitter und ein regelrechter Pressekonferenz-Marathon. Seit Dienstag präsentieren Automobilhersteller aus Deutschland und der Welt in Frankfurt ihre neuesten Produkte und Innovationen. Nicht nur die Autos sind neu: Die drei deutschen Premium-Hersteller Audi, BMW und Mercedes haben mit Bram Schot, Oliver Zipse und Ola Källenius jeweils einen neuen Chef - nicht nur die Autos werden deswegen kritisch beäugt, sondern auch die Manager: Schaffen sie es, schafft es Branche insgesamt, die Mobilität auf CO2-neutral umzustellen? Während Greenpeace mit Protestplakaten vor der Tür steht, überbieten sich die Aussteller in der zusammengeschrumpften Messe mit Öko-Superlativen.

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Daimler will auch Zulieferer zu klimaneutraler Produktion bewegen

"Viele sind ungeduldig, vielen geht der Wandel nicht schnell genug", sagt etwa Källenius. "All denen möchte ich sagen: Wir sind auch ungeduldig." Daimler will auch seine Zulieferer zu klimaneutraler Produktion bewegen. "Das wird zu einem Vergabe-Kriterium." Die eigenen Fabriken sollen bis 2022 klimaneutral sein - wobei ein Teil der CO2-Emissionen mit Ausgleichszahlungen kompensiert werden sollen.

Die Stuttgarter beziehen schon die ersten Batteriezellen aus klimaneutraler Produktion, was den oft kritisierten CO2-Rucksack der Stromer deutlich verringert. Auch Recycling und die Menschenrechte sind Thema bei den Stuttgartern.

Was die Ziele bei BMW und Audi sind

BMW möchte bis 2023 eine Million elektrische Fahrzeuge auf der Straßen haben und erwartet auf dem wichtigsten Markt China bis 2030 einen Anteil rein batteriebetriebener Autos von mehr als 50 Prozent der Zulassungen. In Europa und den USA werde der Anteil nur halb so hoch liegen. Entsprechend bleibt Oliver Zipse bei der abwartenden Haltung zu den bevorzugten Antriebsarten. BMW wolle "konventionelle Motoren, die Maßstäbe bei Effizienz setzen, batterieelektrische Antriebe sowie Plug-in-Hybride und in Zukunft auch die Wasserstoff-Brennstoffzelle", sagt er.

Und Audi? Hildegard Wortmann, die im Vorstand seit Juli den Vertrieb verantwortet, verweist auf den E-Tron, der bereits seit März auf dem Markt ist - und auf das "Feuerwerk der kommenden Fahrzeuge mit dem E-Tron GT und dem Q4 E-Tron".

Während Greenpeace bemängelt, dass die Autoindustrie zu wenig unternehme für den Wandel hin zu leichteren und kleineren E-Fahrzeugen, sind die Experten der Berliner Denkfabrik Agora Verkehrswende optimistischer, dass der Branche der Wechsel in die neue Welt gelingen kann - wenn die Hersteller nun endlich entschlossen auf CO2-Reduktion setzten.

Wettbewerber machen ebenfalls Druck

Die Nichtregierungsorganisationen sind aber nicht die einzigen Widersacher der deutschen Hersteller: Die Konkurrenz schläft nicht, auch wenn zahlreiche Wettbewerber gar nicht erst den Weg nach Frankfurt auf sich genommen haben. Einige sind dann aber doch da: Die chinesische Elektroauto-Firma Byton hat das Produktionsmodell des SUV M-Byte dabei.

Die ersten Exemplare sollen Mitte 2020 in China ausgeliefert werden, sagt Chef Daniel Kirchert. Im ersten Halbjahr 2021 folgen die USA und Europa. Am anderen Ende des Spektrums steht der neue Defender von Land Rover - die britische Geländewagen-Ikone. "Erobern Sie den Großstadtdschungel", lautet der Werbespruch.

Audi-Betriebsrat Klotz denkt über die Hardware hinaus

Nach seinem Rundgang über die IAA ist Rolf Klotz nachdenklich: "Der Volkswagen-Konzern ist mit Blick auf die Elektromobilität gut aufgestellt", sagt der Neckarsulmer Audi-Betriebsratsvorsitzende. "Mobilität wird sich allerdings über die Hardware hinaus verändern. Auch hierfür müssen weitreichende Antworten gefunden werden." Hochglanzpolierter Lack und und das Blitzlichtgewitter können nicht alle Zukunftsfragen der Branche beantworten.

 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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