Wegen Autokrise und Co. ist bei Schunk Kurzarbeit angesetzt

Lauffen  Kurzarbeit beim Lauffener Greifsysteme- und Spanntechnik-Spezialisten. Entlassungen sollen möglichst vermieden werden. Betriebsrat und Gewerkschaft loben konstruktive Zusammenarbeit.

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Konjunkturschwäche trifft Schunk

Greifarme (wie hier auf der Hannover Messe) sind eine Spezialität von Schunk. Nun will sich das Familienunternehmen Hand in Hand mit seinen Mitarbeitern aus der wirtschaftlichen Schwächephase herausarbeiten.

Foto: dpa

Die Konjunkturflaute macht auch vor den Vorzeigeunternehmen der Region nicht Halt. So wird beim Lauffener Spezialisten für Greifsysteme und Spanntechnik Schunk seit vergangener Woche kurzgearbeitet. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage der Heilbronner Stimme. Die Kurzarbeit betrifft alle Bereiche am Stammsitz in Lauffen sowie im Zweigwerk Brackenheim-Hausen mit rund 1700 Mitarbeitern. Ebenfalls in Kurzarbeit ist die Lauffener Tochter Winkler Präzisionswerkzeuge mit rund 60 Mitarbeitern sowie das Werk im bayerischen Huglfing.

Autokrise, Handelskrieg und Brexit belasten Konjunktur

Das Familienunternehmen begründet den Schritt in die Kurzarbeit mit einem "starken Auftragsrückgang und einer entsprechend schwachen Auslastung aller Bereiche". Ursächlich hierfür seien die Unsicherheiten in der deutschen Automobilindustrie, der Handelskrieg zwischen den USA und China sowie der sich hinziehende Brexit, die eine konjunkturelle Abschwächung in den für die Spanntechnik und Greifsysteme relevanten Kundenbranchen zur Folge hätten. Zu den wichtigsten Kunden der Lauffener zählen der Maschinen- und Anlagenbau, die Robotik und Automatisierung sowie die Autohersteller und deren Zulieferer.


"Wir nehmen die Lage sehr ernst, haben vergleichbare Situationen aber auch in der Vergangenheit stets mit Augenmaß, Disziplin und vor allem als Team bewältigt", betont die geschäftsführende Gesellschafterin Kristina Schunk, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder Henrik und Vater Heinz-Dieter Schunk leitet.

Regelmäßige Überprüfung der Kurzarbeit

Welche Bereiche in welchem Ausmaß kurzarbeiten, werde jeweils kurzfristig anhand der Auftragslage entschieden. Monatlich werde zudem überprüft, ob das Instrument der Kurzarbeit noch notwendig sei. Grundsätzlich ist Kurzarbeit bis zu zwölf Monate möglich.

Aufgrund der schlechteren Auftragslage würden alle Investitionen und laufenden Projekte überprüft, teilt Schunk mit. In den zurückliegenden beiden Monaten seien "massiv Überstunden abgebaut" worden. Auf der anderen Seite werde täglich gemeinsam um die vorhandenen Aufträge gekämpft. Bei Schunk geht man davon aus, dass "auch 2020 ein herausforderndes Jahr wird". "Entlassungen sollen weitestgehend vermieden werden, sind aber nicht auszuschließen", sagt Kristina Schunk. 50 Leiharbeitsverträge seien aufgehoben worden, zudem würden einzelne befristete Verträge nicht verlängert.

Alle Maßnahmen mit dem Betriebsrat abgestimmt

Der Betriebsrats-Vorsitzende Michael Epli lobt die "einvernehmliche und konstruktive Zusammenarbeit" mit der Unternehmensführung. Alle Maßnahmen würden mit der Arbeitnehmervertretung abgestimmt. Philipp Zänker von der Unterländer IG Metall sieht trotz der Einschnitte für die Mitarbeiter in der Kurzarbeit ein "starkes Zeichen an die Belegschaft", dass das Familienunternehmen die Beschäftigung sichern möchte. "Man entlässt nicht gleich Leute", lobt Zänker.

Kurzarbeit ist ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, um zu verhindern, dass ein Unternehmen während einer Schwächephase Mitarbeiter entlässt. Während die Kurzarbeit läuft − bis zu zwölf Monate sind möglich − zahlt die Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld, um den Verdienstausfall teilweise auszugleichen. Arbeiten die Mitarbeiter weniger, verdienen sie auch weniger. Mit dem Kurzarbeitergeld werden 60 Prozent des Netto-Verdienstausfalls ausgeglichen, mit Kind sind es 67 Prozent.

In der Region nimmt die Kurzarbeit seit Ende der Sommerferien deutlich zu, wie Wolfgang Kärcher von der Arbeitsagentur Heilbronn mitteilt. Gab es im Zeitraum von Januar bis Oktober 2018 56 Anmeldungen für Kurzarbeit, sind es in diesem Jahr bis Oktober schon 100. Kärcher weist darauf hin, dass 100 Anzeigen nicht gleichbedeutend mit 100 Unternehmen seien, da Betriebe auch für verschiedene Bereiche Kurzarbeit anmeldeten, die einzeln gezählt würden. Noch sei man von einer Krise entfernt, betont der Bereichsleiter Kurzarbeit. Allerdings rechnet Kärcher Anfang nächsten Jahres mit steigender Kurzarbeit. 

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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