Weber-Hydraulik schließt Sanierung ab

Güglingen  Das Güglinger Familienunternehmen profitiert von guter Auftragslage, Sparmaßnahmen und Effizienzsteigerungen. Angesichts der sich abkühlenden Konjunktur herrscht aber keine Euphorie.

Weber-Hydraulik schließt Sanierung ab

Bei Weber-Hydraulik in Güglingen können die Mitarbeiter wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken.

Foto: Weber-Hydraulik

Erleichterung in Güglingen: Ein halbes Jahr früher als geplant hat Weber-Hydraulik seine Restrukturierung im Sommer abgeschlossen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Christine Grotz. Die Enkelin von Firmengründer Emil Weber warnt angesichts der sich abkühlenden Konjunktur und hohen Wettbewerbsdrucks aber vor Euphorie. "Der Druck auf dem Kessel bleibt."

Zahl der Mitarbeiter bleibt konstant

Durchatmen können die rund 1700 Mitarbeiter der Gruppe an den sieben verbliebenen Standorten dennoch. Der Ende 2016 im Raum stehende Stellenabbau in größerem Stil hat nicht stattgefunden, der Mitarbeiterbestand wurde gehalten. Das ist insbesondere für den Stammsitz in Güglingen ein Erfolg, wo 171 Arbeitsplätze gestrichen werden sollten. Heute liegt die Zahl der Mitarbeiter dort mit rund 650 fast auf Vorkrisenniveau. Einige Stellen wurden sozialverträglich abgebaut, zudem gab es einige Verschiebungen zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen. Selbst der Großteil der rund 60 Leasingkräfte ist weiterhin an Bord.

Restrukturierung und gute Nachfrage als Erfolgsfaktoren

Zwei Hauptursachen nennt Christine Grotz für die gute Entwicklung des Familienunternehmens. Zum einen hätten die Restrukturierungsmaßnahmen, die unter dem Motto "Konzentration aufs Kerngeschäft" standen, sehr gut gewirkt. Grotz nennt hier massive Investitionen im gesamten Unternehmen mit dem Ziel der Effizienzsteigerung. Fertigungsprozesse, Arbeitsabläufe und die Logistik wurden optimiert und die Automatisierung vorangetrieben.

Ausbildung

In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Ausbildung von Nachwuchskräften ein besonders wichtiges Thema bei Weber-Hydraulik. Wie Geschäftsführerin Christine Grotz mitteilt, haben in diesem Jahr 16 Lehrlinge und fünf Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg bei Weber in Güglingen ihre Ausbildung begonnen. "Wir tun viel. Wir gehen in Kindergärten, Schulen und veranstalten Ausbildungstage", betont Grotz. Ausbildung hat bei dem Familienunternehmen schon seit 1945 Tradition. Wie Ausbildungsleiter Christopher Aldinger berichtet, haben im technischen Bereich weit über 50 Prozent der Mitarbeiter ihre Lehre bei Weber gemacht. "Wir bilden nach Bedarf aus und wünschen uns, dass alle Azubis auch im Unternehmen bleiben", sagt Aldinger. 

Auf der anderen Seite liefen die Geschäfte mit Hydraulikkomponenten besser als erwartet. "Die Auftragslage ist gut, wir sind profitabel", betont die Geschäftsführerin. Der Umsatz werde in diesem Jahr mit 300 Millionen Euro das Vorjahresniveau (auf vergleichbarer Basis) erreichen. Die gute Auslastung hat dazu geführt, dass die beschlossene Verlagerung der Produktion von einfachen Hydraulikzylindern ins polnische Weber-Werk verschoben werden musste. Christine Grotz rechnet nun damit, dass die Verlagerung bis Ende 2020 abgeschlossen sein wird. Die von diesem Schritt betroffenen 60 Mitarbeiter in Güglingen seien bereits zum Großteil in anderen Bereichen am Stammsitz untergekommen, sagt Grotz.

Die Geschäftsführerin, die das Unternehmen gemeinsam mit Jürgen Lotter und Markus Munz leitet, sieht Weber-Hydraulik nun wieder wettbewerbs- und zukunftsfähig aufgestellt. Zwar spüren auch die Güglinger einen gewissen Nachfragerückgang. "Investitionen werden zunehmend verschoben", hat Christine Grotz beobachtet. Doch sie wird weiterhin darauf achten, dass bei Weber alle ihre Hausaufgaben machen. Für die Geschäftsführerin heißt das konkret: "Wir werden weiter in die technologische Entwicklung und in unsere Mitarbeiter investieren." Zugleich aber gelte es, konsequent auf der Kostenseite zu arbeiten und die Effizienz weiter zu steigern.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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