Was Audi mit dem E-Tron GT plant

Ingolstadt/Heilbronn  Von 2020 an soll der E-Tron GT im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe produziert werden. In der Nacht wurde das Coupé auf der Motorshow in Los Angeles erstmals einem breiten Publikum gezeigt.

Von Manfred Stockburger

 

Kein klassischer Sportwagen, sondern ein echter Viersitzer, der sich den Namen Grand Tourismo redlich verdient hat, wird ab 2020 zusammen mit dem Supersportwagen R8 im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe produziert werden. Gestern Abend wurde das Coupé auf der Motorshow in Los Angeles erstmals einem breiten Publikum gezeigt – wie den elektrischen Stadtgeländewagen E-Tron im kalifornischen Vorgarten des Wettbewerbers Tesla, dessen Model S der nächste Elektro-Audi den Spitzenplatz in den einschlägigen Verkaufs-Hitlisten streitig machen soll.

Unter der Haube ist das Auto dem Porsche Taycan sehr ähnlich – was nicht weiter verwundert: Schließlich steht der Audi auf derselben Flachbodenbasis, die das Schwesterunternehmen im VW-Konzern für seinen ersten Elektrosportwagen entwickelt hat. Freilich: Der Blick unter die Klappe blieb bei der Vorabvisite in einer Ingolstädter Logistikhalle abseits des Audi-Werksgeländes auch den ausgewählten Augen verwehrt, die das Auto unter strengster Geheimhaltung schon besichtigen durften. Die 590 PS, die das Auto in 3,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer katapultieren sollen, sind bislang noch nicht erlebbar. Die Reichweite soll bei über 400 Kilometern liegen. Serienreif ist das Auto in der Konzept-Phase ohnehin noch nicht. Die Bauarbeiten am Produktionsstandort Böllinger Höfe werden aber schon in den Weihnachtsferien beginnen.

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Innenraum ohne tierische Materialien

Bei der geheimen Vorab-Premiere bietet Audi Design-Chef Marc Lichte auf – das ist kein Zufall. Schließlich sind die Ingolstädter mächtig stolz auf den „Hut“, den sie auf den Porsche-Boden gesetzt haben: Optisch wirkt der fast fünf Meter lange und beinahe zwei Meter breite GT tatsächlich wie ein Geschwisterkind des im September vorstellten E-Tron. Zugleich nimmt er die Audi-typische Sportback-Linienführung auf – und er erinnert damit an den konventionellen A7.

Preislich dürfte der Wagen aus der Manufaktur aber deutlich über diesem Niveau liegen – schließlich wird er von der RS-Schmiede Audi Sport auf den Markt gebracht. Nur: Welchen Platz lässt er für das größere der beiden Coupés, die schon wenige Monate später in Neckarsulm in Großserie vom Band laufen sollen? Die dann wieder auf einer anderen Plattform stehen werden? Diese Antwort müssen die Produktstrategen erst noch finden.

Dem Innenraum des E-Tron GT bescheinigt Audi ein hohes Maß an Alltagstauglichkeit, die mit höchster Qualitätsanmutung gepaart sei. Das handgefertigte Messefahrzeug ist in der Tat perfekt verarbeitet. Dass es ohne tierische Materialien auskommt und damit ein echter Veganer ist, zeigt ebenfalls, welche Zielgruppe Audi im Sinn hat. Die Bodenteppiche sind gar aus gebrauchten Fischernetzen hergestellt. „Unverwechselbare Audi-DNA“, wie es in Ingolstadt heißt, muss die Kombination von Moderne und Nachhaltigkeit erst werden.

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