Wie Geldanleger den Minizinsen ein Schnippchen schlagen können

Untereisesheim  Auftakt zu den Anlegertagen der BW-Bank Heilbronn: Trotz niedrigster Zinsen lässt sich Experten zufolge eine gute Rendite erzielen. Vor allem an Aktien führt kein Weg vorbei.

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Wie Geldanleger den Minizinsen ein Schnippchen schlagen können

Wer auf Aktien setzt, hat weiterhin gute Chancen.

Foto: dpa

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Zinsen verharren weiterhin im historischen Tief. Aber, und das ist die gute Nachricht, es gibt trotzdem Möglichkeiten, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Diese Botschaften vermittelten die beiden Experten beim Auftakt zu den Anlegertagen der BW-Bank Heilbronn. Vor knapp 200 Gästen in Rauers Guter Stube in Untereisesheim beleuchteten Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, und Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka-Bank, das globale konjunkturelle Umfeld und die Perspektiven der Geldanlage.

Weitere zehn Jahre durch die Zinswüste

Burkert und Bahr waren sich einig, dass die Zinsen noch lange nicht steigen werden. Mindestens zehn Jahre müssten Anleger noch in der Zinswüste verharren, meinte Bahr. Auch von Christine Lagarde, der neuen Chefin der Europäischen Zentralbank, sei keine Abkehr von der Nullzinspolitik zu erwarten. Aber: "Die Null zu schlagen, das klappt immer", macht Bahr den Zuhörern Hoffnung.

Anlegern rät der Deka-Bank-Experte daher, Unternehmensanleihen, Bundesanleihen und den Geldmarkt zu meiden, weil damit keine vernünftige Rendite zu erwirtschaften sei. Hoch im Kurs stehen bei Bahr hingegen Aktien, Anleihen aufstrebender Schwellenländer (Emerging Markets), Hochzinsanleihen, Rohstoffe und Immobilien - und zwar in dieser Reihenfolge.

Weltweit in Schwellenländer investieren

"Soll man jetzt noch Aktien kaufen, obwohl die Kurse schon so hoch sind?", fragt Moderatorin Cornelia Frey von der Börse Stuttgart. Für Bahr ist das überhaupt keine Frage. Er ist mit Blick auf die Entwicklung in der Vergangenheit überzeugt davon, dass die Aktienmärkte weiter steigen werden. "An der Aktie führt kein Weg vorbei." Auch LBBW-Chefvolkswirt Burkert rät den Sparern, aktiv zu werden und sich mit Aktien zu beschäftigen. "Weltweit anlegen, am besten in Schwellenländern mit starkem Wachstum", lautet seine Empfehlung.

Anlegertage der BW-Bank

Die 6. Heilbronner BW-Bank-Anlegertage finden statt vom 10. bis 19. März. Das Programm steht unter www.bw-bank.de.

Nachhaltigkeit ist der neue Anlagetrend

Eine immer größere Rolle bei der Geldanlage spielt den Experten zufolge das Thema Nachhaltigkeit. Die LBBW hat bereits einige nachhaltige Anleihen aufgelegt, zudem ließen sich immer mehr Unternehmen zertifizieren, um mit einem Nachhaltigkeitssiegel für Anleger interessanter zu werden. Burkert betonte, dass nachhaltige Investments die gleiche oder sogar eine höhere Rendite erzielen als herkömmliche Anlagen. Bahr empfiehlt bei der Auswahl der Unternehmen oder Fonds, auf die Zukunftstechnologien in den Bereichen Klimawandel und Digitalisierung zu setzen.

Der Trend zu nachhaltigen Anlageformen wird den Experten zufolge weiter zunehmen, weil die Nachfrage nach solchen Produkten deutlich wachse. Dadurch nehme der Druck auf Unternehmen, aber auch auf Staaten, zu, nachhaltig zu wirtschaften und anzulegen. "Letztlich", sagt Moderatorin Cornelia Frey, "müssen alle mitmachen".


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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