Was Bram Schot mit Audi plant

Neckarsulm  Der neue Vorstandschef will die Marke neu definieren und macht Druck in Sachen Produktivität. Am 1. Januar startet er offiziell als Vorstandsvorsitzender bei der Audi AG. Schon jetzt macht er deutlich, wo er etwas ändern will - etwa bei der Auslastung des Neckarsulmer Werks.

Von Manfred Stockburger

Bram Schot Audi-Chef
Bram Schot, hier beim Redaktionsbesuch in der Heilbronner Stimme. Foto: Veigel

 

Ruhe zwischen den Jahren? Nicht bei Bram Schot, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Audi AG. Noch bevor er am 1. Januar den neuen Job offiziell antritt, hat er in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" deutlich gemacht, wo er bei dem Autobauer Handlungsbedarf sieht.

"2019 wird ein Jahr des Umbruchs, kündigte der 57-Jährige an. "Wir haben die Gelegenheit, alles auf den Prüfstand zu stellen und Dinge zu verändern", sagte er. "Es ging in den vergangenen 25 Jahren bei Audi kontinuierlich aufwärts. Das hat viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht", lautet seine Analyse.

Große Herausforderungen

Schon bei den Betriebsversammlungen in Ingolstadt und Neckarsulm hatte er angekündigt, dass die Herausforderungen nicht kleiner, sondern größer würden. "Wir müssen die Dinge gemeinsam ändern - jetzt", sagte Schot seinen Belegschaften.

In dem Interview fügte er angesichts der aktuellen Auslastungsprobleme hinzu, dass Audi mit rund 90.000 Beschäftigten für die jetzige Produktionsmenge zu viele Mitarbeiter habe. "Jetzt kann man überlegen, mit weniger Leuten zu arbeiten. Oder mit den gleichen Leuten mehr Output erzeugen", stellte Schot fest. "Ich will Letzteres."

Werk Neckarsulm ist besonders schlecht ausgelastet

In Neckarsulm waren die Bänder dieses und letztes Jahr zu weniger als zwei Dritteln ausgelastet. Gleichzeitig lag der Anteil der Eigenzulassungen bei Audi trotz der niedrigen Zulassungszahlen im Inland zuletzt mit 34 Prozent sehr hoch.

Mit seiner Forderung nach einer höheren Produktivität wolle er keinen Konflikt mit der Belegschaft erzeugen, betonte Schot. Ziel sei ein gemeinsames Ergebnis. "Und weil wir einen guten Betriebsrat haben, bekommen wir das hin", sagte Schot weiter. Die Arbeitnehmervertreter hatten sich in den vergangenen Monaten massiv dafür eingesetzt, dass der Holländer dauerhaft Audi-Chef bleibt - wie berichtet hatte Wolfsburg eigentlich den früheren BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann installieren wollen, scheiterte aber an dem Münchener Wettbewerber, der auf die vertraglich vereinbarte Karenzfrist beharrte.

Die Sorgen der Mitarbeiter ernst nehmen

Ein halbes Jahr lang war Schot nur Interimschef. "Ich habe versucht, intern sehr präsent zu sein, um den Menschen zu zeigen, dass ich ihre Sorgen ernst nehmen", sagte er über die Zeit nach der Verhaftung seines Vorgängers Rupert Stadler, in der er häufig als Feuerwehrmann gefordert war. Nun will Schot sich verstärkt um strategische Themen kümmern. "Das Nachdenken über die richtige Strategie ist nicht der Strategieabteilung vorbehalten", sagte er. Und: "Bevor das Ziel nicht klar ist, ist der Weg nicht so wichtig."

Bei der Betriebsversammlung nach seiner Berufung zum Vorstandschef hatte er laut "Wirtschaftswoche" gesagt, dass die Reputation von Audi "verbesserungswürdig" sei - "nicht nur wegen Diesel und nicht erst seit Diesel". Die Imagewerte stünden schon seit 2013 unter Druck. Audi habe früher für Leichtbau, LED-Licht und den Quattro-Antrieb gestanden, sagte er, doch "diese Begriffe sind aufgebraucht." Deshalb müsse man "die Audi-DNA" neu definieren und klären, für was die Marke stehen soll.

Marke soll neu definiert werden

Die Kernfrage für Bram Schot heißt: "Was heißt progressiv und sportlich und nachhaltig für unsere Kunden?" An der Antwort müssten sich alle bei Audi künftig streng ausrichten: Techniker, Designer und auch die Kommunikation.